Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 94

 

94
Andy Warhol
Goethe, 1982.
Farbserigrafie
Schätzpreis: € 180.000 - 240.000
+
Goethe. 1982.
Farbserigrafie.
Feldmann/Schellmann/Defendi II.270-273. Signiert und nummeriert. Der komplette Satz von 4 Blatt, jeweils Exemplar 26/100. Auf Lenox Museum-Karton. 96,3 x 96,3 cm (37,9 x 37,9 in), blattgroß.
Vollständig. Gedruckt von Rupert Jasen Smith, New York (mit dem Trockenstempel). Herausgegeben von den Editionen Schellmann & Klüser, München/New York, in Zusammenarbeit mit Denise René/Hans Mayer, Düsseldorf (verso mit dem Copyright-Stempel).
• Als komplette Folge und matching Set äußerst selten.
• Eine Ikone der Weltliteratur von Warhol porträtiert.
• Tischbein wird zum Kultmotiv der Pop-Art
.

PROVENIENZ: Galerie Hans Mayer, Düsseldorf.
Privatsammlung (1993 direkt vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Forty are better than one. Edition Schellmann 1969-2009, hrsg. von Jörg Schellmann, Ostfildern 2009, S. 342-343.

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 20.06 h +/- 20 Min.

Auf den ersten Blick ist die Porträtserie "Goethe" als ein Werk der Pop-Art-Ikone Andy Warhol zu erkennen. In der Serigrafie hat er das Medium gefunden, mit dem sich seine Bildsprache perfekt umsetzen lässt. Und das obwohl die Serigrafie als künstlerisches Medium von der spontanen Malgeste ebenso weit entfernt ist wie die Serienproduktion vom originalen Einzelwerk. Bei Warhol aber liegt die Eindringlichkeit eines Motivs gerade und erst in der Summe der Bilder. Warhol legitimiert das bisher hauptsächlich kommerziell genutzte Siebdruckverfahren als gleichberechtigtes Gestaltungsmittel in der bildenden Kunst. Das Arbeiten nach Vorlagen wird zu seinem Stilmittel, ein bekanntes Motiv verfremdet er durch den Einsatz von poppigen Farben und plakativer Verflachung. Dem Siebdruckverfahren fügt er zeichnerische Elemente hinzu, wodurch das Motiv um eine malerische Oberflächenstruktur und die unverwechselbare künstlerische Handschrift erweitert wird. So entwickelt Andy Warhol seine markante, unverwechselbare Bildsprache. Das zugrunde liegende Gestaltungsprinzip der "Goethe"-Suite ist wie in vielen anderen Werken die Variation des immer gleichen ikonografischen Themas. Ab 1962 porträtiert Warhol Berühmtheiten wie Marylin Monroe und Elvis Presley in seinem unverwechselbaren Stil, als Vorlage dienen ihm Pressefotos. Da Goethe bereits 1832 starb, konnte Warhol für dieses Porträt natürlich nicht auf ein Foto zurückgreifen. Und schon gar nicht konnte er den Dichter in einen Fotoautomaten stellen oder ein Polaroid aufnehmen, wie er es bei so vielen seiner Porträtierten getan hat. Als die Porträtarbeit mit Johann Wolfgang von Goethe entsteht, hat Warhol bereits seit fast zwei Jahrzehnten Bilder von den Ikonen seiner eigenen Zeit geschaffen. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren findet er jedoch mehrere neue Inspirationsquellen. Von diesem Zeitpunkt an wendet sich Warhol zunehmend auch älteren Ikonen zu. Dabei handelt es sich nicht nur um Menschen, sondern auch um Werke der Alten Meister und andere kulturelle Wahrzeichen. In diesem Sinne steht sein Goethe-Porträt in einer Reihe mit der Mona Lisa und dem Letzten Abendmahl sowie mit Lenin und Beethoven. Der Verleger Siegfried Unseld inspiriert ihn zu dem Goethe-Porträt, er führt den Pop-Art-Künstler 1980 nach Frankfurt. Dort befindet sich in der Sammlung des Städel das wohl bekannteste und am meisten verbreitete Bildnis Goethes von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Um 1786/87 entsteht das Gemälde mit dem Titel "Goethe in der römischen Campagna". Hieraus isoliert Warhol einen Ausschnitt und macht es zum Pop-Art-Porträt. Aufgrund des markanten Huts ist sofort zu erkennen, welches Gemälde Warhol als Vorlage diente. Die bereits berühmte Vorlage erhöht Warhol, bereits selbst mit dem Status einer Ikone, durch seine künstlerische Handschrift und führt sie in die Gegenwart. Er frischt den Mythos "Goethe" auf, in dem er seinen Filter über das seit Jahrhunderten tradierte Bildnis legt und so ein poppiges Goethe-Porträt für die Moderne erschafft. [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Andy Warhol "Goethe"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.