Auktion: 521 / Wertvolle Bücher am 29.11.2021 in Hamburg Lot 421000334

 
421000334
Manuskripte
Missale. Lateinische Pergamenthandschrift, um 1470.
Schätzpreis: € 10.000
+
Objektbeschreibung
Ikonographisch interessant

Missale
Manuale Sacerdotum. Lateinische Pergamenthandschrift auf Pergament. Süddeutschland (vermutlich Regensburg), zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts.

- Vollständiges Handbuch für die Messe, wohl zum Gebrauch im Bistum Regensburg
- Wohlerhaltenes Manuskript in einem zeitgenössischen Klostereinband
- Mit bemerkenswertem Kanonbild in kräftiger Farbigkeit
- Aus der Sammlung F. G. J. von Bülow


Dekoratives Priestermanuale mit einigen Zusätzen, einem Register zu Beginn sowie Provenienzhinweisen. Von besonderer Bedeutung ist die schöne Miniaturmalerei auf Bl. 4 verso mit der Darstellung des Gekreuzigten und Maria und Johannes unter dem Kreuz (Kanonbild), ein ergreifendes Stück echter Volkskunst, das bereits die besten Leistungen der deutschen Holzschnittmeister vorausahnen läßt. Der Leib Jesu und das von Schmerzen gezeichnete Haupt sind vom Miniator noch rein malerisch gesehen, während die beiden monumentalen Figuren der Jungfrau Maria und des Jüngers Johannes, in blauer bzw. roter faltenreicher Gewandung, vorwiegend linear dargestellt sind (vgl. die frühen Holzschnittbilder bei Heitz/Schreiber). Ikonographisch bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Darstellung weder einen Rahmen noch einen Hintergrund aufweist. Die Figuren erscheinen dadurch freigestellt, die Abgrenzung zum Textraum ist allein durch die Bildlichkeit gegeben.
Einen Hinweis auf Regensburg gibt die auf dem letzten Blatt hinzugefügte "Missa de scto Wolfgango". Der Hl. Wolfgang war Bischof von Regensburg und Reformator der Regensburger Benediktinerklöster. Auch der Einband, insbesondere der Einhornstempel, verweist auf eine Klosterwerkstatt der Diözese Regensburg (vgl. Kyriß Nr. 29 und Taf. 65 und mehrere ähnliche Einhornstempel in der EBDB).

EINBAND: Weinrot gefärbter Schaflederband der Zeit über Holzdeckeln mit reicher Blindprägung: Rautengerank mit Voluten sowie zahlreiche Einzelstempel (Einhorn, Adler, Lilien, Blüten). 21 : 14 cm. - ILLUSTRATION: Mit 1 nahezu blattgroßem Kanonbild (Kreuzigung) in Deckfarbenmalerei. - KOLLATION: 68 Bll. Überwiegend Quaterniones, mit Reklamanten. Blattgröße 20 : 14,4 cm. Schriftspiegel ca. 15,5 : 10,8 cm. 24-27 Zeilen. Schwarze und rote Tinte, geschrieben in gleichmäßiger Textualis formata von zwei oder drei Händen, die Zusätze in Bastarda. Durchgehend rubriziert und mit roten Lombarden in verschiedenen Größen, die 8zeilige Te-igitur-Initiale in Blau. - ZUSTAND: Erstes Bl. oben mit kl. Eckabschnitt. Schließbeschläge entfernt. Für eine liturgische Gebrauchshandschrift sehr gut erhalten. - PROVENIENZ: Etwas späterer Besitzeintrag am Ende (Bl. 68r): "Fr(ater) Alexand(er) Rup(ert) ..". - Vord. festes Vorsatzbl. mit Besitzeintrag der Bibliotheca Büloviana: "Fol. 68. d. 11. April 1835. G. H. Schr. Bibl. Bülov. Beyern." Die Bibliothek des Regierungsrats Friedrich Gottlieb Julius von Bülow (1760-1831) befand sich im Schloß Beyernaumburg in Sachsen-Anhalt bei Sangershausen. Die Handschriften wurden 1836 im dritten Band des Auktionskatalogs von Georg H. Schäffer beschrieben. - Seit über 50 Jahren in norddeutschem Privatbesitz.

LITERATUR: Vgl. zum Kanonbild: Heitz/Schreiber, Christus am Kreuz, Kanonbilder der in Deutschland gedruckten Messbücher des 15. Jahrhunderts , Straßburg 1910.

Complete manual for the Mass, probably for use in the diocese of Regensburg. Well-preserved manuscript on vellum in a contemporary monastery binding, with remarkable miniature of the Crucifixion at the opening of the Canon. Contemp. red tinted sheep over wooden boards richly blindstamped with single stamps: unicorn, eagle, lily, blossom (for the unicorn cf. Kyriß pl. 65, workshop Regensburg). 68 leaves. - First leaf with small corner cutt off at top, fittings of the binding removed. Somewhat later ownership inscription "Fr(ater) Alexand(er) Rup(ert) .." - Finely preserved manuscript from the collection F. G. J. von Bülow (1760-1831), pen note on pastedown by H. G. Schäffer, editor of the auction catalogue from 1836.

 


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