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Georg Baselitz
Adler (Künstlerbuch mit 87 Adler-Aquarellen), 1977.
Künstlerbuch mit 87 Aquarellen mit Gouache, Öl ...
Schätzpreis: € 300.000 - 500.000
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Georg Baselitz
Adler (Künstlerbuch mit 87 Adler-Aquarellen), 1977.
Künstlerbuch mit 87 Aquarellen mit Gouache, Öl ...
Schätzpreis: € 300.000 - 500.000
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Georg Baselitz
1938 - 2026

Adler (Künstlerbuch mit 87 Adler-Aquarellen). 1977.
Künstlerbuch mit 87 Aquarellen mit Gouache, Öl und teils mit blauem Filzstift akzentuiert, auf den typografisch bedruckten Seiten des Auktionskataloges "Dokumentations-Bibliothek VI" von Kornfeld und Klipstein aus dem Jahr 1977, mit bemaltem Einband und Titelblatt.
Der bemalte Einband mit dem geritzten Titel "Adler". Im Original-Versandkarton mit den handschriftlichen Adressangaben des Künstlers "Baselitz / Schloss Derneburg / 3201 Derneburg". Unikat. Das gebundene Künstlerbuch: 27,5 x 19,5 x 1,7 cm (10,8 x 7,6 x 0,6 in).
[JS].

• Charakteristisch & singulär: "Adler" (1977) – ein einzigartiges künstlerisches Kompendium.
• 87 Adler "auf dem Kopf": umfassende und qualitativ herausragende Serie zu Baselitz' zentralem Bildmotiv der 1970er Jahre.
• Faszination "Adler": persönlich und ikonografisch aufgeladen.
• Radikal & revolutionär: Baselitz' "Adler" eingereiht in die Tradition der großen Meister der europäischen Avantgarde.
• Beste Provenienz: Geschenk des Künstlers an den wichtigen Baselitz-Sammler und Förderer der internationalen Nachkriegskunst Helmut Anton Krätz und seither im Besitz der Sammler-Familie
.

PROVENIENZ: Sammlung Helmut Anton und Margot Krätz, Frankfurt a. M. (1977 direkt vom Künstler als Geschenk erhalten).
Seither in Familienbesitz.

"Einige Motive und darunter auch gerade solche, die einen Bezug zur deutschen Geschichte herstellen, sind so stark mit bestimmten Bedeutungen verbunden, dass sich die Verknüpfung von Bezeichnendem und Bezeichnetem nicht auflösen lässt: 'Ein Adler ist ein Vogel wie eine Schwalbe', stellt Baselitz 1983 fest. 'Aber natürlich ist die Bedeutung nicht von ungefähr anders. Diese bestimmte Bedeutung haben wir dem Adler nicht gegeben. Die hatte er schon. Er ist Träger solcher Bedeutung. Nur, wie man sie benutzt, wie man mit solchen Dingen umgeht, das ist dann interessant. Und ob man sie überhaupt benutzt.'"
Cathrin Klingsöhr-Leroy, Franz Marc und Georg Baselitz. Vom Motiv zum Ornament, in: Georg Baselitz. Tierstücke: Nicht aus dieser Welt, München 2014, S. 16-17.

"Diese Vögel haben eine ausgeprägte Persönlichkeit, als Vehikel kann man ihnen schon einen Symbolwert aufladen – eher Prometheus, die Akte mit dem Flügel, dem Dreieck zwischen Arm und Rumpf."
Georg Baselitz im Gespräch mit Evelyn Weiss, in: Georg Baselitz, Gesammelte Schriften und Interviews, München 2011, S. 32.

Aufrufzeit: ca. 18.08 h +/- 20 Min.

"Adler": Ein singuläres Kompendium mit 87 "Adler"-Aquarellen
Der Adler ist eines der bekanntesten frühen Bildmotive im Werk von Georg Baselitz. Seit den frühen 1970er Jahren ist er das zentrale Zeichen seines Œuvres – archaisch, souverän, unverwechselbar. In leuchtendem Kobaltblau, in kühnem Pinselduktus, mit jener Mischung aus Urgewalt und malerischer Freiheit, die Baselitz' Adler von jedem anderen Bildzeichen der Nachkriegskunst unterscheidet. Ikonografisch aufgeladen, verdichtet sich im "Adler", der für Freiheit und Stärke steht, eine komplexe Symbolwelt, die von der Antike bis in die Gegenwart reicht, von der im Barock vielfach dargestellten dramatischen Geschichte von Prometheus bis hin in die politische Gegenwart mit dem Adler als deutschem Staatssymbol. Eine enorme Fülle von Bedeutungsebenen, die gewiss auch biografische Bezüge aufweist; noch als Student verlässt Baselitz Ende der 1950er Jahre die DDR, um seinen künstlerischen Weg in Westdeutschland fortzusetzen. Werke aus der Adler-Werkreihe gehören heute zu den teuersten und gefragtesten Positionen des Künstlers. Einzelne Aquarelle dieser Werkgruppe erzielen hohe fünfstellige Beträge, großformatige Adler-Gemälde wechseln für mehrere Millionen Euro die Hand.
Was 1977 mit dem vorliegenden Künstlerbuch "Adler" entsteht, ist nochmal etwas anderes – etwas Größeres. Nicht ein Aquarell. Nicht eine Handvoll. 87 Aquarelle auf einmal, entstanden in einem einzigen konzertierten künstlerischen Akt, eine geschlossene Serie, ein sich motivisch von Blatt zu Blatt fortentwickelnder kreativer Prozess, der sich in seiner Gesamtheit zu einem einzigartigen künstlerischen Gesamtkunstwerk verbindet: 87 Adler-Blätter, jedes davon ein spontan und meisterlich ausgeführtes Original, teils in leuchtend blauer Aquarellfarbe, teils zweifarbig mit Gouache und teils zusätzlich mit blauem Filzstift akzentuiert, jedes einzigartig und von besonderer Qualität. Allesamt entstammen sie der Hochphase von Baselitz' internationalem Durchbruch und sind von einer bestechenden zeichnerischen Spontanität und Meisterschaft. Ein solches Kompendium – in Qualität, Zahl und konzeptueller Geschlossenheit – existiert in Baselitz' Œuvre vermutlich kein zweites Mal.

Der Adler "auf dem Kopf": Baselitz' künstlerisches Markenzeichen über Expressionismus, Dada und Konstruktivismus
Aber nicht nur die außergewöhnliche Fülle an Aquarellen macht dieses Künstlerbuch außergewöhnlich. Es ist der Träger, auf dem Baselitz gemalt hat. Kornfeld und Klipstein bot 1977 zum sechsten und letzten Mal seine legendäre "Dokumentationsbibliothek zur Kunst des 20. Jahrhunderts" zur Versteigerung an – eine Auktionsreihe, die seit 1957 als Pionierleistung der Avantgarde-Bibliografie galt und von Hans Bolliger, dem führenden Kenner der Materie, wissenschaftlich erarbeitet wurde. Vorgängerauktionen dieser Reihe enthielten unter anderem Teile der Bibliothek des dadaistischen Rebellen Tristan Tzara. Der Katalog aus dem Jahr 1977 ist der umfangreichen Kunstbibliothek von Helmut Anton Krätz gewidmet, die mit viel Kennerschaft und Begeisterung für die zentralen Positionen wie auch revolutionären Strömungen der Moderne zusammengetragen wurde und hochrangige illustrierte Bücher des Surrealismus, des Dadaismus und der europäischen Avantgarde umfasste: Erstausgaben und bibliophile Raritäten mit Texten und Grafiken von Wassily Kandinskys berühmtem Almanach "Der Blaue Reiter" (1912) bis hin zu bedeutenden Publikationen des Futurismus, des Dadaimus und des Konstruktivismus. Dieser Katalog vereint als eine Art enzyklopädische Gesamtschau das gesammelte Wissen über die europäische Avantgarde und die bedeutendsten künstlerischen Bestrebungen der ersten Jahrhunderthälfte. Auf jeder dieser Seiten erscheint nun Baselitz' Adler: "Adler über Duchamp", "Adler über Kandinsky", "Adler über Kirchner". Baselitz' Adler-Zeichen, das die Nachkriegskunst prägte, tritt auf diese Weise in den Dialog mit den großen Meistern der europäischen Avantgarde. Jede Seite hat durch den gedruckten Text und die Schwarz-Weiß-Abbildungen darunter ihren ganz eigenen Klang, gemeinsam ist ihnen jedoch die kunsthistorische Dimension, die Baselitz auf diese Weise auch hier klar als die alles entscheidende Basis seines eigenen, kunsthistorisch heute ebenso bedeutenden Schaffens zu definieren weiß. Ohne all diese radikalen und mutigen Positionen der Moderne wäre Baselitz' freie, alle Konventionen "auf den Kopf" stellende Malerei nicht möglich gewesen. "Adler" ist somit nicht allein als hoch persönliche Huldigung seines äußerst kennerschaftlichen Förderers und Sammlers Helmut Anton Krätz zu verstehen, der unter anderem mit zahlreichen Werken von Baselitz bis zu seinem Tod eine beeindruckende Sammlung zentraler Positionen zeitgenössischer Kunst zusammengetragen hat, sondern auch als eine Hommage an die Urväter der Moderne, an jene radikalen und unangepassten Neuerer, unverwechselbare Künstlerpersönlichkeiten, die Baselitz als die alles entscheidende Basis seines eigenen revolutionären Schaffens begreift.
Abbildung zu: Georg Baselitz, Adler, 1977, Öl auf Leinwand, Städel Museum, Frankfurt a. Main. © Georg Baselitz 2026

Georg Baselitz, Adler, 1977, Öl auf Leinwand, Städel Museum, Frankfurt a. Main. © Georg Baselitz 2026

Baselitz und die Sammlung Krätz: Für wen malte Baselitz 87 Adler?
Helmut Anton Krätz gehörte in den 1960er und 1970er Jahren gemeinsam mit seiner Frau Margot zu den bedeutendsten und weitsichtigsten Sammlern zeitgenössischer Kunst. Er erkannte früh, was andere noch nicht sahen. In einer Zeit, in der Baselitz, Richter und Polke noch kaum auf dem internationalen Radar waren, erwarb das Ehepaar Krätz bereits Hauptwerke. Die Sotheby’s-Kataloge für die Verkaufsauktionen der Sammlung 1991 und 1999 in New York lesen sich wie ein "Who's who" der Nachkriegskunst: Gerhard Richters "Mustang-Staffel" (1964) – heute in der Galerie Neue Meister im Albertinum in Dresden, Baselitz' "Ludwig Richter auf dem Weg zur Arbeit" (1965) – heute im San Francisco Museum of Modern Art, oder Baselitz` Gemälde "Schlafzimmer" (1975) und daneben bedeutende Werke von Sigmar Polke, A. R. Penck, Blinky Palermo, Joseph Beuys, Dan Flavin, Sol LeWitt, Andy Warhol und Joseph Kosuth. Krätz war nicht nur Sammler – er war ein enger Vertrauter und interessierter Förderer vieler Künstler. Zu Baselitz pflegte er eine enge persönliche Beziehung; 1975 mietete die Familie Krätz sogar eine Wohnung in Baselitz' Schloss Derneburg an, das heute wiederum die international renommierte Hall Art Foundation beherbergt. Der plötzliche Tod von Krätz im Jahr 1978, im Alter von erst 47 Jahren, ein Jahr nach Entstehung des vorliegenden Werkes, setzte dieser intensiven Freundschaft ein Ende. Krätz hinterließ eine der wichtigsten Baselitz-Sammlungen, die je zusammengetragen wurde.
Abbildung zu: Comtemporary Art from the Kraetz Collection, Sotheby’s, New York, 13./14. November 1991, Cover: Schlafzimmer, 1975, Öl und Kohle auf Leinwand, Privatsammlung. © Georg Baselitz 2026

Comtemporary Art from the Kraetz Collection, Sotheby’s, New York, 13./14. November 1991, Cover: Schlafzimmer, 1975, Öl und Kohle auf Leinwand, Privatsammlung. © Georg Baselitz 2026

Das faszinierende Aquarell-Kompendium "Adler" steht in diesem Kontext: Baselitz gestaltete ein einzigartiges Künstlerbuch auf der Basis des Auktionskataloges, welcher der herausragenden Kunstbibliothek seines engen Freundes und Sammlers Helmut Anton Krätz gewidmet war und als ein fesselndes Zeugnis seiner außerordentlichen Liebe zur Kunst und seiner intensiven Kennerschaft fungiert. Baselitz übersandte das Buch persönlich an Krätz. Das Cover bemalte er deckend mit Gouache und ritzte in die noch nasse Farbe das Wort "Adler" – Titel und Signatur zugleich. Die Originalversandverpackung ist vollständig erhalten und mit handschriftlichen Angaben von Baselitz selbst versehen, sie bezeugt noch heute die Unmittelbarkeit dieser besonderen freundschaftlichen Geste: ein herausragendes und einzigartiges Kunstobjekt, das malerisches Zeichen und Schrift, Tradition und Moderne, Kunstgeschichte und kreativen Schöpfungsakt mit einer herausragenden Provenienz und persönlicher Geschichte vereint.
Abbildung zu: Georg Baselitz in seinem Atelier, Schloß Derneburg, 1983, Foto: © Daniel Blau 2026

Georg Baselitz in seinem Atelier, Schloß Derneburg, 1983, Foto: © Daniel Blau 2026

Lückenlose Provenienz. Vom Atelier bis heute
Seit seiner Entstehung im Jahr 1977 befand sich "Adler" zunächst im persönlichen Besitz von Helmut Anton Krätz und ging nach seinem Tod in Familienbesitz über. Auch als Teile der übrigen Sammlung im Jahr 1991 und erneut 1999 bei Sotheby's in New York versteigert wurden und spektakuläre Ergebnisse erzielten, verblieb das die Kennerschaft des Sammlers mit der Meisterschaft des Künstlerfreundes verknüpfende Aquarellbuch "Adler" weiterhin in der Familie – zu persönlich, zu einzigartig, um es loszulassen. Fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung ist dieses fesselnde Gesamtkunstwerk nun im Rahmen unserer großen Jubiläumsauktion erstmals öffentlich zu sehen. [JS]




Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Georg Baselitz "Adler (Künstlerbuch mit 87 Adler-Aquarellen)"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

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Zuschlagspreis bis 1.000.000 Euro: hieraus Aufgeld 34 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 1.000.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 29 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 1.000.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 4.000.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 22 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 4.000.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 1.000.000 Euro: hieraus Aufgeld 29 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 1.000.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 23 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 1.000.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 4.000.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 4.000.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer von 7 % erhoben.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.


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