Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 496

 

496
Karl Schmidt-Rottluff
Anhänger (Trapezförmiger Bernstein mit Silberlasche), Um 1913.
Silber, geschnitten. Bernstein, teilweise gesch...
Schätzpreis: € 2.000 - 3.000
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Anhänger (Trapezförmiger Bernstein mit Silberlasche). Um 1913.
Silber, geschnitten. Bernstein, teilweise geschliffen und poliert.
Wietek 392. Aufhängung rückseitig mit dem Signaturstempel. Stein: 5,7 x 3,4 x 2,5 cm (2,2 x 1,3 x 0,9 in). Gesamthöhe: 6,2 cm (2,4 in).
[KT].
• Von den "Brücke"-Künstlern schafft Schmidt-Rottluff das umfangreichste und vielfältigste Schmuckwerk.
• Seine Schmuckstücke zeichnen sich durch ihren unkonventionellen und künstlerischen Umgang mit Material, Technik und Form aus und bringen so eine eigene Ästhetik hervor.
• Schmuckstücke des Künstlers sind individuellste Preziosen, oftmals eigens hergestellt für einen engen Kreis an Sammler:innen, Freund:innen und Familie.
• Die Stücke vereinen auf faszinierende Weise charakteristische Formideen aus dem Schaffen des Künstler zwischen Schmuckstück, Sammlerobjekt und Gebrauchsgegenstand.
• Aus der am seltensten auf dem Auktionsmarkt zu findenden Werkgruppe des Künstlers (Quelle: artprice.com)
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg.

AUSSTELLUNG: Karl Schmidt-Rottluff-Gemälde: Aquarelle, Grafik, Bernstein, Kunstsammlungen der Stadt Königsberg/Kunstverein Königsberg, Königsberg 1928, Kat.-Nr. 65, 66.
Plastik und Kunsthandwerk von Malern des deutschen Expressionismus, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 28.8-2.10.1960; Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 14.10.-13.11.1960, Kat.-Nr. 323.
Karl Schmidt-Rottluff: Das nachgelassene Werk seit den 20er Jahren. Malerei, Plastik, Kunsthandwerk, Brücke-Museum, Berlin, 20.8.1977-15.1.1978, Kat.-Nr. 150 (m. Abb.).
Karl Schmidt-Rottluff: Aquarelle, Farbstiftzeichnungen, Schmuck, Kunstverein Paderborn 1982, Kat.-Nr. 10.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Nur für ihre Frauen. Schmuck von Karl-Schmidt-Rottluff, Emil Nolde, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner, Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 26.10.2003-11.1.2004, Nr. 16 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 183 (m. Abb.).

LITERATUR: Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 230f., SHG-Nr. 323 (m. Abb.).
Gerhard Wietek, Karl Schmidt-Rottluff, Werkverzeichnis der Plastik und des Kunsthandwerks, München 2001, Nr. 392 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 61, Nr. 107 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.38 h +/- 20 Min.

1913 verbringt Karl Schmidt-Rottluff die Sommermonate in Nidden auf der Kurischen Nehrung, seine Bleibe ist eine einfache Fischerhütte, von der aus er die elementare Natur am Meer unmittelbar erlebt. Zwischen Muschelschalen, Tang und rundgeschliffenen Steinen, die die Ostsee anspült, entdeckt er dort das Gold des Nordens, den Bernstein. Diese Funde inspirieren ihn – fern vom Berliner Atelier – zu neuen Schmuckarbeiten: zu naturbelassenen Anhängern, zu aufgereihten Ketten mit kleineren Bernsteinbrocken zwischen Silbergliedern, später dann auch zu Ringen und Broschen, in denen kräftige Krallen die rohen Bernsteine fassen. Dem Oldenburger "Brücke"-Mitglied und Sammler Ernst Beyersdorff kündigt er schon im August 1913 die Übersendung einiger seiner "Steinfunde" an (Wietek 2001, S. 108). Auch dieser Anhänger wird in Nidden entstanden sein. Schmidt-Rottluff hat dem Stein seine naturgegebene unregelmäßige Gestalt nicht genommen. Ein plastisch erhabener Mittelsteg zeigt die ursprünglich porige Haut, die glattgeschliffenen Seiten offenbaren seine Transparenz. Die Öse für die Aufhängung ist als breites, am Ende aufgerolltes Silberband ausgebildet und ohne Lötung mechanisch mit einem Stift im Stein festgesteckt. Mit einer solchen Verarbeitung distanziert Schmidt-Rottluff sich von den stereotypen Tropfenformen und glänzenden Metallen des bürgerlichen Juwelierschmucks. Die "Brücke"-Maler setzen bewusst auf Handwerklichkeit, auch oder gerade weil sie Autodidakten sind, erkunden die Eigenarten des Materials und die technischen Voraussetzungen seiner Bearbeitung. Kunst erschöpft sich für sie nicht im einfachen Anfertigen, sie ist vor allem persönliches und authentisches Erleben. Für ihre Bilder und Objekte, für ihre gesamte Lebenswelt bevorzugen sie kraftvolle und ursprüngliche Formen. Das uralte Material Bernstein, ein versteinertes Harz, das häufig fossile Einschlüsse aufweist, bedeutet für Schmidt-Rottluff handwerkliche Herausforderung und künstlerisches Bekenntnis zugleich. Das Werkverzeichnis von Gerhard Wietek weist nur vier vergleichbare Anhänger nach; drei spätere sind plastisch figurativ geschnitten.
Dr. Katja Schneider



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Anhänger (Trapezförmiger Bernstein mit Silberlasche)"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.