Auktion: 300 / Klassiker des XX.Jahrhunderts am 02.06.2006 Lot 344

 
Amedeo Modigliani - Cariatide


 
344
Amedeo Modigliani
Cariatide, 1913.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 65.000
Ergebnis:
€ 204.750

(inkl. 17% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Cariatide. 1913.
Bleistiftzeichnung mit Grafit gehöht.
Parisot, Band I, 18/13. Rechts unten in der Darstellung signiert. Auf festem Velin (mit Wz.) 64 x 49 cm ( 25,1 x 19,2 in), Blattgröße.

Mit einer Foto-Expertise von Hanka Zborowska, Paris, vom 10.1.1958, dort zudem von Lunia Czechowska bestätigt.
Mit einer Foto-Expertise von Arthur S. Pfannstiel, Hamburg, vom 19.3.1960.
Mit einer Foto-Expertise von Joseph Lanthemann vom 9.5.1977 mit der Bestätigung, dass die Zeichnung unter Nr. 542b in den Supplement des Catalogue raisonné aufgenommen wird.
Mit einer Foto-Expertise von Christian Parisot "Modigliani Institut Archives Legales", Paris, vom 16. April 2006

PROVENIENZ: Sammlung U. Einsild, Paris.
Privatsammlung Italien.

Ausstellung: Grand Palais, FIAC, Paris 1982.
Modigliani. Aquarelles / Dessins, Le Point, Galerie d'Art Moderne, Monte-Carlo, 19.7.-4.9.1982, Kat.Nr. 7 (mit ganzseitiger Abb.).
Modigliani, Centre Cultural Caixa des Pensions, Barcelona 1983, S. 114.
Modigliani, Sala de Exposiciones de la Caja Pensiones, Madrid 1983, Kat.Nr. 49, S. 122 (mit dem Stempel auf der Rahmenabdeckung).

Schon früh wird Modigliani vertraut mit Literatur und Kunst, erhält 1898-1900 im Atelier von Guglielmo Micheli ersten Zeichen- und Malunterricht. Der italienischen Frührenaissance gilt seine Begeisterung. 1902 gründet Modigliani in Florenz eine Ateliergemeinschaft mit Oscar Ghilia und wird Schüler der freien Aktschule. Ein Jahr später wechselt er an die Akademie in Venedig, wo er sich im Selbststudium mit den Werken der Alten Meister beschäftigt und sich mit den internationalen zeitgenössischen Kunstströmungen vertraut macht. 1906 geht Modigliani nach Paris, um an der freien Akademie Colarossi zu studieren. 1907 lernt er den jungen Arzt Paul Alexandre kennen, der sein erster Förderer wird. Er kauft nicht nur Gemälde und Zeichnungen, sondern verhilft dem Künstler zu ersten Aufträgen. Im selben Jahr stellt Modigliani im Herbstsalon aus, ein Jahr später im "Salon des Indépendents". Die wenigen erhaltenen Bilder aus dieser Zeit spiegeln Einflüsse durch die Fauves, Matisse, Toulouse-Lautrec und Cézanne wider.

Allen voran dürfte Pablo Picasso ein Vorbild gewesen sein, dessen "Demoiselles d'Avignon" von 1907 am Beginn der kubistischen Phase ihren Einfluss auch auf unsere Zeichnung nicht verleugnen können. Modigliani bleibt jedoch im Formalen einem Lineament verbunden, das seine Kraft aus der klaren Linie zieht, die, wie im vorliegenden Fall, durch die begleitenden Umrissschraffuren noch verstärkt wird. Die Linie bekommt so bei Modigliani eine Sinnlichkeit, die im Zusammenhang mit den kompakten Formen des knienden Aktes eine subtile Erotik vermittelt. Modigliani hat dieses Prinzip einer reinen sinnlichen Form besonders in seinen späteren Bildnissen verfolgt. Lunia Czechowska, eine enge Freundin des Künstlers, die er mehrfach porträtiert, sagt über ihn: "Mir fielen sein vornehmes Auftreten, seine Ausstrahlung und die Schönheit seiner Augen auf [...] Modigliani sah nur, was schön und rein war [...]" (zitiert aus: Alfred Werner. Amadeo Modigliani, Köln 1968, S. 156).

Bleibenden Ruhm erlangt Modigliani aber v.a. durch seine nach 1914 entstandenen Künstlerporträts. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldet er sich freiwillig, wird allerdings aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes vom Militärdienst befreit. Er beginnt mit dem Kunsthändler Paul Guillaume zu arbeiten. Unterstützung findet der Künstler zudem bei dem polnischen Dichter Léopold Zborovski und seiner Frau, von denen er zahlreiche Porträts anfertigt. Am 3. Dezember 1917 findet in der Galerie Berthe Weill Modiglianis erste Einzelausstellung statt, die jedoch nach wenigen Stunden geschlossen wird, da seine Aktdarstellungen einen Skandal hervorrufen. Mit der Belagerung von Paris durch die Deutschen 1918 verlässt er die Stadt mit seiner Geliebten Jeanne Hébuterne Richtung Nizza. Im Mai 1919 kehrt Modigliani nach Paris zurück, wo er am 24. Januar 1920 an Tuberkulose stirbt. [KD]

344
Amedeo Modigliani
Cariatide, 1913.
Bleistiftzeichnung
Schätzung:
€ 65.000
Ergebnis:
€ 204.750

(inkl. 17% Käuferaufgeld)