Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 477

 

477
Erich Heckel
Zwei sitzende Frauen, 1912.
Farbholzschnitt
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
+
Zwei sitzende Frauen. 1912.
Farbholzschnitt.
Ebner/Gabelmann 527 H. Dube H 240. Signiert, datiert und handschriftlich bezeichnet "2 Akte farb Holz Handdr". Auf Bütten. 29,5 x 29,6 cm (11,6 x 11,6 in). Papier: 34,7 x 52 cm (13,6 x 20,4 in).
Renate Ebner und Hans Geissler zufolge handelt es sich um eine Strandszene von der Ostseeinsel Fehmarn. Im Juli 1912 besuchten Erich und Sidi Heckel dort Ernst Ludwig Kirchner und seine Freundin Erna. [AR].
• Äußerst seltener und farbschöner Handdruck aus der "Brücke"-Zeit.
• In der kraftvollen Bildsprache erweist sich Heckel auf der Höhe seiner Holzschnittkunst.
• Durch die individuelle Einfärbung hat jedes Exemplar Unikatcharakter.
• Von den sechs bekannten Exemplaren befinden sich vier in öffentlichen Sammlungen: im Museum Folkwang, Essen, im Brücke-Museum Berlin, in der Staatsgalerie Stuttgart und im Chicago Art Institute.
• Bislang wurde nur ein weiteres Exemplar auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com)
.

Wir danken Frau Renate Ebner und Herrn Hans Geissler, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen am Bodensee, für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Frauen in Kunst und Leben der "Brücke", Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig, 10.9.-5.11.2000, Kat.-Nr. 93 (m. Farbabb. S. 174).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Im Rhythmus der Natur: Landschaftsmalerei der "Brücke". Meisterwerke der Sammlung Hermann Gerlinger, Städtische Galerie, Ravensburg, 28.10.2006-28.1.2007 (m. Farbabb. S. 97).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 92 (m. Farbabb. S. 157).
Brückenschlag: Gerlinger – Buchheim!, Buchheim Museum, Bernried, 28.10.2017-25.2.2018, S. 176f. (m. Abb.).
Erich Heckel, Einfühlung und Ausdruck, Buchheim Museum, Bernried, 31.10.2020-7.3.2021, verlängert bis 20.6.2021 (m. Farbabb. S. 178).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 195, SHG-Nr. 239 (m. Farbabb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 189, SHG-Nr. 426 (m. Farbabb.).

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.12 h +/- 20 Min.

Neben der Malerei wurde für Erich Heckel die Druckgrafik und hier vor allem der Holzschnitt zu einem zentralen Medium seines Ausdrucksverlangens. Das Motiv der weiblichen Aktfigur im Atelier oder in der freien Natur stand im Fokus der Künstlergruppe "Brücke". Insbesondere im Sujet der Badenden sahen Heckel und seine Mitstreiter ihre Vorstellung einer naturnahen Verbundenheit des Menschen mit der ursprünglichen Landschaft am Wasser in idealer Weise verkörpert. In Heckels Werk gehört der Farbholzschnitt "Zwei sitzende Frauen" von 1912 zu den Glanzstücken dieser Thematik und zu den bedeutendsten druckgrafischen Arbeiten aus dieser Zeit.
Eingefangen ist eine idyllische Badeszene am Strand. Zwei sitzende Frauen räkeln sich in der Sonne. Das Motiv zeigt vermutlich den Strand der Ostseeinsel Fehmarn, wo Erich Heckel und seine Lebensgefährtin Siddi (Milda Frieda Georgi) im Anschluss an ihren Aufenthalt auf der Insel Hiddensee im Juli 1912 Ernst Ludwig Kirchner und dessen Freundin Erna Schilling besuchten. Für die Lokalisierung nach Fehmarn spricht auch die Strandfläche mit Findlingen und die leichte Steilküste im Hintergrund, wie man sie besonders vom rauen Küstenabschnitt beim Leuchtturm Staberhuk, wo Kirchner sein Quartier hatte, kennt (Abb. 1). In der kraftvollen Bildsprache erweist sich Heckel auf der Höhe seiner Holzschnittkunst. Das zur radikalen, flächenreduzierten Formvereinfachung prädestinierte Druckmedium animierte zur kontrastreichen Stilisierung der Darstellung auf großzügige Flächenzonen und kantig gebrochene Konturstege. Von der schroffen Herbheit der landschaftlichen Umgebung heben sich die beiden sinnlich gerundeten Frauenkörper reizvoll ab. Neben der spannungsreichen Formgebung gewinnt das Blatt vor allem durch die intensiven Farbkontraste seine vitale Expressivität und ausdrucksgeladene Atmosphäre.
Mit dieser von sommerlicher Lebensfreude durchdrungenen Strandszene an der Ostsee gelang Heckel ein prachtvoller Farbholzschnitt. Drucktechnisch agierte er mit schwarzem Zeichnungsstock und kolorierter Farbplatte in leuchtendem Gelb, Grün und Rosa, wobei die Intensität und Dichte der Farben von Druck zu Druck zwischen Rot und Rosa, Hell- und Dunkelgrün sowie Gelb und Ocker variieren. Zu dieser Zeit fertigte Heckel seine Holzschnitte ausschließlich als Handabzüge, die sich im Druckbild jeweils unterscheiden. So stellt jeder Abzug ein Unikat dar. Von diesem sehr seltenen Blatt sind bislang lediglich sechs Exemplare bekannt, darunter vier in deutschem und amerikanischem Museumsbesitz. Typisch für Heckels Holzschnitte der Jahre 1912/13 ist der Einsatz unregelmäßig geformter Druckstöcke, deren schräge, sich verjüngende oder verbreiternde Umrisskonturen in die Komposition mit hineinspielen und ganz wesentlich den besonderen, gleichsam urwüchsigen Ausdruck der Arbeiten prägen (Abb. 2). Mit sicherem Gespür für die Wirksamkeit der ungleichen Ränder fügte Heckel das sinnliche Sujet in die unorthodoxe Umrissform ein und erzielt damit eine zusätzliche Rhythmik und Archaik in der Bildaussage.
Andreas Gabelmann



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Erich Heckel "Zwei sitzende Frauen"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.