Auktion: 416 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 07.06.2014 in München Lot 722

 
722
Serge Poliakoff
Composition abstraite, 1962.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 85.400

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Composition abstraite. 1962.
Öl auf Leinwand.
Poliakoff 62-68. Links unten monogrammiert und verso signiert "Serge Poliakff" [sic!]. 46 x 38 cm (18,1 x 14,9 in). [JS].

Die Kompositionen der 1950/60er Jahre gelten als die gefragtesten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt.
Die Arbeit ist unter der Nummer 962026 im Poliakoff-Archiv verzeichnet.
Mit einer Fotoexpertise von Herrn Alexis Poliakoff vom 15. Dezember 1983.

PROVENIENZ: Galerie Pudelko, Bonn.
Privatsammlung (1983 vom Vorbesitzer erworben).

Der russische Maler Serge Poliakoff, am 8. Januar 1900 in Moskau geboren, gilt als wichtiger Vertreter der Nouvelle École de Paris. 1917 flieht er vor der Russischen Revolution nach Konstantinopel, gelangt 1923 nach Paris, wo er bis auf wenige Jahre sein Leben verbringt. Zuerst als Musiker den Lebensunterhalt verdienend, beginnt er gleichzeitig mit einem intensiven Studium der Malerei. Von 1929 an ist er an den Pariser Akademien Forchot und de la Grande Chaumière eingeschrieben, 1935 wechselt er für zwei Jahre an die Slade School of Art in London. Zunächst variiert er die akademischen Traditionen und bevorzugt gegenständliche Motive wie Akte, Häuser, Bäume u.ä. Nach 1935 findet er sukzessive zur Abstraktion und benutzt die Farbe als Mittel ohne gegenständliche Bezüge. Entscheidend beeinflusst wird er in dieser Richtung von Kandinsky, den er bei seiner Rückkehr nach Paris kennenlernt. Von Sonia und Robert Delaunay lernt er die emotive Qualität der Farben schätzen, das Interesse für Simultankontraste wird geweckt. Auch der Bildhauer Otto Freundlich übt mit seinen gebogenen Farbform-Kompositionen maßgeblichen Einfluss auf Poliakoffs Bildsprache aus. Poliakoff entwickelt eine sehr individuelle Form abstrakter Malerei, die bunte Farbflächen nebeneinander stellt. In den 1940er Jahren bleibt er im graubraunen Farbbereich, später dan, ab etwa 1950 erweitert er seine Skala um leuchtende, gegeneinander abgesetzte Töne.

In seinem Spätwerk reduziert Poliakoff die kräftige Polychromie zunehmend hin zu einer gedeckten Farbpalette und zeigt, wie in der vorliegenden Komposition, eine Neigung zu einer stärker monochromen Gestaltung. Nur die beiden blau-schwarzen Flächen komplettieren durch ihre Massivität und Schwere die Wirkung des bis hin zu leuchtenden Nuancen durchmodulierten Rot zu einem in sich ruhenden Farbklang. Poliakoffs ¼uvre wird ab den späten 1950er Jahren auf zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert und 1960 in einer umfassenden Einzelausstellung in der Kunsthalle Bern gewürdigt, in welcher 137 abstrakte Kompositionen ausgestellt sind. Anfang der 1960er Jahre befindet sich der Künstler auf dem Höhepunkt seiner öffentlichen Anerkennung und ist 1962, dem Entstehungsjahr unserer leuchtenden Komposition, mit einem eigenen Saal auf der Biennale von Venedig vertreten.

In den späten Jahren entstehen eine Anzahl von Lithografien, denen Poliakoff sich insbesondere ab 1962 widmet, sowie Gemälde kleineren Formats, da der Künstler sich nach einem Herzinfarkt 1965 schonen muss. Am 12. Oktober 1969 stirbt Serge Poliakoff in Paris.

722
Serge Poliakoff
Composition abstraite, 1962.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 85.400

(inkl. 22% Käuferaufgeld)