Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 22

 

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Paul Gauguin
Les vieilles filles à Arles, 1889.
Zinkdruck, Aquarell, Gouache, handkoloriert
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
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Les vieilles filles à Arles. 1889.
Zinkdruck, Aquarell, Gouache, handkoloriert.
Mongan/Kornfeld/Joachim 9 Aa (von B). Links unten in der Platte signiert. Einziger handkolorierter Erstabzug. Auf gelbem Velin. 32 x 32,5 cm (12,5 x 12,7 in). Papier: 32 x 33 cm (12,5 x 12,9 in).
Motiv 8 der Folge: "Suite Volpini, 10 Zincographies", Erstausgabe herausgegeben vom Künstler im Mai 1889. Gedruckt von Edouard Ancourt, Paris.[KT].
• Einziger von Gauguin handkolorierter Erstabzug dieses Motivs auf dem seltenen gelben Papier der Erstausgabe.
• Blatt aus der "Suite Volpini", Gauguins erstem künstlerischem Manifest in grafischer Form, mit dem er sich 1889 bei der grundlegenden Ausstellung im Pariser Café Volpini präsentiert.
• Das Motiv der Arlésiennes teilt Gauguin mit van Goghs "Arlésienne" im Musée d'Orsay, Paris – sein eigenes Gemälde "Arlésiennes (Mistral)" befindet sich im Art Institute, Chicago.
• Einst in der Sammlung Anson C. Goodyear, Gründungsmitglied und erster Präsident des Museum of Modern Art, New York
.

PROVENIENZ: Vermutlich Frederick Keppel & Co., New York.
Sammlung Anson Conger Goodyear (1877-1964), New York.
Gerald P. Peters Fine Armerican Paintings, Santa Fe, New Mexico (Nr. GP - 222).
Privatsammlung.
Privatsammlung Europa (2002 erworben).

AUSSTELLUNG: Gauguin and the School of Pont-Aven, Prints and Paintings, Royal Academy of Arts, London, 9.9.-19.11.1989; National Gallery of Scotland, Edinburgh, 4.12.1989-4.2.1990, Nr. G9 (m. Abb. S. 57).
Gauguin and the School of Pont-Aven, Bunkamura Museum of Art, Tokio, April-Mai 1993.
Gauguin and the School of Pont-Aven, Indianapolis Museum of Art; The Walters Art Gallery, Baltimore; Montreal Museum of Fine Arts; The Dixon Gallery and Garden, Memphis; San Diego Museum of Art; Portland Art Museum; Museum of Fine Arts, Boston, Sept. 1994-Sept. 1996, Nr. 8 (m. Abb.; nicht an allen Orten ausgestellt).

LITERATUR: Vgl. Marcel Guérin, L'Œuvre gravé de Gauguin, Bd. I, Paris 1927, Nr. 11 (m. Abb.).
Christie's, London, Impressionist and modern works on paper, Auktion 7.2.2002, Los 337 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 17.42 h +/- 20 Min.

Der zeitlich wohl letzte Druck aus der "Suite Volpini" trägt den Titel "Les vieilles filles à Arles" (Die alten Jungfrauen von Arles). Diesem zunächst schwarz auf die Zinkplatte gezeichneten und anschließend vom Drucker abgezogenen Motiv verändert Gauguin mit seiner nachträglichen Kolorierung zu etwas einzigartigem: mit dem behutsamen Einsatz von zarten Aquarelltönen, bisweilen mit Gouache vermischt, entsteht die bezaubernde Wiedergabe einer Szene, eine sehr persönliche Erinnerung an eine geisterhafte Begegnung. Das Motiv entspricht im Wesentlichen einer direkten Übersetzung des Gemäldes "Arlésiennes (Mistral)" (Frauen aus Arles (Mistral)) aus dem Jahr 1888, heute in der Sammlung des Art Institute of Chicago (Abb.). In der Figur im Vordergrund erkennt man eine Ähnlichkeit mit Madame Ginoux aus dem Gemälde "Le Café de nuit à Arles" (Wir zeigen hier ein gleichzeitig entstandenes Porträt in der Ausführung von Vincent van Gogh (Abb.)) Auf ihrem Weg durch einen öffentlichen Garten in Arles halten sich die Frauen ihre Tücher vor das Gesicht, um sich vor dem Mistral, dem kalten Wind der Provence, auf den sich Gauguin im Titel des Gemäldes bezieht, zu schützen. Auch die Bäume erscheinen wie eingewickelt und stehen in seltsamen konischen Formen am Rande des Weges. Ein mit zarten Pinselstrichen geformter Busch versperrt den Weg und behindert die Prozession der Figuren, die Beobachtung eines Gefühls von beobachtendem Stillstand. Am Bildrand rechts lässt Gauguin einen widerspenstigen jungen Baum aus der Begrenzung des Bildes entkommen. Mit der Zinkografie übernimmt Gauguin das Wesentliche aus dem kraftvollen und rätselhaften Gemälde "Arlésiennes (Mistral)", es ist eine Szene, die Gauguin in dem öffentlichen Garten direkt gegenüber von van Goghs "Gelbem Haus" sieht. Mit großen, flächigen Farbflächen, mit einer willkürlichen Handhabung des Raums und den rätselhaften Silhouetten veranschaulicht Gauguin seine Suche nach bildlicher Harmonie und symbolischem Gehalt. Hier wandern vier in Tücher gehüllte Frauen langsam durch den Garten. Die beiden, die dem Betrachter am nächsten stehen, wenden ihren Blick ab und bedecken neugierig ihren Mund. Ihre düsteren Umrisse spiegeln die beiden orangefarbenen Zapfen wider, die wahrscheinlich gegen den Frost eingewickelte Sträucher darstellen. Die Bank am linken oberen Rand des Weges steigt steil an und widersetzt sich einer logischen Perspektive. Ebenso rätselhaft ist der geheimnisvolle Busch auf der linken Seite, in den Gauguin bewusst Formen eingebettet hat, die Augen und eine Nase andeuten und den Eindruck einer seltsamen, wachsamen Präsenz erwecken. Mit seiner Aura verdrängter Emotionen und einer schwer fassbaren Bedeutung erforscht "Arlésiennes (Mistral)" die Zweideutigkeiten, Geheimnisse und Emotionen, die Gauguin den Erscheinungen zugrunde legt. [MvL]

Weitere Werke aus dieser Privatsammlung werden ebenfalls in unserem Modern Art Day Sale angeboten (Samstag, 10. Dezember 2022, Los 455, 489, 527).



 

Aufgeld und Steuern zu Paul Gauguin "Les vieilles filles à Arles"
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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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