Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 495

 

495
Karl Schmidt-Rottluff
Holzkästchen, 1911.
Holz, bemalt, mit eingeschnittenen Ornamenten
Schätzpreis: € 6.000 - 8.000
+
Holzkästchen. 1911.
Holz, bemalt, mit eingeschnittenen Ornamenten.
Wietek 239. Auf der Unterseite signiert. 12 x 24 x 14 cm (4,7 x 9,4 x 5,5 in).
[KT].
• Mit den Objektkästen verbindet Schmidt-Rottluff auf einzigartige Weise Malerei, Grafik, Kunsthandwerk und Dekoration.
• Die Kästchen präsentiert er 1911 als eigenständige Werkgruppe erfolgreich in der Galerie Commeter in Hamburg.
• Bedeutende Sammler:innen wie Rosa Schapire in Hamburg oder Karl Ernst Osthaus in Hagen beauftragen den Künstler anschließend, Objektkästen und Vitrinen zu entwerfen.
• In der dekorativen Flächengestaltung erprobt der Künstler erste auf die Abstraktion vorausweisende Schritte
.

Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Elsa Hopf (1875–1943), Hamburg (direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung Schleswig-Holstein (durch Erbschaft von Vorgenannter).
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (1989 von Vorgenanntem erworben, mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Karl Schmidt Rottluff, Galerie Commeter, Hamburg, Okt./Nov. 1911.
Karl Schmidt-Rottluff zum 100. Geburtstag, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 3.6.-12.8.1984, Kat.-Nr. 171.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Inspiration des Fremden. Die Brücke-Maler und die außereuropäische Kunst, Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 13.11.2016-29.1.2017, Kat.-Nr. 57 (m. Abb. S. 96).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 174 (m. Abb.).

LITERATUR: Rosa Schapire, Zu Schmidt-Rottluffs Ausstellung bei Commeter [zur Ausstellung von 15. Holzkästen], in: Der Hamburger, Jg. 1, Heft 12, 1910/11, S. 267f.
Rosa Schapire: Karl Schmidt-Rottluff: Graphisches Werk bis 1923, Berlin 1924 / Ernest Rathenau: Tafelband, New York 1987, G 6, 27, 28.
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff in Hamburg und Schleswig-Holstein, Neumünster 1984, S. 20, 99.
Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907-1912, Mainz 1995, S. 534, Nr. 270 (m. Abb.).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 226, SHG-Nr. 307 (m. Abb.).
Andreas Hopf, Abschied von einem Kästchen, in: Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 64-66 (m. Abb.).
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff, Werkverzeichnis der Plastik und des Kunsthandwerks, München 2001, Nr. 239 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 56, SHG-Nr. 91 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.36 h +/- 20 Min.

Das kleine Kästchen stammt ursprünglich aus dem Besitz von Dr. Elsa Hopf, Zahnchirurgin in Hamburg, die zu den frühesten Förderinnen und Sammlerinnen Schmidt-Rottluffs zählt. Über die Kunsthistorikerin Dr. Rosa Schapire kommt sie mit der Kunst der "Brücke"-Maler in Verbindung und wird 1910 passives Mitglied. Besonders dem geschickten Netzwerken Schapires ist der Aufbau eines gerade für Schmidt-Rottluff so wichtigen Sammlerkreises in Hamburg zu verdanken, der sich nicht zuletzt über ihre Freundinnen Anna und Dr. Clara Goldschmidt, mit der Hopf eine Praxisgemeinschaft unterhält, beständig erweitert. Januar bis März 1911 vermitteln und finanzieren wohl Clara Goldschmidt und Elsa Hopf ein Atelier in der Kleinen Johannisstraße 6 in Hamburg, wo Schmidt-Rottluff einige Kästchen erstmals für speziell geladene Gäste ausstellt. Zu Schmidt-Rottluff besteht zwischen 1910-1912 eine besonders enge Bindung; in Hopfs Sammlung befinden sich zwei Gemälde, Druckgrafik, Aquarelle, Zeichnungen, ein extra angefertigtes Exlibris, Schmuckstücke, eine Holztruhe und ebendieses kleine Kästchen. Es bleibt lange Jahre im Besitz der Familie und dient im Laufe der Zeit zur Aufbewahrung von Kosmetikartikeln, Briefmarken, Tabak, Tabletten und Medizin sowie Postkarten. Mit dem Kästchen gelingt es Schmidt-Rottluff, den entgrenzten Kunstbegriff der Moderne und die Aufhebung der Trennung zwischen Kunst und Leben, Schönem und Nützlichem umzusetzen. Die Kunst wird Teil des Lebens der Besitzer des Kästchens, sie durchdringt deren Alltag und bereichert ihn mit ihren Farben und Formen, Linien und Bewegungen. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Holzkästchen"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.