Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 46

 

46
Hermann Max Pechstein
Feuerlilien, 1928.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 120.000 - 150.000
+
Feuerlilien. 1928.
Öl auf Leinwand.
Rechts oben signiert und datiert. Verso signiert, betitelt und mit den Adressangaben des Künstlers bezeichnet. 61 x 80 cm (24 x 31,4 in).
Im Original-Rahmen.
• Eine der seltenen Landschaftsdarstellungen Pechsteins, in der Blumen die einzigen Akteure sind.
• Geschlossene Provenienz – immer in Familienbesitz.
• Bereits kurz nach Entstehung museal ausgestellt und erst jetzt in einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung wieder entdeckt
.

Mit einem kunsthistorischen Gutachten von Frau Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, vom 26. Oktober 2022. Die bei Erstellung des Werkverzeichnisses noch unbekannte Arbeit ist nun im unveröffentlichten Archiv der Max-Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft sowie im Archiv von Frau Prof. Dr. Aya Soika unter der Gemälde-Nummer 1928/12 verzeichnet.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Hermann und Margrethe Höpker-Aschoff, Herford (seit 1928, als Geschenk vom Künstler).
Privatsammlung (durch Erbschaft vom Vorgenannten).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (seit 2008 als Geschenk vom Vorgenannten).

AUSSTELLUNG: Deutsche Kunstgemeinschaft, Ausstellung im Berliner Stadtschloss, November 1928 (auf dem Keilrahmen mit dem schwer leserlichen Stempel).

„Und es hat sich gelohnt, daß ich verflossenes Jahr mich hauptsächlich zeichnerisch in die Gegend einsah, also konnte ich mich diesen Sommer vor allem der Farbe widmen."
Hermann Max Pechstein in einem Brief an Dr. Walter Minnich vom 24. September 1928.

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.30 h +/- 20 Min.

Nach der Auflösung der Künstlergruppe "Brücke" findet Hermann Max Pechstein in den 1920er und 1930er Jahren zu einer neuen künstlerischen Reife. Große Einzelausstellungen finden 1921 im Berliner Kronprinzenpalais und in der Kunsthalle Bern statt. 1923 wird Pechstein zum Mitglied der Akademie der Künste ernannt und ist Teil des Vorstands der Berliner Secession. Pechstein gehört in den 1920er Jahren zur Kunstprominenz der Metropole Berlin. "Auf jeden Fall baute ich mir jetzt in Berlin ein neues Heim und errang mir außer vielen Freunden auch die Anerkennung des Staates. Ich erhielt den preußischen Staatspreis. [..] Ferner ernannte man mich zum Mitglied der Preußischen Akademie der Bildenden Künste. An wichtigen Entscheidungen in Kunstfragen war ich maßgebend beteiligt. Vorträge, Rundfunkansprachen wechselten ab" (zit. nach: Hermann Max Pechstein, Erinnerungen, 1960, S. 109-111) In der Mitte der zwanziger Jahre findet Pechstein zu einem mehr malerischen Stil. An die Stelle der Personendarstellungen treten nun zunehmend Stillleben und Landschaften. Hermann Max Pechsteins besondere Affinität zur Natur ist hinreichend belegt. Bereits in jungen Jahren übte die Natur eine besondere Faszination auf den Künstler aus. Sie symbolisierte für ihn eine Ursprünglichkeit, Wildheit und Freiheit, die damit in starkem Kontrast zur Großstadterfahrung stand. Die Landschaft und der Einklang von Mensch und Natur werden zu Hauptmotiven im Œuvre des Künstlers. In seiner Neuorientierung nimmt der Künstler vielerlei Anregungen auf. Es sind vor allem die Arbeiten von van Gogh, die in seinen Landschaften vorbildhaft sichtbar werden. Auch die Palette ändert sich. Die starkfarbigen Komponenten des Expressionismus, deren Wirkung unter anderem auf großflächige Partien in den Komplementärfarben basiert, verschwinden zugunsten einer anderen, nunmehr differenzierten Malweise. Pechstein benutzt gebrochene Töne, um, wie in unserem Bild, den Stimmungscharakter der Landschaft zu unterstreichen. "Feuerlilien" ist eines der wenigen Landschaftsgemälde Pechsteins, in dem Blumen die einzigen Akteure sind. Die leuchtend orangenen Blütenköpfe sind vor dunklem Hintergrund bildfüllend in Szene gesetzt. Der sie umgebende Raum ist lediglich als Farbenteppich angelegt. Die Formen der Blumen und ihre leuchtende Farbigkeit stehen im Fokus. "Feuerlilien" könnte während des Sommeraufenthalts in Rowe entstanden sein, wo Pechstein seine Sommer zwischen 1927 und 1933 verbringt. Hier arbeitet er entweder allein in seiner Unterkunft an neuen Werken oder "en plein air" im Freien. Das Gemälde könnte aber auch in Berlin nach seiner Rückkehr aus der Sommerfrische und vor der Einlieferung zur Ausstellung der Deutschen Kunstgemeinschaft Mitte November entstanden sein. "Feuerlilien" wird hier kurz nach Entstehung erstmals öffentlich gezeigt und bleibt danach der Forschung unbekannt. Gleich nach seiner Entstehung ging es in die Sammlung von Hermann Höpker-Aschoff. Dieser war von 1925 bis 1931 preußischer Finanzminister und mit dem Künstler persönlich bekannt. Seit fast 100 Jahren blieb das Gemälde in Familienbesitz und wird hier erstmals wieder präsentiert. [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Hermann Max Pechstein "Feuerlilien"
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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.