Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 62

 

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Robert Rauschenberg
Untitled (Rauschenberg floating in a pool designed by Le Corbusier), 1988.
Mischtechnik auf Leinwand. Acryl- und Lösemitte...
Schätzpreis: € 180.000 - 240.000
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Untitled (Rauschenberg floating in a pool designed by Le Corbusier). 1988.
Mischtechnik auf Leinwand. Acryl- und Lösemitteltransfer auf einer vergrößerten, auf Leinwand gedruckten Fotografie von Gianfranco Gorgoni aus dem Jahr 1975. Unikat.
Rechts unten signiert und datiert. Verso mit der Signatur von Gianfranco Gorgoni. Ca. 186 x 322 cm (73,2 x 126,7 in).

• In den 1960er Jahren beauftragt das Magazin L'Espresso den Fotografen Gianfranco Gorgoni mit einer Reportage über die amerikanische Kunstszene.
• Leo Castelli berät ihn bei der Auswahl der Künstler, die der Fotograf anschließend porträtiert.
• Jahre später lädt Gianfranco Gorgoni die Künstler ein, ihre eigenen Porträts zu bearbeiten: Robert Rauschenberg, Keith Haring, Roy Lichtenstein und weitere beteiligen sich an dem Projekt.
• Ihre Werke werden 1988 in der legendären Ausstellung „Altered Images“ in der Penson Gallery in New York ausgestellt, darunter auch unsere Arbeit von Robert Rauschenberg
.

Die Arbeit ist unter der Archivnummer "RRF 88.189" im Archiv der Robert Rauschenberg Foundation, New York, registriert.

PROVENIENZ: Gianfranco Gorgoni Studio, New York (bis 1989).
Galleria Barbierato Arte Contemporanea, Asagio.
Privatsammlung Europa.

AUSSTELLUNG: Gianfranco Gorgoni: Altered Images, The Penson Gallery, New York, 1988 (m. Farbabb. S. 27).
Storie dell'occhio 2 – Gianfranco Gorgoni, Galleria Civica di Modena, Modena, Juli-Sept. 1989, Kat.-Nr. 13 (m. Abb.).
L'Idea e l'Oggetto, Galleria Barbierato Arte Contemporanea, Asiago, 1991.
L'Arte del XX secolo nelle collezioni private vicentine, Basilica Palladiana, Vicenza, 1998, Kat.-Nr. 132 (m. Abb. S. 197).
Collettiva 1, Marnin Art Gallery, Washington D.C., Juni-August 2003.
CAMERA POP. La fotografia nella Pop Art di Warhol, Schifano & Co, CAMERA – Centro Italiano per la Fotografía, Turin, 21.9.2018-13.1.2019.

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 19.02 h +/- 20 Min.

Gianfranco Gorgoni und seine Künstlerporträts

Der italienische Fotograf Gianfranco Gorgoni, 1941 in Rom geboren, wird in den 1960er Jahren vom Magazin L’Espresso mit einer Reportage über die Kunstszene in Amerika beauftragt. Er lebt in New York und kommt über den Galeristen Leo Castelli, der ebenfalls italienische Wurzeln hat, mit der dortigen Kunstszene in Kontakt. Schon während des Zweiten Weltkriegs war Leo Castelli mit seiner Familie nach New York gekommen, wo er zunächst in seinem Wohnzimmer einen Showroom einrichtet und sich in den 1960er Jahren schließlich zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt entwickelt. So kommt es dazu, dass Gianfranco Gorgoni bei seinem Auftrag für L’Espresso und bei weiteren Projekten zahlreiche Künstler fotografiert, die heute zu den Weltstars der Kunst gehören, darunter Keith Haring, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Christo, Jean-Michel Basquiat, Richard Serra, Chuck Close, Robert Longo und viele mehr. Auch Robert Rauschenberg, dessen Werke bereits seit Ende der 1950er Jahre von Leo Castelli ausgestellt werden, gehört zu den Porträtierten.

Die Ausstellung „Altered Images“ 1988 in New York

Etwa zwanzig Jahre nachdem Gianfranco Gorgoni mit der Reportage über die amerikanische Kunst beauftragt worden war, entsteht die Idee zu einer Ausstellung. Der Fotograf lädt die von ihm porträtierten Künstler dazu ein, aus ihren Fotos eigenständige Kunstwerke zu entwickeln. Viele zeigen sich begeistert von der Idee und die finale Liste der Teilnehmer an der Ausstellung in der Penson Gallery in New York 1988 liest sich wie der Auszug eines Lexikoneintrags über die amerikanische und europäische Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Sandro Chia, Christo, Chuck Close, Keith Haring, Joseph Kosuth, Roy Lichtenstein, Robert Longo, Eliseo Mattiacci, Mario Merz, Mimmo Paladino, Robert Rauschenberg, David Salle und Kenny Scharf. Sie alle erhalten vom Fotografen eine vergrößerte, auf Leinwand gedruckte Version ihrer Porträtfotos für die künstlerische Überarbeitung. Die dabei entstehenden Werke lassen sich im Ergebnis wohl am treffendsten als eine seltene Form des Selbstporträts bezeichnen, in denen die Künstler, ausgehend vom fremden Blick des Fotografen, ihre eigene Person durch stilistische Elemente ihres künstlerischen Schaffens reflektieren, wie etwa Keith Haring mit seinen unverwechselbaren Zeichnungen (Abb.), Roy Lichtenstein mit den plakativen Pinselstrichen und Punkten der Pop-Art (Abb.), oder Christo im Stil seiner Collagen und Zeichnungen, mit denen er seine Projekte finanziert (Abb.). Im Einleitungstext des Ausstellungskatalogs heißt es zu den Arbeiten: „The exhibition had its genesis in Gianfranco Gorgoni’s superb photographs of those contemporary European and American artists who have changed our visual perception of the world. […] The resulting multimedia works are not only ,altered images‘, but represent, as a whole, a literal survey of the richness and diversity of artistic invention in our time.“ (The Penson Gallery (Hrsg.), Gianfranco Gorgoni: Altered Images, New York, 1988, S. 4).

Robert Rauschenberg, floating in a pool designed by Le Corbusier

Der Beitrag von Robert Rauschenberg zur Ausstellung in der Penson Gallery basiert auf einer Fotografie, die Gianfranco Gorgoni 1975 von ihm in Indien aufgenommen hat. Sie zeigt den Künstler umgeben von glitzerndem Wasser in einem von Le Corbusier entworfenen Pool in Ahmedabad. Der bekannte französische Architekt hatte dort 1951 für die Familie Shodhan eine Villa errichtet. Robert Rauschenberg hält sich im Rahmen seines ROCI(Rauschenberg Overseas Culture Interchange)-Projekts für einen Workshop auf dem Gelände auf und wird von einer größeren Gruppe begleitet, darunter auch der italienische Fotograf. Gianfranco Gorgoni fängt den Künstler in einem Moment der Ruhe ein, losgelöst von seiner Umwelt. Eben jenes Foto überarbeitet Robert Rauschenberg Jahre später für das Ausstellungsprojekt mit seiner ganz persönlichen Bildsprache. Er ergänzt im oberen Bereich eine für ihn so typische, collageartig angelegte Serie von Bildern und fügt in Acrylfarbe einen breiten, bunten Streifen quer über die Leinwand hinzu. Rauschenberg entscheidet sich dafür, die von ihm bearbeitete Leinwand frei im Ausstellungsraum zu hängen. Auf wunderbare Weise treten Motiv und Bildträger in einen Dialog. Die sich bei leichtem Luftzug bewegende Leinwand überträgt ihren Rhythmus auf das Porträt des jungen Rauschenbergs, der auf den Wellen des Pools treibt. Am Ende des Prozesses steht ein Werk, das sich kaum besser als mit dem Schlusssatz des Ausstellungskatalogs der Penson Gallery beschreiben lässt: „With that which the artist has chosen to share with us, we come away […] with […] a new perception and understanding of these men and the nature of their work. It is ourselves, as well as the images, which have been altered.“ (The Penson Gallery (Hrsg.), Gianfranco Gorgoni: Altered Images, New York, 1988, S. 5). [AR]



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Robert Rauschenberg
Untitled (Rauschenberg floating in a pool designed by Le Corbusier), 1988.
Mischtechnik auf Leinwand. Acryl- und Lösemitte...
Schätzpreis: € 180.000 - 240.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Robert Rauschenberg "Untitled (Rauschenberg floating in a pool designed by Le Corbusier)"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.