Auktion: 509 / Wertvolle Bücher am 30.11.2020 in Hamburg Lot 17

 
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Flavius Josephus
Antiquitatum Judaicarum, 1548.
Schätzpreis: € 10.000
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Objektbeschreibung
Das Handexemplar des Reformators

Flavius Josephus
Antiquitatum Iudaicarum libri XX .. De bello Iudaico libri VII .. Contra apionem libri II .. De imperio rationis. Basel, H. Froben und N. Episcopius, August 1548.

- Einzigartiges Flavius Josephus-Exemplar aus dem Besitz des Reformators Johannes Agricola (1494-1566)
- Durchgehend mit lateinischen Marginalien von Agricolas Hand
- In einem signierten Renaissance-Einband mit seinem Monogramm und Datierung 1551
- Bedeutendes Zeitdokument von größter Seltenheit
- Unmittelbarer Einblick in die intensive Auseinandersetzung des Humanisten mit einem klassischen Text


Einst Luthers rechte Hand und Sekretär, war Agricola einer der Schöpfer des Augsburger Glaubensbekenntnisses, der Confessio Augustana, in dem die Grundlehren der lutherischen Kirche formuliert wurden. Daneben trat er als Übersetzer, Ausleger der Heiligen Schrift und vor allem als Sammler deutscher Sprichwörter hervor. Als 1527 die ersten Kirchenvisitationen der sächsischen Kurkreise begannen, kam es zum ersten Konflikt mit Luther und Melanchthon. In weiteren Disputationen wurde der Streit mit Luther zeitweise versöhnlich, dann wieder kontrovers geführt.
Nahezu durchgehend annotiertes Exemplar in Agricolas abkürzungsreicher Humanistenkursive. Der Beginn seiner Lektüre ist am Anfang des Haupttextes datiert :"In nomine Jesu Anno 1557 .. Jacobi apli" (25. Juli 1557). Ebenfalls datiert, zwei Jahre später, ist der Anfang der Vorrede: "In nomine Jesu Christi anno 1559 in Vigilia Corporis Christi" (Fronleichnam). Ein weitere Datierung findet sich auf S. 259: "anno 1559. 5. octobris" und die letzte auf S. 548, am Ende des letzten Buches der Antiquitatum Iudaicarum : "anno 1560. feria 5 post Cantate." - Auf S. 584, im ersten Buch von De Bello Iudaico , enden Agricolas Marginalien, mit Ausnahme von S. 646-651, auf denen er noch ein paar Randnotizen einträgt. Ansonsten folgen lediglich einige wenige Marginalien von den späteren Besitzern, die vereinzelt auch schon auf den vorigen Seiten Randbemerkungen hinterlassen haben; sie stammen vermutlich überwiegend von dem Theologen Simon Purgold Anfang des 18. Jhs.

EINBAND: Zeitgenössischer Schweinslederband über Holzdeckeln mit reicher Blind- und Rollenprägung (Reformatorenköpfe, sign. H. G.; vgl. Haebler I, 144), Messing-Eck- und Kantenbeschlägen sowie 2 Messingschließen, Vorderdeckel mit Monogramm "IS" (= Johann Schneider oder Schnitter, latinisiert: Agricola) und Datum "1551". 34,5 : 23,5 cm. - ILLUSTRATION: Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken auf dem Titel und am Ende sowie zahlreichen figürlichen Holzschnitt-Initialen. - KOLLATION: 4 nn. Bll., 886 S., 1 w. Bll., 16 nn. Bll. Register. - ZUSTAND: Äußere Ränder tls. schmal wasserandig (überwieg. im Kopfsteg), Schnitt etw. fleckig, erste Bll. mit kl. Randläsuren, Titel unten mit größerem Eckabriß (ergänzt), vord. flieg. Vorsatzbl. mit kl. hinterl. Fehlstelle, letztes Bl. verso mit schwachem Nummernstempel. Einband leicht fleckig und berieben. Insgesamt schönes und guterhaltenes Exemplar. - PROVENIENZ: Eigenhändiger Besitzeintrag von Johannes Agricola auf dem Innendeckel ("Exlibris M. Johannes Agricola") und auf dem Titel ("Sum Johannis Agricola M."). - Titel ferner mit drei weiteren Besitzvermerken: Durchgestrichener Eintrag "Annum.. Biblioth.." (16./17. Jh.). - Namenseintrag des Theologen und Schriftstellers Johann Simon Purgold aus Jena (1672-1750). - Namenseintrag von Daniel Gottlieb Lindner, 1750-69 Pastor der Patronatskirche Prezelle im niedersächs. Landkreis Lüchow-Dannenberg. - Seit Anfang der 1970er Jahre in der Sammlung Eckhard Günther (Exlibris).
LITERATUR: VD 16, J 961. - Adams J 364. - BM STC, German Books S. 463.

One-of-a-kind Flavius Josephus copy from the possession of the reformer Johannes Agricola (1494-1566). Consistently with Latin marginalia by Agricola's hand, dated between 1557 and 1560. In a signed Renaissance binding with his monogram and the date 1551. Significant contemporary document of utmost rarity allowing direct insight into the humanist's intense occupation with the text. Contemp. pigskin over wooden boards with rich blind- and roll-tooling (heads of reformers, signed H. G.; cf. Haebler I, 144), brazen corner and edge fittings and 2 brass clasps, front board with monogram "IS" (= Johann Schneider or Schnitter, latinized: Agricola) and date "1551". With 2 woodcut printer's devices on the title and at the end, as well as with many figurative woodcut initials. - Outer margins with small water stains (mainly affecting top edges), edges somewhat stained, first leaves with small marginal damages, a larger piece of the title's corner torn off (mended), front flyleaf with small rebacked damage, verso of last leaf with a faint stamped number. Binding slightly stained and rubbed. All in all a fine and well-preserved copy. Autographed ownership entry of Johannes Agricola on pastedown ("Exlibris M. Johannes Agricola") and on title ("Sum Johannis Agricola M.").

 


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