Auktion: 528 / Klassische Moderne am 11.06.2022 in München Lot 443

 

443
Otto Mueller
Sitzender Rückenakt am Ufer (Sitzende am Teich / Am Seeufer), Um 1925.
Aquarell, Blaustift und farbige Kreide
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
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Sitzender Rückenakt am Ufer (Sitzende am Teich / Am Seeufer). Um 1925.
Aquarell, Blaustift und farbige Kreide.
Von Lüttichau/Pirsig-Marshall P 1925/68 (742). Links unten signiert. Auf Velin. 34,8 x 49,8 cm (13,7 x 19,6 in), blattgroß.
Verso mit der Kreidezeichnung eines hockenden Mädchens in Blaustift.
• Behutsam und sensibel entwickelt und variiert Mueller seine Malerei und sucht mit wenig Veränderung neue Motive, neue Impulse zu gewinnen.
• Expressive Linienführung des bedeutenden "Brücke"-Künstlers
.

PROVENIENZ: Galerie Ferdinand Möller, Berlin (bis 17.2.1925).
Sammlung Heinrich Stinnes, Köln (vom Vorgenannten erworben, bis 1938: Dr. August Klipstein, 20.-22.6.1938).
Privatbesitz Augsburg (seit 1958: Stuttgarter Kunstkabinett, 21./22.11.1958).
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen (1965 vom Vorgenannten erworben).
Privatbesitz (durch Ebschaft vom Vorgenannten, seit 2013).

LITERATUR: Ferdinand Möller Privatsammlung - Inventarbuch von Ferdinand Möller, 1925-1934 (Nachlass Ferdinand Möller, Berlinische Galerie Berlin, BG-K-N/F.Möller-76-B4, S. 14, Nr. 221).
Dr.August Klipstein, Vormals Gutekunst und Klipstein, Bern, 20.-22.6.1938, Moderne Graphik der Sammlung Heinrich Stinnes: Aquarelle, Handzeichnungen, …, Los Nr. 822.
Wenzel Nachbaur, Otto Mueller Werklisten, Archiv Roman Norbert Ketterer, Kirchner Museum, Davos 1950er Jahre, m. Abb.
Stuttgarter Kunstkabinett, Roman Norbert Ketterer, 32.Auktion, 21/22.11.1958, Los 711 (mit Abb).
Mario-Andreas von Lüttichau, Tanja Pirsig (Hrsg.), Otto Mueller. Werkverzeichnis der Gemälde und Zeichnungen (CD-ROM), München 2003, erw. Auflage, Essen 2007/08, Kat.Nr. 742.
Mario-Andreas von Lüttichau, Tanja Pirsig-Marshall, Otto Mueller. Catalogue raisonné Zeichnungen und Gemälde, 2. Bd., 2020, Kat.Nr. P1925/68 (742).
Paul Westheim, in: "Das Kunstblatt", zit. nach: Florian Karsch, Otto Mueller. Das graphische Werk, Berlin 1975, S. 7.

Aufrufzeit: 11.06.2022 - ca. 17.58 h +/- 20 Min.

Die Aquarelle Otto Muellers vermitteln den Ausdruck eines romantischen Gefühls für das Schöne, das reizvoll Exotische - vielleicht sind sie darin vergleichbar mit Paul Gauguins Begegnung dereinst mit den Schönheiten auf den Marquesas-Inseln. Der stille und eher zurückgezogen lebende Otto Mueller suchte jedoch mit großer Intensität, sein vielleicht zentralstes Thema - der Akt in der Natur - und seine persönliche Vorstellung mit einfachsten Formen, die Darstellung von weiblichen Körpern in vollendeter Bewegung und Anmut zu erreichen. Trotz aller Vereinfachung in der Darstellung des Körpers und dem schnellen, nervösen Zitieren der Landschaft bleibt für Mueller die Proportion das Maß seiner Kompositionen. "Er lebte aus dem Maß und aus der Zahl, aus der Struktur und dem inneren Gehalt", wie Werner Haftmann über Otto Mueller im Vergleich mit Ernst Ludwig Kirchner feststellte, dieser hingegen existiere von "ganz unmittelbaren Expressionen seines so sehr vitalen Formwillens" (Paradies der Heimatlosen. Zur Kunst Otto Muellers, in: Die Zeit, 15.4.1948).

Trotzdem Otto Mueller vielfach und offensichtlich auf seine Zeitgenossen reagiert, wenn auch sein Stil sich nur geringfügig ändert, so bleibt er dennoch seinen Themen ab etwa 1910 über 20 Jahre hinweg eng verbunden. Hilfreiche Datierungen werden von Otto Mueller selten notiert, somit sind nur wenige Voraussetzungen gegeben, wenigstens die nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Werke der Breslauer Zeit, die kaum einem stilistischen Wandel unterzogen sind, abgesehen von den "Zigeunerbildern", sinnvoll zu ordnen. Behutsam und sensibel entwickelt und variiert Mueller seine Malerei, sucht mit wenig Veränderung neue Motive, neue Impulse zu gewinnen. Die erprobt er auch in Zeichnungen, Aquarellen und Lithografien, bis er das reife Ergebnis schließlich auch mit Leimfarben realisiert.
"Es liegt eine leichte Melancholie über diesen Blättern", so Paul Westheim, einer der ersten Kunstkritiker und Herausgeber der Zeitschrift "Das Kunstblatt", 1918 zu Otto Muellers Themen. "Ein empfindsames In-die-Welt-Hineinblicken, das im Nerv zurückzuschrecken scheint, vor allem, was laut und grell ist, was irgendwie als dramatisch zugespitzte Situation sich geben könnte. [..] Von dem Schlag sind auch die Liebespaare und die Badenden alle, die er gemalt und gezeichnet hat, [..] Badende am Strand, nackte Körper zwischen Schilf und Baumlaub, für Mueller scheinbar unerschöpfliche Themen, denen er immer noch eine Variante abzugewinnen weiß, wie er überhaupt an einem Vorwurf sehr lange festhält, ihn immer wieder aufgreift, um noch etwas mehr Empfindung in ihn hineinzulegen. Immer wieder Körper, die in ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind, daß man oft nicht weiß, welchen Geschlechts sie sind. Sie wachsen auf, schlank, spitzig, mit knochigen Gliedmaßen, die jede Bewegung eckig macht. In diesem Sehen, das gewiß instinktmäßg geschieht, offenbart sich unstreitig ein Anflug von Lyrismus, der für den Menschen charakteristisch ist und als dämpfender Akkord die Produktion immer wieder durchsetzt. Dieser Unterton von Sentiment gibt den Arbeiten Otto Muellers den besonderen Reiz." (Zit.: "Das Kunstblatt", Heft 2, Potsdam 1918, S. 129ff.) [MvL]



 

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weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
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Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.