Auktion: 315 / Modern Art am 12.06.2007 in München Lot 121

 
Otto Mueller - Tänzerin (Maschka, tanzend)

121
Otto Mueller
Tänzerin (Maschka, tanzend), 1903.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 156.000

(inkl. 20% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Tänzerin (Maschka, tanzend). Um 1903.
Mischtechnik auf Leinwand.
Von Lüttichau 19. Rechts unten signiert. Verso auf einem Etikett nochmals signiert. Zudem mit der hs. Adresse der Frau des Künstlers in Berlin. 90,5 x 68,2 cm ( 35,6 x 26,8 in).

PROVENIENZ: Maschka Mueller, Berlin.
Emmy Mueller, Föhr.
Privatsammlung Norddeutschland.

Ausstellung: Dessau 1905.
Otto Mueller. Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Lithographien, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 1947, o. Abb. (Tänzerin, Erstlingsarbeit, 1903).
Otto Mueller. Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Lithographien, Städtische Kunstsammlungen Chemnitz, Schloßberg-Museum, Chemnitz 1947.
Otto Mueller zum 75. Geburtstag, Galerie Franz, Berlin 1949, Kat.Nr. 1.
Otto Mueller. Eine Retrospektive, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 21.3.-22.6.2003, Farbtafel 9.

LITERATUR: Lothar-Günther Buchheim, Otto Mueller. Leben und Werk, Feldafing 1963, S. 43, Abbildung 17.
Galerie Wolfgang Ketterer, 7. Auktion, München 1972, Kat.Nr. 1194, S. 225 (mit Farbabb.).
Galerie Bassenge, Auktion 46, Teil II, Alte und Neue Kunst, Berlin 1985, Kat.Nr. 5571, S. 321 (mit Farbabb.).
Mario-Andreas von Lüttichau, Otto Mueller. Ein Romantiker unter den Expressionisten, Köln 1993, "Die Tänzerin", Pastell (Vorzeichnung zu unserem Gemälde), S. 26, Abb. 9.

Otto Mueller studiert ab 1894 an der Dresdener Kunstakademie bei Georg Hermann Freye und für kurze Zeit bei Carl Bantzer. 1898/99 geht er mit seinem Freund Paul Kother zum Studieren nach München. Trotz der Intervention von Gerhart Hauptmann wird er von Franz von Stuck für das Wintersemester abgelehnt, da der Kurs schon voll ist. Stuck gibt ihm den Rat, es zum Sommersemester erneut zu versuchen. Im Herbst 1899 kehrt er nach Dresden zurück und lernt dort seine spätere Frau Maria Mayerhofer, genannt Maschka, kennen.

Otto Mueller, der sich in seinen frühen Arbeiten stark von den Gemälden Franz von Stucks inspirieren lässt, schafft um 1903 eine Reihe von Gemälden mit Tanzenden. Es sind Paare und einzelne Tänzerinnen, die Mueller in einen fast neutralen Raum stellt. Die subtile Erotik, die von den leicht bekleideten Tanzenden ausgeht, teilt sich erst auf den zweiten Blick mit. Mueller, der sich schon in seiner Maltechnik grundsätzlich von seinem Vorbild Franz von Stuck unterscheidet, hat die schwüle Salonerotik des Münchner Malerfürsten in seinem Sinne abgewandelt und sie durch eine menschlich-elementarere ersetzt. Das Motiv des Schleiertanzes hat seinen Ursprung in den Tänzen der Loïe Fuller, einer Amerikanerin, die seit 1892 in Paris auftritt. Die wehenden dünnen Stoffe und der halbverhüllte Körper sind wie geschaffen, die erotische Phantasie bourgeoiser Männerwelten zu entzünden.
Maschka war der Kosename von Otto Muellers erster Frau, der Malerin Maria Mayerhofer, die der Künstler 1899 in Dresden kennen und lieben lernt. Sie wird sein bevorzugtes Modell. Die Dramatik des früheren Motivs der wehenden Schleiher ist hier zugunsten eines gesteigerten innneren Ausdrucks zurückgenommen. Der Künstler sieht die gelassen Schreitende eher in sich versunken, so wie seine späteren weiblichen Akte im Grünen. Die fast statuarische Haltung erinnert an Tänzerinnen antiker Fresken, doch erarbeitet Mueller hier bereits ein Figurenideal, das für sein malerisches Schaffen so bedeutend werden sollte.

1910 wird Mueller Mitglied der Künstlervereinigung "Brücke". Der Künstler gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Deutschen Expressionismus. 1919 folgt Mueller dem Ruf an die Breslauer Akademie, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1930 lehrt. [KD]

Zustand: Guter Gesamteindruck. Vereinzelte kleine Retuschen. Rechts oben mit minimaler Bereibungsspur.

121
Otto Mueller
Tänzerin (Maschka, tanzend), 1903.
Mischtechnik
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 156.000

(inkl. 20% Käuferaufgeld)