Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 1

 

1
Karl Schmidt-Rottluff
Morgen an der Elbe, 1905.
Öl auf Karton
Schätzpreis: € 150.000 - 200.000
+
Morgen an der Elbe. 1905.
Öl auf Karton.
Links unten signiert und datiert. Verso erneut signiert, betitelt "Morgen a. d. Elbe" sowie bezeichnet "Ölgem". 35,5 x 48,5 cm (13,9 x 19 in).
[KT].
• Aus dem Gründungsjahr der "Brücke"-Gemeinschaft.
• Erstmals präsentiert in der zweiten Ausstellung der Künstlergruppe "Brücke" (Lampenfabrik Seifert, Dresden 1906).
• Gemälde aus dieser frühen Schaffensphase des Künstlers werden äußerst selten auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com)
.

Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.

PROVENIENZ:
Atelier des Künstlers.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (1989 aus Künstlernachlass erworben, mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Künstlergruppe "Die Brücke", Lampenfabrik Karl Max Seifert, Dresden-Löbtau, 24.9.-Okt. 1906.
Karl Schmidt-Rottluff, Sonderschau zu Ehren seines 75. Geburtstages. Zusammengestellt aus Leihgaben und eigenem Besitz, Ausstellung Städtische Kunstsammlung Karl-Marx-Stadt/Chemnitz, Museum am Theaterplatz, 29.11.1959 bis 24.1.1960, Kat.-Nr. 5.
Schmidt-Rottluff – Malerei und Graphik aus sieben Jahrzehnten. Ausstellung zum 90. Geburtstag, Städt. Kunstsammlungen Karl-Marx-Stadt/Chemnitz, 1974, S. 5, Nr. 8.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Die Brücke und die Moderne, 1904-1914: eine Ausstellung des Bucerius Kunst Forums, Hamburg, 17.10.2004-23.1.2005, Ausstellung und Katalog von Heinz Spielmann, Kat.-Nr. 9 (m. Abb.).
Im Rhythmus der Natur: Landschaftsmalerei der "Brücke". Meisterwerke der Sammlung Hermann Gerlinger, Städtische Galerie, Ravensburg, 28.10.2006-28.1.2007, S. 59 (m. Abb.).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 4 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Brückenschlag: Gerlinger – Buchheim!, Buchheim Museum, Bernried, 28.10.2017-25.2.2018, S. 58f. (m. Abb.).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 118f. (m. Abb.).
Brücke und Blauer Reiter, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 21.11.2021-27.2.2022; Kunstsammlungen Chemnitz, 27.3.-26.6.2022; Buchheim Museum, Bernried, 16.7.-13.11.2022, S. 258 (m. Abb.).

LITERATUR: Otto Sebaldt, Leben, Kunst und Wissenschaft. Dresdner Kunstschau II, in: Sächsische Arbeiterzeitung, 1. Beilage, 23.10.1906, Jg. 17, Nr. 246, S. 1137 (dort mit dem Titel "Frühlingstag am Elbufer").
Karl Brix, Karl Schmidt-Rottluff, Leipzig 1972, S. 16, 152 (m. Abb. Taf. 3).
Karl Brix, Karl Schmidt-Rottluff und Sachsen, in: Sächsische Heimatblätter, Heft 6, 1986, S. 243.
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 205, SHG-Nr. 258 (m. Abb.).
Erich Franz (Hrsg.), Farben des Lichts. Paul Signac und der Beginn der Moderne von Matisse bis Mondrian, Ostfildern 1996, S. 271f. m. Farbabb. S. 275.
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 31, SHG-Nr. 33 (m. Abb.).
Katja Schneider (Hrsg.), Moderne und Gegenwart. Das Kunstmuseum in Halle, München 2008, S. 108 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Gemeinsames Ziel und eigene Wege. Die "Brücke" und ihr Nachwirken, München 2009, S. 42, Abb. 15.

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 17.00 h +/- 20 Min.

Was für ein beeindruckendes Werk, mit dem sich Schmidt-Rottluff 1905 einer tiefgreifenden Neuorientierung unterzieht. Diese gleicht in vieler Hinsicht einem Bruch mit den vorangegangenen Landschafts-Aquarellen, die er vor Aufnahme seines kurzen, nur ein Semester währenden Architekturstudiums an der Technischen Hochschule in Dresden geschaffen hatte, und lässt ihn im Umkreis der Künstlerfreunde, die sich zur Künstlergruppe "Brücke" zusammenschließen, zum Protagonisten einer radikalen Moderne werden.

Von Beginn an widmet sich Karl Schmidt-Rottluff der Landschaft. Landschaften sind eines der zentralen Bildthemen in seinem Werk. Sie dokumentieren seine Reisen und seine Aufenthalte, von den Anfängen als Schüler in dem dörflich-sächsischen Rottluff bis zu den letzten in Berlin geschaffenen Werken. Erste, noch mit "Karl Schmidt" signierte Werke entstehen um 1901/1902 und zeigen die Umgebung seines Geburtsortes Rottluff: Wiesen, Wälder, Felder, Flüsse, Gehöfte, einzelne Häuser und die kleinen Dörfer am Rande des Erzgebirges. Typisch für die Landschafts-Aquarelle des Künstlers ist ein Hang zu wenig aufsehenerregenden Sujets, ungewöhnlichen Perspektiven, engen Ausschnitten und extremer Nahsicht. (Abb.)

In Chemnitz besucht Schmidt-Rottluff von 1897 bis 1905 das Königliche Gymnasium, das auf humanistische und musische Bildung besonderen Wert legt. In dem von Schülern der Oberstufe gegründeten Debattierklub "Vulcan", wo man die zeitgenössische Literatur liest und diskutiert, lernt Schmidt-Rottluff den knapp anderthalb Jahre älteren Erich Heckel kennen, der damals das Realgymnasium besucht. Gemeinsame Interessen führen alsbald zu einer lebenslangen Freundschaft. Man besucht wiederholt die "Kunsthütte", einen örtlichen Kunstverein, der Vorträge veranstaltet und Ausstellungen organisiert, etwa von Eugen Bracht, Paul Baum oder Gotthard Kuehl, deutschen Vertretern des Naturalismus, Impressionismus und Pointillismus. Hier mögen sich Berührungspunkte zum Frühwerk seines Freundes Erich Heckel ergeben haben, betrachtet man etwa dessen 1904 datiertes Gemälde "Brandstätten" (Abb.). Auch Heckels Gemälde "Elbe bei Dresden" (Abb.) aus dem Jahr 1905 antizipiert eine Maltechnik, die für Schmidt-Rottluff einen Moment lang anregend gewirkt haben mag, um sein Gemälde "Morgen an der Elbe" zu realisieren.

In Dresden dann sieht sich der junge Student mit einer breiteren Kunst- und Kulturszene konfrontiert, die auch auf seinen Malstil Einfluss nehmen wird: eine ausdrucksstarke Farbpalette, aufgetragen mit breitem und bewegtem Pinselstrich. Das Spiel mit der Wirkung der Farbe durch das Platzieren von Lichtreflexen und das Suggerieren von Jahres- und Tageszeiten durch den Einsatz reiner, leuchtender Farben charakterisiert das Gemälde "Morgen an der Elbe". Mit dem Gemälde "Erzgebirgsdorf" (Abb.), ebenfalls 1905 entstanden, beginnt Schmidt-Rottluff die Farbe in den Vordergrund zu inszenieren, um Stimmung und Emotionalität ins Bild zu bringen. Schmidt-Rottluff löst sich von der objektiven Darstellung des Naturvorbildes und lässt seine Landschaften aus Farben und Formen entstehen, wie er es an Beispielen von publizierten Werken van Goghs studieren konnte und, mit der Ausstellung in der Dresdener Galerie Arnold im November 1905 bestätigt, für seine Malerei unmittelbar nutzbar macht. "Morgen an der Elbe" erscheint wie eine bunte Mischung aus mal kurzen oder mal längeren Strichen komponiert, die zu dem strahlend leuchtenden Motiv mit auf der Elbe schwimmenden Schiffen zusammenfinden. Pastose Flecken, mit denen der Künstler die Schiffe charakterisiert, er mit Rhythmus die Oberfläche der Elbe und die Himmelszone mit dem sehr hoch gelegten Horizont markiert. Farbmaterie und Pinselduktus gewinnen eine eigene Wertigkeit, die durch die malerisch offene Struktur nur noch mittelbar auf die dargestellte Realität verweisen. Äußere Wirklichkeit trifft auf innere Empfindung, "unmittelbar und unverfälscht". Frei und locker wirkt Schmidt-Rottluffs Umgang mit Form und Farbe, kräftig und impulsiv zeigt sich seine Malerei. Ohne schwarz umrandende Konturen kontrastieren die Farben miteinander und erlangen so ihre intensive Präsenz. So konzentriert sich hier der Blick auf die in der Morgensonne liegenden Schiffe. [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Morgen an der Elbe"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.