Auktion: 532 / 19th Century Art am 10.12.2022 in München Lot 301

 

301
Carl Spitzweg
Mönch ("Sie liebt mich von Herzen, ein wenig..."), 1848.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
+
Mönch ("Sie liebt mich von Herzen, ein wenig.."). 1848.
Öl auf Holz.
Wichmann 509. Links unten monogrammiert "S im Rhombus" und datiert. Verso mit altem handschriftlich bezeichneten Etikett "Carlos Fürst Auersperg" sowie nummeriert "35". 31,3 x 25,5 cm (12,3 x 10 in).
Nicht identisch mit Roennefahrt 1111.
• Besonders eindrucksvolle und psychologisch einfühlsame Einzelfigur-Darstellung.
• Der "Mönch" ist eine der zentralen Hauptfiguren in Spitzwegs Œuvre.
• Wundervolle Kombination aus Figurenstudium und Landschaftsbild.
• Einst in der Sammlung Carlos Fürst von Auersperg (1814-1890), österreichischer Staatsmann und Kunstsammler
.

Wir danken Herrn Detlef Rosenberger, der das Werk im Original begutachtet hat, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Fürstin Auersperg (vom Künstler erworben).
Karl (Carlos) Wilhelm Philipp Fürst Auersperg (1814-1890) (verso mit dem Etikett).
Fürst Rohan. [ Alain Benjamin Fürst Rohan 1853-1914?]
Carlos Fürst von Auersperg (wieder zurück vom Vorgenannten erhalten)
Privatbesitz Leipzig (1947 laut Roennefahrt)
Privatsammlung Bayern.

AUSSTELLUNG: Carl Spitzweg - Reisen und Wandern in Europa und der glückliche Winkel, Sedamm Kulturzentrum, Pfäffikon, 22.9.2002-5.1.2003; Haus der Kunst, München, 24.1.-4.5.2003, S. 156-157, Nr. 72 (m. Abb.).

LITERATUR: Carl Spitzweg, Verkaufsverzeichnis Nr. 81, "Mönch (Sie liebt mich v. Herzen ein wenig) Prag, 6. März 49, angeb. C/60 = 72 Bayer. p. Pichler, Bild 54, Rahmen 6, (60) verk. für 72 Gulden".
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Kunst, Kosten und Konflikte, Frankfurt a.M. u.a. 1991, S. 315, Nr. 81 (Verkaufsverzeichnis).
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg, Sie liebt mich von Herzen, Dokumentation, Starnberg-München, R.f.v.u.a.K. 1993, S. 5-13, Bayer. Staatsbibliothek, München, Inv.-Nr. Ana 656 SW 48.
Galerie Koller Zürich, Gemälde & Graphik, Alter Meister & des 19. Jh., Möbel, Spiegel, Leuchter, Helvetica & Bücher, Skulpturen, Varia, Waffen, Pendulen & Armbanduhren, Silber, Zinn & Schmuck, Teppiche, Tapisserien, 10.-12.3.1993, Los 78 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 14.31 h +/- 20 Min.

Ungewöhnlich große Aufmerksamkeit widmet Spitzweg hier der Figur des Mönches, der als Einzelfigur im Bild steht. Spitzweg stellt ihn auf den kleinen Pfad, der ihn auf die Anhöhe geführt hat und auf der er sich vor dem blauen transparenten Himmel abhebt. Die reduzierte Szene konzentriert sich mit aller Feinheit auf den psychologischen Ausdruck der Figur. Durchaus weltlich angetan mit Spazierstock und rotem Schirm, hat der Mönch die Blütenblätter der am Wegesrand wachsenden Kamillenblüte abgezupft, die seine feinen, in ihrer Gestik an die spitzen Finger des „Armen Poeten“ erinnernden Hände halten. Spitzweg ist ein wahrer Meister solche subtilen, nuancierten Gesten und Bewegungen; mit fragendem Blick wendet der Mönch den Blick auf das untenliegende Dorf, von dem ein Kirchturm und aus einem Hause behaglich aufsteigender Rauch zu erkennen sind. Welche Entscheidung mag hier gerade gefällt werden? Zur Sicherheit hat sich der Mönch noch eine zweite Blüte abgezupft, um das Frageritual im Notfall bei ungewünschtem Ausgang wiederholen zu können. Seit den 1840er Jahren beginnt Spitzweg, Kleriker als einzelne zentrale Figuren in der Landschaft darzustellen. Wir begegnen dem sein Brevier memorierenden Landpfarrer, dem vorüberspazierenden Mädchen sehnsüchtig nachblickenden Eremiten oder dem Jesuitenpater, der schmachtend am Rosenstrauß riecht, während im Hintergrund ein verliebtes Pärchen turtelt. Bei einer Reise in die Schweiz mit seinem Bruder Eduard macht Spitzweg Halt in Solothurn und besichtigt das dortige Kapuziner-Kloster, anschließend hinterlässt die Einsiedelei St. Magdalenen in der Verena-Schlucht mit ihren in Fels gehauenen Behausungen bleibende Eindrücke, die im motivisch reichen Schweizer Skizzenbuch 1841/42 festgehalten werden. Im Laufe der Säkularisation waren vielen Klöster aufgelöst worden, wonach sich viele Mönche in Pflege und Unterricht beschäftigten oder in die Einsiedelei gingen. Damit einher geht von bürgerlicher sowie staatlicher Seite die Infragestellung solcher Lebensentscheidungen und des Zölibats, für dessen Aufhebung sich Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere Länder wie Hessen, Bayern und Sachsen aussprechen. Auch von Seiten der Laien wird vor dem Hintergrund biedermeierlicher Familienliebe mit gewissem Bedauern auf die einsamen Mönchsgestalten geblickt. Spitzwegs Mönch findet sich vielleicht gerade in einer solchen Entscheidung der Entsagung der einen oder anderen Art. Mit dem Blick auf den Kirchturm, der demjenigen des Solothurner Kapuzinerklosters ähnelt, und dem Liebesblümchen sowie dem Blick auf die gemütliche Heimstatt mit dem rauchenden Schornstein wird hier wieder eine der typischen zugespitzten Situationen zwischen Pflicht und Leidenschaft, Realität und Wunschdenken hergestellt, die das psychologische und erzählerische Können Spitzwegs ausmachen. [KT]



 

Aufgeld und Steuern zu Carl Spitzweg "Mönch ("Sie liebt mich von Herzen, ein wenig...")"
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