Auktion: 528 / Klassische Moderne am 11.06.2022 in München Lot 471

 

471
Henri de Toulouse-Lautrec
Adieu, 1895.
Lithografie
Nachverkaufspreis: € 3.600
+
Adieu. 1895.
Lithografie.
Delteil 129. Adhémar 158. Wittrock 124. Adriani 145 I. Im Stein monogrammiert sowie links unten mit dem orangeroten Monogrammstempel des Künstlers (Lugt 1338). Eines von 20 Exemplaren vor der Schrift. Auf Velin. 24 x 19,5 cm (9,4 x 7,6 in). Papier: 37,7 x 28,3 cm (14,8 x 11,1 in).
Herausgegeben vom Pariser Musikverleger C. Joubert. Anschließend mit der Schrift als 1. Liedtitel (L'Adieu - barcarolle) aus der Folge "Mélodies de Désiré Dihau" herausgegeben.
Äußerst seltene erste Auflage vor der Schrift.

PROVENIENZ: Wolfgang Wittrock Kunsthandel, Düsseldorf.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Unbestritten ist Henri de Toulouse-Lautrec einer der Künstler, der das Bild des vergnügungssüchtigen Fin de Siècle der Pariser Bohème durch seine zahlreichen Grafiken, Plakate und Zeichnungen am stärksten prägt. Seine Entwürfe mit der schwungvollen Linienführung des Jugendstils entstehen dabei in engem Kontakt mit den Chansonnièren, Musikern und Tänzerinnen der Pariser Cabarets und Café-concerts. Toulouse-Lautrec ist zu finden im Le Chat Noir, im Moulin de la Galette, den Folies Bergère und dem Moulin Rouge. Im Le Mirliton von Aristide Bruant auf dem Montmartre hatte Toulouse-Lautrec bereits 1884 zu Studienzeiten an der Pariser Akademie Quartier bezogen. In den Cabarets fließen Musik, Gesang und Tanz ineinander und sorgen für eine vibrierende Atmosphäre, die zahlreiche Künstler inspiriert und in der auch die französische Kultur des Chanson ihren Anfang nimmt. Toulouse-Lautrec ist auch einer der Künstler, in deren Werk populäre Kultur und grafische Reproduktionsverfahren die Moderne einläuten, die ihren künstlerischen Ausdruck in der Lithografie erfährt. Toulouse-Lautrec hatte sich bereits mit Plakaten für die Auftritte der Chansonnièren Yvette Guilbert oder Jane Avril einen Namen gemacht, als der Musikverleger Joubert Entwürfe zu einem Liedzyklus in Auftrag gibt. Die dazugehörige Musik stammt von Désiré Dihau, Fagottist an der Pariser Oper, Cousin Toulouse-Lautrecs und Bekannter von Edgar Degas, der ihn in seinen berühmten Gemälden des Orchestergrabens porträtiert. Texte für die Melodien liefert Jean Richepin, Dichter und Dandy sowie Freund von Sarah Bernhardt, gesungen werden diese im Le Chat Noir von Renée Richard, ein gefeierter Star der Musikszene. Unser Exemplar zeigt den äußerst seltenen Zustand "avant la lettre", bevor der Liedtitel "Adieu" der Barkarole (ein Schifferlied) sowie die Namen der an der Aufführung Beteiligten hinzugefügt werden. Am Ufer blickt eine elegante Dame mit mondänem Windhund auf venezianisch anmutende Boote, dahinter die rauchenden Schornsteine industrieller Hallen. In der zeichnerischen Handschrift zeigt sich Toulouse-Lautrecs Bestreben, die Lithografie von einem reproduktiven Verfahren hin zu einem originalen und künstlerisch relevanten Medium zu adeln. Deutlich erkennbar sind die Strichelungen der Kreide sowie die Auskratzungen im Mond oder der Reflexion auf dem Wasser, die so eine wechselvolle Oberflächenstruktur entstehen lassen, in der die Spontanität und Authentizität der Zeichnung und der Spuren der Bearbeitung durch die Hand des Künstlers gewahrt bleiben. Bis 1896 arbeitet Toulouse-Lautrec vorrangig in Schwarz, bis vereinzelte kolorierte Lithografien entstehen; um 1899 kehrt er wieder zu einer Farbe zurück. Durch die Förderung so zentraler Galeristen wie Ambroise Vollard und Durand-Ruel wird die Lithografie am Ende des 19. Jahrhunderts zum geschätzten Medium, das die für die Moderne so charakteristische Entgrenzung zwischen Kunst und Leben repräsentiert. Der originale, unbrauchbar gemachte Stein zu dieser Lithografie befindet sich in der Bibliothèque nationale in Paris (https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b100601912). [KT]



 

Aufgeld und Steuern zu Henri de Toulouse-Lautrec "Adieu"
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