Auktion: 527 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 11.06.2022 in München Lot 363

 

363
Karl Hagemeister
Verschneiter Birkenwald an einem Bachlauf, 1891/1895.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
+
Verschneiter Birkenwald an einem Bachlauf. 1891/1895.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 279. Links unten signiert und datiert "1891". Rechts unten erneut signiert und datiert "1895". 208 x 115 cm (81,8 x 45,2 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Brandenburg (um 1920 vom Künstler erworben, bis 1980 in Familienbesitz).
J. Sucksdorff - Architektur und Antiquitäten, Berlin.
Kunsthandel Krausz, München.
Privatsammlung Niedersachsen (2012 erworben).

AUSSTELLUNG: Karl Hagemeister. ".. das Licht, das ewig wechselt". Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus, Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte, Potsdam, 8.2.-5.7.2020; Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, 18.10.2020-21.2.2021, S. 50, Nr. 54 (m. Abb.).

LITERATUR: Leo Spik, Berlin, Auktion 6.12.2012, Los 58 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 11.06.2022 - ca. 16.24 h +/- 20 Min.

Karl Hagemeister steht mit seinen Werken insbesondere ab den 1880er Jahren in der Tradition der Plein-air-Malerei, die sich allmählich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt. Mit ihr setzt sich eine neue Auffassung der Landschaftsmalerei durch, die sich der akademischen Traditionen motivischer und technischer Art entledigt. Diese forderten zunächst ein intensives zeichnerisches Naturstudium, das sich vor allem der Linie und der Form widmet, worauf die malerisch-farbliche Ausarbeitung im Atelier folgt. Erste Schritte direkt in die Natur, die über das kleine Format der Ölstudie hinausgehen, wagen die Maler der französischen Schule von Barbizon, die den wilden und urwüchsigen Wald bei Paris gegen die komponierten Ideallandschaften klassizistischer Prägung setzen. Ihre Gemälde, wie auch die der ihnen folgenden späteren Impressionisten der 1870er und 1880er Jahre, tragen so einen paradoxen Wahrheitsgehalt in sich: die spontane und schnelle Pinselführung, in der das Gesehene auf die Leinwand übertragen wird, lässt zwar Detailgenauigkeit und Realismus hinter sich, weist sich aber durch ihre Entstehung direkt am Objekt als umso authentischer aus. 1883/84 unternimmt Hagemeister eine Studienreise nach Paris und lernt dort die Malerei der Barbizon-Künstler, etwa die Waldlandschaften Théodore Rousseaus, sowie die der Impressionisten mit eigenen Augen kennen. Er begreift, dass die Essenz der Malerei das ewig wechselnde Licht ist, das sich in der Farbe ausdrückt; seine Palette hellt sich daraufhin merklich auf. Die Landschaft um den Schwielowsee, an dem er sich um 1880 endgültig niedergelassen hatte, wird zu seinem zentralen Motiv. Anders als viele Landschaftsmaler, die die Sommermonate auf Motivsuche verbringen und im Winter im Atelier arbeiten, scheut Hagemeister selbst die Kälte und den Schnee nicht, bezieht er doch seine Inspiration wesentlich aus dem Eintauchen in die Natur und die Elemente, um im Malprozess gleichsam ein Teil davon zu werden. Der helle, verschneite Birkenwald in dem für die Plein-air-Malerei außergewöhnlichen, fast lebensgroßen Format entsteht ebenfalls in freier Natur. Schon früh finden sich die schlanken jungen Bäume in Hagemeisters Gemälden, die mit ihrer weißen gefleckten Rinde helle und dunkle Lichtreflexe noch unterstreichen. Ein vom Licht durchdrungenes Dickicht, erhellt vom Weiß des Schnees zwischen wirren Zweigen, grünen und herbstlich braunen Blättern bringt er in materialreicher Malweise auf die Leinwand. So beeindruckend scheint der Malprozess des riesigen Formats im Wald gewesen zu sein, dass Hermann Hinzel, Maler und Schüler Hagemeisters, die Situation fotografisch festhält. Die Fotografie ist die einzig existierende, die den Künstler bei seiner für gewöhnlich in der Abgeschiedenheit und dem völligen Eintauchen in die Natur stattfindenden Arbeit zeigt. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Hagemeister "Verschneiter Birkenwald an einem Bachlauf"
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Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.