Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 498

 

498
Karl Schmidt-Rottluff
Anhänger (mit zwei ligierten "E"), Um 1913.
Bernstein, geschnitten, ungefasst, für Aufhängu...
Schätzpreis: € 4.000 - 6.000
+
Anhänger (mit zwei ligierten "E"). Um 1913.
Bernstein, geschnitten, ungefasst, für Aufhängung zweifach durchbohrt.
Wietek 391. 8,1 x 4,2 x 1,1 cm (3,1 x 1,6 x 0,4 in).
[KT].
• Von den "Brücke"-Künstlern schafft Schmidt-Rottluff das umfangreichste und vielfältigste Schmuckwerk.
• Bernsteinanhänger gehen zurück auf seine Strandfunde beim Aufenthalt in Nidden.
• Seine Schmuckstücke zeichnen sich durch ihren unkonventionellen und künstlerischen Umgang mit Material, Technik und Form aus und bringen so eine eigene Ästhetik hervor.
• Schmuckstücke des Künstlers sind individuellste Preziosen, oftmals eigens hergestellt für einen engen Kreis an Sammler:innen, Freund:innen und Familie.
• Die Stücke vereinen auf faszinierende Weise charakteristische Formideen aus dem Schaffen des Künstler zwischen Schmuckstück, Sammlerobjekt und Gebrauchsgegenstand.
• Aus der am seltensten auf dem Auktionsmarkt zu findenden Werkgruppe des Künstlers (Quelle: artprice.com)
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg.

AUSSTELLUNG: Karl Schmidt-Rottluff-Gemälde: Aquarelle, Grafik, Bernstein, Kunstsammlungen der Stadt Königsberg/Kunstverein Königsberg, Königsberg 1928.
Plastik und Kunsthandwerk von Malern des deutschen Expressionismus, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 28.8.-2.10.1960; Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 14.10.-13.11.1960, Kat.-Nr. 322.
Karl Schmidt-Rottluff: Das nachgelassene Werk seit den 20er Jahren. Malerei, Plastik, Kunsthandwerk, Brücke-Museum, Berlin, 20.8.1977-15.1.1978, Kat.-Nr. 146.
Karl Schmidt-Rottluff: Aquarelle, Farbstiftzeichnungen, Schmuck, Kunstverein Paderborn 1982, Kat.-Nr. 6.
Die Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914, Kölnischer Kunstverein, Köln, 24.3.-13.5.1984, S. 349.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Nur für ihre Frauen. Schmuck von Karl-Schmidt-Rottluff, Emil Nolde, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner, Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 26.10.2003-11.1.2004, Nr. 15 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 183 (m. Abb.).

LITERATUR: Wilhelm R. Valentiner, Schmidt-Rottluff, Junge Kunst, Bd. 16, Leipzig 1920.
Max Sauerlandt, Karl Schmidt-Rottluff – Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe, in: Hamburger Fremdenblatt, Rundschau im Bilde, 11. Juni 1925. Wiederabdruck in: Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff. Plastik und Kunsthandwerk. Werkverzeichnis, München 2001, S. 151-154.
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff: Bilder aus Nidden, Stuttgart 1963, S. 12 (m. Abb. 2, 4).
Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907-1912, hrsg. von der Stiftung Kunst und Kultur der Landessparkasse zu Oldenburg, Oldenburg 1994, Nr. 276 (m. Abb.).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 227, SHG-Nr. 311 (m. Abb.).
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff, Werkverzeichnis der Plastik und des Kunsthandwerks, München 2001, Nr. 391 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 61, SHG-Nr. 106 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Schmidt-Rottluff und das große "E", in: ders., Daniel J. Schreiber (Hrsg.), Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Ausst.-Kat. Buchheim Museum Bernried, Bernried 2018, S. 36-41, Abb. S. 37.

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.40 h +/- 20 Min.

Dieser Anhänger aus naturbelassenem Bernstein, dessen Hängeschlaufe sich nicht erhalten hat, gehört ebenfalls zu Schmidt-Rottluffs Bernsteinfunden aus Nidden, seine plastische Bearbeitung erfolgte aber möglicherweise erst etwas später. Der Stein ist in der Mitte gebrochen und geklebt – vielleicht ist das der Grund, warum er seines Aufhängers verlustig ging. Schmidt-Rottluff hat aus dem großen, opaken Bernstein, dessen Farbtöne von tiefdunklem Braun und hellem Honiggelb getragen sind, ein erhabenes Relief herausgearbeitet. Die Oberfläche ist nicht geglättet, ihre poröse Struktur bleibt ein bestimmendes Moment der Gestaltung. Das Monogramm schmiegt sich in die geschwungene Gesamtform des Bernsteins ein. Ob es sich dabei um die beiden ligierten Buchstaben "EF" oder nur um ein "E" handelt, ist schwer auszumachen. In jedem Fall sind es die Initialen von Emy Frisch, seiner späteren Frau. Der Anhänger stammt aus einer Zeit, in der sich beider Beziehung zu festigen beginnt, ihm kommt als eines der ersten Geschenke also eine besondere Bedeutung zu. 1914 gestaltet Schmidt-Rottluff für Emy Frischs fotografische Werkstatt auch Kopfbögen und Besuchskarten, nach Kriegsende verehrt er ihr einen Ebenholzanhänger mit gleichfalls ligierten, nunmehr geometrisch ornamental angelegten Initialen, in den 1950er Jahren dann noch einen entsprechenden in Bein geschnittenen Anhänger. Hermann Gerlinger konnte mit diesen Gaben gleich mehrere sehr persönliche Zeugnisse des Künstlers in seine Sammlung aufnehmen (Gerlinger, Schmidt-Rottluff und das große "E", in Ausst.-Kat. Bernried 2018, S. 36–41).
Fast alle Schmuckstücke Schmidt-Rottluffs sind persönlich adressiert, als Geschenk oder zum Kauf für die Frauen der ihm verbundenen Freunde, Sammler wie Förderer. Damit ist ihnen eine vorwiegend private Wahrnehmung beschieden, nur vereinzelt gelangen sie in Ausstellungen. Erstmals sind 1912 einige wenige Stücke auf der Kölner Ausstellung des Sonderbundes in der kunstgewerblichen Abteilung zu sehen, 1925 zeigt Max Sauerlandt im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg Schmuck und Plastik von Schmidt-Rottluff und 1928 integriert sein ehemaliger Assistent Alfred Rohde Bernsteinarbeiten in eine Sonderausstellung im Königsberger Schloss.
Dr. Katja Schneider



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Anhänger (mit zwei ligierten "E")"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.