Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 47

 

47
Hermann Nitsch
Schüttbild (19. Malaktion, Prinzendorf, 1986), 1986.
Öl auf Jute
Schätzpreis: € 100.000 - 120.000
+
Schüttbild (19. Malaktion, Prinzendorf, 1986). 1986.
Öl auf Jute.
Verso auf der Jute signiert und datiert. 198,5 x 300 cm (78,1 x 118,1 in).
[AR].
• Kraftvolles "Schüttbild" des legendären Aktionskünstlers Hermann Nitsch.
• Entstanden in Schloss Prinzendorf, Schauplatz seiner weltbekannten Performances.
• Rot – als Farbe des Lebens und Todes – dominiert bis Mitte der 1980er Jahre sein Schaffen.
• Vergleichbare großformatige "Schüttbilder" befinden sich in bedeutenden Museumssammlungen, wie etwa im Städel Museum in Frankfurt a. Main und der Albertina in Wien, die seiner Aktionsmalerei 2019 eine große Einzelausstellung widmet
• Die Pace Gallery hat den Künstler im Februar 2022 kurz vor seinem Tod in ihre Reihen aufgenommen und zeigt 2023 eine große Einzelausstellung seiner Werke in New York
.

PROVENIENZ: Galerie Fred Jahn, München.
Privatsammlung Deutschland (1991 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Hermann Nitsch, Hermann Nitsch Museum, MZM Museumszentrum, Mistelbach, 1.5.2010-3.4.2011, S. 107 (m. Farbabb.).

Hermann Nitsch, 2019, zit. nach: Über die Ausstellung | NITSCH. Räume aus Farbe, Videobeitrag online: www.albertina.at/ausstellungen/nitsch-raeume-aus-farbe/

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.32 h +/- 20 Min.

Anfang der 1960er Jahre finden am Technischen Museum in Wien Hermann Nitschs erste Malaktionen statt. Als Ausgangspunkt und gleichzeitig Endprodukt dokumentieren die zum Teil raumgreifenden "Schüttbilder" den Schaffensprozess seiner Aktionskunst und den körperlichen, alle Sinne ansprechenden Gestus des prozesshaften Malvorgangs. Auf dem Boden liegend oder an der Wand befestigt werden die Leinwände mit Farbe beschüttet oder bespritzt, großflächig mit einem Besen bearbeitet oder durch Einsatz des gesamten Körpers gestaltet, wie die Fußabdrücke auf unserer Arbeit eindrucksvoll belegen. Bis Mitte der 1980er Jahre ist dabei die Farbe Rot vorherrschend, die untrennbar mit Hermann Nitschs Schaffen verknüpft ist. Erst später erweitert der Künstler seine Farbpalette um Gelb, Violett, Schwarz oder Grün. Eine Ausstellung in der Albertina in Wien im Jahr 2019 hat die große Vielfalt seiner Aktionsmalerei erst kürzlich eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In einem Beitrag zur Ausstellung sagte der Künstler: "Die Farbe ist ein gewaltiges Phänomen. [..] In meiner Malerei wird geschüttet, gespritzt, dicke Farbe wird verrieben, verschmiert, geknetet." (Hermann Nitsch, 2019, zit. nach: Über die Ausstellung | NITSCH. Räume aus Farbe, online: www.albertina.at/ausstellungen/nitsch-raeume-aus-farbe). Seine berühmten "Schüttbilder" sind Ausdruck dieser lebenslangen Begeisterung für die Materie und bleibende Zeugnisse seiner mittlerweile legendären Malaktionen.

Unser Bodenschüttbild entsteht am 20. August 1986 bei der 19. Malaktion auf Schloss Prinzendorf in Niederösterreich. Die barocke Anlage ist seit 1971 nicht nur Wohnort des Künstlers, sondern auch Schauplatz zahlreicher Performances und Aktionen, wie das Orgien-Mysterien-Theater oder die 6-Tage-Spiele. Bereits seit Mitte der 1950er Jahre hatte Hermann Nitsch eine ganz eigene, neue Kunstform entwickelt, die bestehend aus Musik, Literatur und Kunst zu einem alle Sinne ansprechenden Gesamtkunstwerk verschmelzen sollte. Nicht immer stieß sein Kunstverständnis dabei auf Begeisterung, insbesondere in der Anfangszeit. Mehrfach wurde der Künstler in seinem Heimatland verhaftet und lebte einige Zeit in Deutschland, wo die Gesetzgebung für seine Kunst günstiger war. Über die Jahrzehnte bis zu seinem Tod Anfang dieses Jahres hat sich der Blick auf sein Schaffen allerdings stetig verändert und es ist mittlerweile als wegweisender Beitrag zur Kunst der 1960er Jahre anerkannt. Bis heute übt sein Gesamtkunstwerk eine große Faszination auf sein Publikum aus, die er sich selbst wie folgt erklärt: "Die Menschheit wünscht sich den Exzess als Abreaktion herbei, bewusst oder unbewusst." (Hermann Nitsch, 2014, zit. nach: Herlinde Koelbl, Ich bin Wiener und habe getrunken, Zeit Magazin Nr. 43, 20.10.2011). [AR]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Hermann Nitsch "Schüttbild (19. Malaktion, Prinzendorf, 1986)"
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Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.