Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 51

 

51
Karl Schmidt-Rottluff
Stillleben mit Rosen und Karaffe, 1907.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
+
Stillleben mit Rosen und Karaffe. 1907.
Öl auf Leinwand.
Grohmann S. 254/281. Rechts oben signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen erneut signiert sowie bezeichnet "Stillleben Ölgem.". 60,5 x 57 cm (23,8 x 22,4 in).
[KT].
• 1907 erreicht die "Brücke" mit zahlreichen Ausstellungen erste größere Aufmerksamkeit und Anerkennung.
• Exzeptionelles Motiv des Stilllebens zu einer Zeit, in der vor allem Landschaften entstehen.
• Äußerst seltenes Werk der Frühzeit, die auf dem Auktionsmarkt kaum vertreten ist (Quelle: artprice.com).
• Besonders expressive Farbigkeit.
• Namhafte Provenienz: Erstbesitzer Albert Kaumann ist bedeutender Hamburger Kunstmäzen und Sammler von u. a. Emil Nolde
.

Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Albert Kaumann, Hamburg.
Sammlung Henry B. und Gertrud Simms, Hamburg (wohl vom Vorgenannten erworben, bis 1932: Commeter).
Sammlung Josef Lanthemann, Genf.
Rheinische Privatsammlung (bis 1971: Lempertz).
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (vom Vorgenannten übernommen, mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Künstlergruppe "Die Brücke", Kunstsalon Emil Richter, Dresden, 1.-21.9.1907.
324. Ausstellung des Oldenburger Kunstvereins, Augusteum, Oldenburg, 15.11.-15.12.1908, Kat.-Nr. 60.
Werke neuerer Kunst aus Hamburg, Privat-Besitz, Kunsthalle Hamburg, 1917, Kat.-Nr. 141.
Maler der Brücke in Dangast von 1907 bis 1912. Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emma Ritter, Oldenburger Kunstverein, Oldenburg, 2.6.-30.6.1957, Nr. 7.
Karl Schmidt-Rottluff zum 100. Geburtstag, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, 3.6.-12.8.1984, Kat.-Nr. 3.
Karl Schmidt-Rottluff, Retrospektive, Kunsthalle Bremen, 16.6.-10.9.1989; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 27.9.-3.12.1989, Kat.-Nr. 30 (m. SW-Abb., Farbtaf. 8).
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Die Brücke und die Moderne, 1904-1914, Bucerius Kunst Forum, Hamburg, 17.10.2004-23.1.2005, Kat.-Nr. 125 (m. Abb.)
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 7 (m. Abb.).
Karl Schmidt-Rottluffs Landschaften und Stillleben, Saarlandmuseum Saarbrücken, 6.11.2010-23.1.2011, Kat.-Nr. 11 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Brückenschlag: Gerlinger – Buchheim!, Buchheim Museum, Bernried, 28.10.2017-25.2.2018, S. 68f. (m. Abb.).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 130f. (m. Abb.).
Brücke und Blauer Reiter, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 21.11.2021-27.2.2022; Kunstsammlungen Chemnitz, 27.3.-26.6.2022; Buchheim Museum, Bernried, 16.7.-13.11.2022, S. 226 (m. Abb.).

LITERATUR: Paul Fechter, Kunstsalon Richter, in: Dresdner Neueste Nachrichten, XV. Jg. Nr. 247, 10.9.1907, S. 1.
Galerie Commeter, Hamburg, 54. Auktion, Freiwillige Versteigerung von Gemälden alter und neuer Meister aus Privatbesitz, 18.10.1932, Los 215.
Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 254, 281.
Lempertz, Köln, 515. Auktion, 29.4.1971, Los 964 (m. Abb.).
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff in Hamburg und Schleswig-Holstein, Neumünster 1984, S. 99, 131 (m. Abb.).
Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907-1912, Mainz 1995, S. 261, Nr. 7 (m. Abb.).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 210, SHG-Nr. 267 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 36, SHG-Nr. 43 (m. Abb.).
Katja Schneider (Hrsg.), Moderne und Gegenwart. Das Kunstmuseum in Halle, München 2008, S. 108f. (m. Abb.).



Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.40 h +/- 20 Min.

Die grundlegende Bedeutung des Stilllebens
Das "Stillleben mit Rosen und Karaffe" gehört zu den seltenen frühen Beispielen von Stillleben in Schmidt-Rottluffs Schaffen. Immer wieder, vor allem aber in den 1920er Jahren und in seinem Spätwerk nach 1945, hat das Stillleben eine große Bedeutung für den Künstler. Das Motiv ist Meditationsgegenstand und eine Möglichkeit, mit künstlerischen, formalen Ideen und Problemen in Dialog zu treten. In ihnen untersucht er die Beziehungen der Formen der sichtbaren Welt untereinander, befasst sich mit der Wirkung von Farbe, ihren Kontrasten, der verschiedenen Wirkung von farbigen Linien und Flächen und er analysiert die Möglichkeiten der räumlichen Gestaltung von Volumina.
Bereits in diesem Gemälde aus dem Jahr 1907, als Schmidt-Rottluff noch auf der Suche nach seiner ganz persönlichen Bildsprache ist, ist dieses Resümieren der künstlerischen Grundsätze zu spüren. Der Künstler verarbeitet Einflüsse des Impressionismus, Neoimpressionismus und des großen Vorbilds Vincent van Gogh, und er testet aus, inwieweit sie seinem Ausdruckswillen entsprechen.

Der Aufbruch zu neuen Ufern der Kunst

Zwei Jahre zuvor, im Juni 1905, gründet Schmidt-Rottluff gemeinsam mit seinem Schulfreund Erich Heckel sowie den zwei Kommilitonen des Architekturstudiums in Dresden Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl die Künstlergruppe "Brücke". Ihr Ziel ist, zu neuen Ufern in der Kunst aufzubrechen, sich von den Traditionen des akademischen Kunstbetriebs und den Regelwerken der Kunst der Jahrhundertwende zu lösen. Vor allem aber wollen sie "unmittelbar und unverfälscht […] zeigen", was sie "zum Schaffen drängt" (zit. nach: Das gemeinsam formulierte Programm wurde von Kirchner 1906 in Holz geschnitten: Dube H 696, abgedruckt in: Magdalena M. Moeller (Hrsg.): Dokumente der Künstlergruppe Brücke. Brücke-Archiv Nr. 22, München 2007, S. 34-37, S. 42), also eine bildnerische Umsetzung für ihre Emotion und den erlebten Moment finden. Weniger der vordergründige Augeneindruck sollte das Motiv sein als vielmehr der Ausdruck des inneren Erlebens eines subjektiv empfundenen Moments. 1905 und 1906 verarbeiten die Künstler zunächst Anregungen des französischen Impressionismus und Neoimpressionismus. Im Spätjahr 1906 ist in der Dresdener Galerie Arnold eine Ausstellung von Vincent van Gogh zu sehen, den die Künstler bereits aus Julius Meier-Graefes "Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst" von 1904 kennen. Das Erlebnis der leuchtenden Farben und der temperamentvollen Pinselführung vor den Originalen wird ein prägendes Schlüsselerlebnis. Die Möglichkeit des individuellen Ausdrucks, den die jungen "Brücke"-Künstler bei van Gogh wahrnehmen, wirkt als Befreiung von formalen Zwängen. In ihren Gemälden und Aquarellen bleibt die Handschrift sichtbar stehen, so dass Dynamik und Bewegung der inneren Gestimmtheit sichtbar werden.

Das Innere in energievoller Umsetzung nach Außen
So ist auch Schmidt-Rottluffs "Stillleben mit Rosen und Karaffe" aus markanten Strichen dicker, pastoser Farbe aufgebaut. Die gesamte Bildfläche vibriert, teilweise beleben Schlangenlinien die einzelnen Farbzonen. In diesem bewegten Farbauftrag wird Schmidt-Rottluffs jugendliches Ungestüm nachvollziehbar. Der dynamisch flutende Schwung macht die Energie des Malvorgangs und den vitalen Elan nachvollziehbar. Die entschlossene Wucht der Pinselstriche verbildlicht die kraftvoll empfundene Schaffenslust des Künstlers. In der pastos aufgetragenen Farbe klingt noch die Anregung des Impressionismus nach, die lichte, eher pastellhafte Tonigkeit liegt aber schon hinter dem Künstler. Die unvermischten Farben Grün, Rot, Blau und Gelb zeigen die Anregung des Neoimpressionismus, wobei das pointillistische Prinzip gänzlich zugunsten der dynamisierten und sichtbar bleibenden Pinselführung aufgegeben ist.
Die Illustration des Schaffensrausches
Es geht Schmidt-Rottluff weniger um das Motiv an sich, vielmehr gelingt es immer besser, die eigene innere Stimmung und Verfassung, den begeisterten Schaffensrausch im Bild anschaulich zu machen. Dies zeigen Vergleiche mit Porträts oder Landschaften, die in der gleichen Zeit entstehen und das gleiche Prinzip des leidenschaftlich bewegten Duktus und sichtbaren Temperaments vermitteln. (Abb.) In der weiteren Entwicklung seiner Kunst sollte diese Sichtbarkeit der Spontaneität und innerlich empfundenen Emotion zu einem wesentlichen Bestandteil seines Expressionismus werden. In der kompakten, schweren Pinselschrift, die die Farbe in dichter, pastoser Substanz aufträgt, äußert sich auch die Persönlichkeit Schmidt-Rottluffs. Seine wuchtige und robuste Handschrift inspiriert seinen Kollegen Ernst Ludwig Kirchner 1913 in seiner "Chronik der Brücke" zu dem Begriff des "monumentalen Impressionismus", als er von Schmidt-Rottluffs frühen Gemälden spricht.

Janina Dahlmanns



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Stillleben mit Rosen und Karaffe"
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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
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weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
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weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
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Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.