Auktion: 534 / Contemporary Art Day Sale am 09.12.2022 in München Lot 146

 

146
Gerhard Richter
FAZ-Übermalung, 2002.
Multiple. Öl (gerakelt) über Offsetdruck
Schätzpreis: € 80.000 - 100.000
+
FAZ-Übermalung. 2002.
Multiple. Öl (gerakelt) über Offsetdruck.
Butin 122. Rechts oben signiert, datiert, nummeriert und bezeichnet "a. p.". Verso auf dem Unterlagekarton auf einem Etikett mit dem Künstlernamen, der Datierung, dem Titel und der Nummerierung sowie den Technik- und Maßangaben typografisch bezeichnet. Unikat. Eines von 5 Künstlerexemplaren außerhalb der Auflage von 32 Exemplaren. Auf glattem Karton, montiert auf Karton. 39 x 55 cm (15,3 x 21,6 in).
Der Offsetdruck entsteht nach einer Fotografie eines Exemplars der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom Februar 2001, gedruckt von Rotadruck Armin Weichert, Berlin. Herausgegeben von Gerhard Richter, Köln, und Galerie Fred Jahn, München.
• Mit seiner mehr als sechs Jahrzehnte andauernden Karriere gilt Gerhard Richter heute als einer der bedeutendsten lebenden Künstler.
• Mit der Verbindung von Fotografie, Druckgrafik und gerakelter Malerei schafft Richter hier eine für sein gesamtes Œuvre charakteristische Symbiose.
• Jedes Exemplar ist durch die einzigartige Rakelung ein Unikat.
• Die dem Werk zugrunde liegende Fotografie zeigt die farbbefleckte Hand des Meisters: ein Verweis auf sein handwerkliches Können und sein künstlerisches Schaffen
.

PROVENIENZ: Galerie Fred Jahn, München (direkt vom Künstler).
Privatsammlung Hessen (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Gerhard Richter. Übermalte Fotografien, Museum Morsbroich, Leverkusen, 17.10.2008-18.1.2009; Gerhard Richter. Photographie Peintes, Centre de la photographie, Genf, 20.2.-10.5.2009; PhotoEspaña: Gerhard Richter. Fotografías pintadas, Fundación Telefónica, Madrid, 3.6.-26.7.2009, S. 385 (m. Abb.).

LITERATUR: Hubertus Butin u. Stefan Gronert (Hrsg.), Gerhard Richter. Editionen 1965-2004 (Catalogue Raisonné), Ostfildern 2004, Kat.-Nr. 122, S. 272 (m. Abb. eines anderen Exemplars).
Hubertus Butin, Stefan Gronert u. Thomas Olbricht (Hrsg.), Gerhard Richter. Editionen 1965-2013, Ostfildern 2014, Kat.-Nr. 122, S. 293 (m. Abb. eines anderen Exemplars).

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 14.31 h +/- 20 Min.

Richters berühmte, mit dem Rakel – einem breiten Holz-, Gummi- oder Aluminiumspachtel – geschaffene "Abstrakte Bilder" entstehen ab den 1980er Jahren und sind heute die international gefragtesten Arbeiten seines Œuvres. Das mit dem Rakel erzeugte, verwischende Überarbeiten von mit dem Pinsel aufgetragenen Farbflächen oder auch von gegenständlichen Darstellungen früherer Gemälde ist seither zum Charakteristikum von Richters Malerei geworden. Die durch den manuellen Prozess der Rakelung entstehende, individuelle Farbstruktur ist stets ungeplant und unvorhersehbar und somit ein Produkt des Zufalls. Auf diese Weise verbindet Richter kreatives Kalkül und Zufallsmoment sowie Konstruktion und Dekonstruktion.

Der hier angebotenen Arbeit liegt eine Fotografie von Alfred Seiler zugrunde, die 2001 für die berühmte Werbekampagne mit dem Titel "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsteht (Agentur Scholz & Friends, Berlin). Richter hatte die Tageszeitung zunächst mit grauer, weißer, roter und oranger Ölfarbe überrakelt, bevor Seiler ihn mit der Zeitung in der Hand ablichtet. Die Fotografie dient im darauffolgenden Prozess als Vorlage für einen Offsetdruck, den Gerhard Richter für die Werkserie "FAZ-Übermalung" wiederum mit hellgrauer Ölfarbe überrakelt. Es entsteht eine spannungsreiche Verbindung aus malerischer Überlagerung und – eine Symbiose aus Verdecken und Hervorscheinen.

Mithilfe verschiedenster künstlerischer Prozesse gelangt Richter von der überrakelten Zeitung über deren Fotografie, deren Übertragung in eine druckgrafische Vorlage hin zur erneuten malerischen Überrakelung und spielt damit nicht nur mit den ihm zur Verfügung stehenden künstlerischen Möglichkeiten, sondern auch mit der Definition und der Bedeutung der klassischen Malerei und des althergebrachten Kunstbegriffs. Statt eines klassischen Pinselduktus arbeitet Richter mit der Überrakelung und verweist mit der Fotografie seiner mit Ölfarbe befleckten Hand – der Hand des Meisters – auf seine handwerklichen Fähigkeiten und sein geniales künstlerisches Schaffen. [CH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Gerhard Richter "FAZ-Übermalung"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.