Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 55

 

55
Conrad Felixmüller
Balkon am Abend, 1918.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 180.000 - 240.000
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Balkon am Abend. 1918.
Öl auf Leinwand.
Felixmüller 138. Unten mittig signiert. Verso auf dem Keilrahmen signiert und bezeichnet "138". 78,2 x 70,2 cm (30,7 x 27,6 in).

Verso mit einer unvollendeten Komposition einer Hügellandschaft. [CH].

• Bedeutendes Werk aus der expressiven Schaffensphase.
• Die seltenen, frühen Figurenkompositionen gelten auf dem internationalen Auktionsmarkt als die gefragtesten Arbeiten des Künstlers.
• Noch im Entstehungsjahr im renommierten Kunstsalon Ludwig Schames ausgestellt.
• Seit über 100 Jahren Teil derselben Privatsammlung.
• Aus der wichtigen Sammlung des Arztes und Sammlers Dr. Hans Koch (1881-1952)
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PROVENIENZ: Sammlung Dr. Hans Koch (1881-1852), Düsseldorf (wohl direkt vom Künstler erworben).
Seitdem in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Felixmüller, Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt am Main, Oktober 1918, Kat.-Nr. 29.
Große Kunstausstellung Düsseldorf 1920, Kunstpalast im Ehrenhof, Düsseldorf, 15.5.-3.10.1920, Kat.-Nr. 909.

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 18.48 h +/- 20 Min.

Felixmüllers florierende Dresdener Jahre
Die Karriere des 1897 in Dresden geborenen Konrad Felix Müller beginnt atemberaubend. Nach seinem Studium an der Dresdner Akademie lässt er sich bereits im Herbst 1915 als freischaffender Künstler in Dresden nieder, erhält einen Vertrag der renommierten Kunsthandlung Emil Richter in der Prager Straße, lernt im Sommer in Berlin durch Ludwig Meidner den Galeristen der Avantgarde Herwarth Walden und die Künstler des "Sturm"-Kreises kennen, wird Mitarbeiter der Zeitschrift "Der Sturm", trifft den Herausgeber der Zeitschrift "Die Aktion", Franz Pfemfert, und wird für ihn bis 1924 illustrieren. In seinem Dresdner Atelier veranstaltet er regelmäßig "Expressionistische Soireen" als Lese- und Diskussionsabende, begegnet seiner späteren Frau Londa Freiin von Berg (1896-1979), die er im Juni 1918 heiratet und zieht mit ihr um nach Wiesbaden. Dort wird er von dem Sammler Heinrich Kirchhoff unterstützt, ist Mitarbeiter an verschiedenen expressionistischen Zeitungen, erhält Kontakt zu dem Düsseldorfer Arzt, Kunsthändler und Sammler Dr. Hans Koch sowie zur Szene-Galeristin Johanna (Mutter) Ey. Noch im Herbst 1918 übersiedelt Conrad Felixmüller, diesen Namen führt er seit 1924, zurück nach Klotzsche, einem Vorort von Dresden.

Felixmüllers seltene, frühe Figurenkompositionen
Während des Krieges ändert der Künstler vor allem in der Grafik seine Aussage zu einer energischen Handschrift, die auch Einfluss auf seine Malerei nimmt. Er reduzierte Köpfe und Figuren, in Chiffren auftauchende Landschaftsfragmente auf kantige, bisweilen geometrisch anmutende Elemente, ohne sich einem schulmäßigen Kubismus zu verschreiben. Vielmehr sucht er, dem die Lehre der Akademie für unzeitgemäß erscheint, nach expansiven Ausdrucksformen mit den er, wie er selbst schreibt, "den wahren Raum" gestaltet, "Dynamik reiner Formen: Kuben, Prismen. Kristallne Ewigkeit". (Conrad Felixmüller, von ihm - über ihn. Hrsg. von Gerhard Söhn, Düsseldorf 1977, S. 12) Eine jener ruhelosen, wie expansiv simultanen Situationen malt Felixmüller mit der Balkonszene am Abend. Eine in tiefes Blau gegossene Figur steht wie in Stein gemeißelt auf dem Balkon über der Straße. Es ist Nacht, die Fenster sind nicht beleuchtet, fahles Licht fällt auf die farbigen Fassaden. Die Balkonszene wirkt traumhaft, wie ein inneres Erleben der nächtlichen Großstadt mit kaleidoskopartigen Brechung der Farben und stets wechselnder Ansichten. Bis zur Einebnung aller Gegenstandsformen, erzählt Felixmüller den Widerspruch von Mensch und Außenwelt, der hier als einziger Gegenstand im gesamten Bild erscheint. "Ich fühlte in der Erscheinung immer Grundfiguren heraus, welche die Nase beispielsweise dreieckig, Augen halbkreisförmig, Gesichter scharf oval und Modellierungen in bestimmt abzugrenzenden Flächen erscheinen lassen", so erläutert Felixmüller selbst in der Rückschau seine Wahrnehmung für die Gestaltung des neuen Menschen und symbolisiert damit den erhofften gesellschaftlichen wie "geistigen Neubeginn". (zit. nach Friedrich W. Heckmanns, in: Conrad Felixmüller, Schleswig 1990, S. 58) In diesem frühen, expressiven Gemälde vereint Felixmüller eine gefühlvolle Physiognomie einer zur Skulptur erstarten Figur und überschneidet sie mit der sich ins gemeinsame Leben drängenden bunten aber gleichsam kühlen Großstadt.

Aus der wichtigsten Sammlung des Arztes und Sammlers Dr. Hans Koch (1881-1952)
Schon kurz nach der Entstehung zeigt der renommierte Galerist Ludwig Schames das Werk im Oktober 1918 in Frankfurt. Der Arzt und Sammler Dr. Hans Koch wird die Szene "Balkon am Abend" 1920 spätestens auf der Große Kunstausstellung in Düsseldorf entdecken und das Werk erwerben. Nicht auszuschließen ist, dass Felixmüller unser Bild bereits im November 1918 in die erste Ausstellung in Hans Kochs "Graphischem Kabinett" in Düsseldorf integriert und der Galerieinhaber die Balkonszene daselbst erwirbt. Kurz zuvor eröffnen der Urologe mit seiner Frau Martha – sie wird 1923 Otto Dix heiraten – in der Düsseldorfer Blumenstraße 11 das "Graphische Kabinett von Bergh und Co." und zeigen im Weiteren unter anderem Otto Dix, Lyonel Feininger, Emil Nolde, Erich Heckel. Im Juni 1920 übernimmt der Kunsthändler und Verleger Israel Ber Neumann das Kabinett. [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Conrad Felixmüller "Balkon am Abend"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.