Auktion: 546 / 19th Century Art am 09.12.2023 in München Lot 307

 

307
Hans Thoma
Im Garten, 1877.
Öl auf Malpappe, kaschiert auf Holz
Schätzpreis: € 25.000 - 35.000
+
Im Garten. 1877.
Öl auf Malpappe, kaschiert auf Holz.
Links unten monogrammiert und datiert. Verso mit Ausstellungsetikett und Etikett Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt, nummeriert "22068017". 99 x 79,5 cm (38,9 x 31,2 in).

• Seltene elegante Gesellschaftsszene im Werk des großen Landschafters mit impressionistischen Einflüssen in Motiv und Malweise
• In nuancierten, tiefen und abwechslungsreichen Grüntönen inszeniert Thoma stimmungsvoll die Idylle des intimen Beisammenseins in der Abgeschiedenheit des sommerlichen Gartens
• Bedeutende Provenienz-Station: einst in der Sammlung Carl Ludwig „Achaz“ Duisberg, Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor in Berlin
.

Wir danken Tanja Baensch, Kunsthalle Karlsruhe, für Auskünfte zur Provenienz.

PROVENIENZ: Sammlung Carl Ludwig „Achaz“ Duisberg, Berlin-Zehlendorf (bis 1940: Hans W. Lange).
Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt (mit dem Etikett).
Privatsammlung Baden-Württemberg.

AUSSTELLUNG: Freie Künstlervereinigung Baden-Baden, Deutsche und Schweizer Kunst, April 1911 (ohne Katalog).
Hans Thoma, 1839-1924. Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag, Kunsthalle Karlsruhe, 2.7.-21.8.1939, Nr. 88 (m. Abb.).
Träume verwehen nicht. Die Idylle: eine Bildform im Wandel zwischen Hoffnung und Wirklichkeit, 1750-1930, Städtisches Museum Leverkusen, Schloss Morsbroich, Leverkusen, 20.12.1986-22.2.1987; Kunsthalle Kiel, 1.3.-15.4.1987, Kat.-Nr. 57 (m. Abb.).
Hans Thoma 1839-1924. Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung Georg Schäfer Schweinfurt, Altes Rathaus, Schweinfurt, 21.10.-26.22.1989; Städtische Kunstsammlungen, Augsburg, 9.12.1989-4.2.1990; Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe, 17.2.-8.4.1990, Kunsthalle Kiel, 16.4.-27.5.1990, Kat.-Nr. 14 (m. Abb.).

LITERATUR: Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe, N.F. 22.1911, Sp. 348.
Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers, 3.1911, S. 306.
Hans W. Lange Berlin, Verschiedener Kunstbesitz – die kunstgewerblichen Bestände der Firma E. Kahlert & Sohn, i. L., Berlin - Chinasammlung O., Bremen: Versteigerung am 18., 19. und 20. Juni 1940, Los 123 (m. Abb.).
Gotthart Frühsorge, Die Kunst des Landlebens: vom Landschloss zum Campingplatz. Eine Kulturgeschichte, München/Berlin 1993, S. 237 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 09.12.2023 - ca. 13.39 h +/- 20 Min.

Vor einer schützenden Laubhecke im Winkel eines Gartens präsentiert Thoma hier eine Szene voller stiller Intimität und familiärer Harmonie. Auf den geschwungenen eleganten Stühlen und Bänken haben sich ein junger Mann und zwei junge Frauen zusammengefunden, nichts stört die abendliche Stimmung. Im Vordergrund nahe der Figuren unterstreicht das fein ausgearbeitete Detail drei kleiner Spatzen die Friedlichkeit und von jeglicher Störung befreite Szenerie - eine Idylle, die fast schon außerhalb von Zeit und Raum in der Abgeschiedenheit die Atmosphäre im Bild verewigt. Die Betrachtenden werden von den Figuren nicht zur Kenntnis genommen, fast vermutet man sich selbst hinter einer Hecke und richtet leise den Blick ins Grün, um das Beisammensein nicht zu stören. Eingebettet in den Rückzugsort des Gartens zeigt Thoma die Figuren vor dichtem Laub in voller sommerlicher Pracht. Gerade diese Verwendung unterschiedlicher Grüntöne ziehen sich durch Thomas Schaffen, sie sind eines der zentralen Charakteristika seines Kolorits und zeigen die große, spirituell verstandene Bedeutung, die Thoma der Natur und allem Lebendigen beimisst. Thoma verweilt im Juni 1876 in Schaffhausen in der Schweiz in der Nähe des Bodensees, wohin seine Mutter und Schwester für kurze Zeit übergesiedelt waren. Dort entsteht die Gartenszene, von der er selbst berichtet: „In Schaffhausen malte ich im Garten meines Vetters […] eine Gartenlandschaft mit drei Figuren“ (Thoma, Im Winter des Lebens, 1919, S. 72). Das Thema des Gesellschaftsstück, oder auch „conversation piece“ ist dabei in Thomas Werk eine Seltenheit. Es verweist auf kunsthistorische Traditionen des 18. Jahrhunderts in England aber auch Frankreich, wo Watteau mit seinen „fêtes galantes“ das menschliche Zusammensein an sich zum Bildinhalt erhebt. Die Beziehungen der dargestellten Figuren werden zum Motiv, wie es später vor allem im Impressionismus in Frankreich wieder auflebt. Möglicherweise verarbeitet Thoma hier auch seine Eindrücke der Parisreise im April-Mai 1868, wo er das Atelier Gustave Courbet besucht und die Gemälde im Louvre studiert. Besonders die Rückenfigur der jungen Frau erinnert in Motiv und Farbigkeit, dem gebrochenen Weiß ihres Kleides, Graubraun und den schwarzen Akzenten an die Palette Courbets, verweist allerdings auch auf die frühimpressionistische Malerei Edouard Manets, den Thoma bewundert. Neben den vielen im ländlichen und einfachen Milieu angesiedelten Landschaften ist hier eine Bürgerlichkeit zu vernehmen, in der feine zivilisatorische Konventionen am Werk sind. Den beiden Frauen gegenüber sitzt der junge Mann etwas unbeholfen, seinen Blick können die Betrachtenden auf der ihm gegenübersitzenden Frau ruhen sehen. Von symbolischen Gehalt nicht unbelastet, beobachtet am Boden währenddessen der kleine Spatz die beiden anderen. Man mag an einen jungen Mann denken, in der Begegnung mit dem Weiblichen, fasziniert und schüchtern und etwas unbeholfen sich annähernd. In dem großformatigen Gemälde kommen Thomas feine Beobachtungen und Stimmungsqualitäten sowie sein menschliches Einfühlungsvermögen besonders zum Vorschein. [KT]



 

Aufgeld und Steuern zu Hans Thoma "Im Garten"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 800.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 800.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 800.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 4.000.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 22 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 4.000.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 800.000 Euro: hieraus Aufgeld 27 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 800.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 21 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 800.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 4.000.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 4.000.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.