Auktion: 605 / Day Sale am 13.06.2026 in München → Lot 126000061
126000061
Friedrich Vordemberge-Gildewart
Konstruktion No. 3 (K 3), 1924.
Collage mit Öl, Bleistift, Papier und Holz auf ...
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000061
Friedrich Vordemberge-Gildewart
Konstruktion No. 3 (K 3), 1924.
Collage mit Öl, Bleistift, Papier und Holz auf ...
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Friedrich Vordemberge-Gildewart
1899 - 1962
Konstruktion No. 3 (K 3). 1924.
Collage mit Öl, Bleistift, Papier und Holz auf Papier.
Links unten monogrammiert und datiert. Verso mit dem Künstleretikett. Mit dem originalen Künstlerrahmen: 74 x 62 cm (29,1 x 24,4 in).
In seinem Atelierbuch vermerkt der Künstler "Collage geklebt mit Maser im Goldrahmen und breitem schwarzen Rand". [CH].
• In einer absoluten Vorreiterrolle innerhalb der bildenden Kunst seiner Zeit gilt Vordemberge-Gildewart heute als einer der führenden abstrakten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts.
• Besonders frühe Rarität: Die wegweisenden Konstruktionen und frühen Kompositionen Vordemberge-Gildewarts sind auf dem internationalen Auktionsmarkt nur sehr selten zu finden.
• Im Entstehungsjahr kann Vordemberge-Gildewart seine Werke erstmals der Öffentlichkeit präsentieren (Gruppe K, Kestner Gesellschaft, Hannover).
• Seit 40 Jahren Teil einer süddeutschen Privatsammlung.
• Vergleichbare Werke befinden sich heute u. a. im Sprengel Museum, Hannover, im Centre Pompidou, Paris, in der Londoner Tate und im Museum of Modern Art, New York.
• Zuletzt wird sein Schaffen u. a. in der umfassenden Ausstellung "KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordemberge-Gildewart" im Museum Wiesbaden geehrt (2025/26).
Das Werk ist im Online-Werkverzeichnis der Stiftung Vordemberge-Gildewart registriert: https://vordemberge-gildewart.eu/the-new-oeuvre/catalogue/paintings/k-3/.
Wir danken Dr. Arta Valstar-Verhoff, Stiftung Vordemberge-Gildewart (CH), für die freundliche wissenschaftliche Beratung.
PROVENIENZ: Nelly und Theo van Doesburg, Meudon (direkt vom Künstler).
Nachlass Nelly van Doesburg (1899-1975) / Wies Leering-Van Moorsel.
Sammlung Ilse Leda-Vordemberge (1906-1981), Rapperswil (von der Vorgenannten).
Nachlass des Künstlers / Stiftung Vordemberge-Gildewart, Rapperswil.
Annely Juda Fine Art, London (verso mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Süddeutschland (1985 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Gruppe K, Kestner-Gesellschaft, Hannover, Mai 1924 (o. Kat., verso mit dem Ausstellungsetikett).
Gruppe K, Sonnenhof, Bad Harzburg, 1924 (o. Kat., verso mit einem Fragment des handschriftl. bez. Ausstellungsetiketts).
Gruppe K, Carl-Heinz Kroll, Max Olderrock - Gesamtschau (Hundertvierundvierzigste Ausstellung), Galerie Der Sturm, Sept. 1925, Kat.-Nr. 3 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
L’Art d’Aujourd’hui. Exposition Internationale: Salles du syndicat négociants en objets d’art, Paris, 30.11.-21.12.1925, Kat.-Nr. 236.
Stedelijk van Abbe Museum, Eindhoven (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Camille Graeser, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Franz Danksin, Kunsthalle Basel, 18.3.-23.4.1967, Kat.-Nr. 65 (m. Abb., verso mit dem Ausstellungsetikett).
Vordemberge-Gildewart Remembered, Annely Juda Fine Art, London, 4.7.-14.9.1974, S. 11 (m. Abb.).
Collages and Reliefs 1910-1945, Annely Juda Fine Art, London, 30.6.-2.10.1982; La Boetie Inc., New York, 23.10.-31.12.1982, Kat.-Nr. 69 (m. Abb., S. 70).
The 1st Russian Show. A Commemoration of the Van Diemen Exhibition - Berlin - 1922, Annely Juda Fine Art, London, 15.9.-3.12.1983, Kat.-Nr. 108 (m. Abb., S. 174, verso mit dem Ausstellungsetikett).
LITERATUR: Hans L. C. Jaffé, Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk, Köln 1971, WVZ-Nr. 5 (m. Abb.).
Dietrich Helms, Arta Valstar-Verhoff, Friedrich Vordemberge-Gildewart. The Complete Works, München 1990, WVZ-Nr. K3 (m. SW-Abb.).
- -
Richard P. Lohse (Hrsg.), Vordemberge-Gildewart. Eine Bild-Biographie, Teufen (CH) 1959, S. 7 (m. Abb., Nr. 7).
Willy Rotzler, Vordemberge-Gildewart (Reihe: Künstler unserer Zeit), Bd. 21, St. Gallen 1979, S. 35 (m. Abb.).
"Gestalten! Und nicht malen, modellieren, schwätzen oder dösen. Gestalten! Als heutiger Mensch. Ohne Rücksicht auf Großväter und Zukunft."
Friedrich Vordemberge-Gildewart, zit. nach: Ausst.-Kat. KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordemberge-Gildewart, Museum Wiesbaden, Berlin 2026, S. 24.
1899 - 1962
Konstruktion No. 3 (K 3). 1924.
Collage mit Öl, Bleistift, Papier und Holz auf Papier.
Links unten monogrammiert und datiert. Verso mit dem Künstleretikett. Mit dem originalen Künstlerrahmen: 74 x 62 cm (29,1 x 24,4 in).
In seinem Atelierbuch vermerkt der Künstler "Collage geklebt mit Maser im Goldrahmen und breitem schwarzen Rand". [CH].
• In einer absoluten Vorreiterrolle innerhalb der bildenden Kunst seiner Zeit gilt Vordemberge-Gildewart heute als einer der führenden abstrakten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts.
• Besonders frühe Rarität: Die wegweisenden Konstruktionen und frühen Kompositionen Vordemberge-Gildewarts sind auf dem internationalen Auktionsmarkt nur sehr selten zu finden.
• Im Entstehungsjahr kann Vordemberge-Gildewart seine Werke erstmals der Öffentlichkeit präsentieren (Gruppe K, Kestner Gesellschaft, Hannover).
• Seit 40 Jahren Teil einer süddeutschen Privatsammlung.
• Vergleichbare Werke befinden sich heute u. a. im Sprengel Museum, Hannover, im Centre Pompidou, Paris, in der Londoner Tate und im Museum of Modern Art, New York.
• Zuletzt wird sein Schaffen u. a. in der umfassenden Ausstellung "KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordemberge-Gildewart" im Museum Wiesbaden geehrt (2025/26).
Das Werk ist im Online-Werkverzeichnis der Stiftung Vordemberge-Gildewart registriert: https://vordemberge-gildewart.eu/the-new-oeuvre/catalogue/paintings/k-3/.
Wir danken Dr. Arta Valstar-Verhoff, Stiftung Vordemberge-Gildewart (CH), für die freundliche wissenschaftliche Beratung.
PROVENIENZ: Nelly und Theo van Doesburg, Meudon (direkt vom Künstler).
Nachlass Nelly van Doesburg (1899-1975) / Wies Leering-Van Moorsel.
Sammlung Ilse Leda-Vordemberge (1906-1981), Rapperswil (von der Vorgenannten).
Nachlass des Künstlers / Stiftung Vordemberge-Gildewart, Rapperswil.
Annely Juda Fine Art, London (verso mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Süddeutschland (1985 vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Gruppe K, Kestner-Gesellschaft, Hannover, Mai 1924 (o. Kat., verso mit dem Ausstellungsetikett).
Gruppe K, Sonnenhof, Bad Harzburg, 1924 (o. Kat., verso mit einem Fragment des handschriftl. bez. Ausstellungsetiketts).
Gruppe K, Carl-Heinz Kroll, Max Olderrock - Gesamtschau (Hundertvierundvierzigste Ausstellung), Galerie Der Sturm, Sept. 1925, Kat.-Nr. 3 (verso mit dem Ausstellungsetikett).
L’Art d’Aujourd’hui. Exposition Internationale: Salles du syndicat négociants en objets d’art, Paris, 30.11.-21.12.1925, Kat.-Nr. 236.
Stedelijk van Abbe Museum, Eindhoven (verso mit dem Ausstellungsetikett).
Camille Graeser, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Franz Danksin, Kunsthalle Basel, 18.3.-23.4.1967, Kat.-Nr. 65 (m. Abb., verso mit dem Ausstellungsetikett).
Vordemberge-Gildewart Remembered, Annely Juda Fine Art, London, 4.7.-14.9.1974, S. 11 (m. Abb.).
Collages and Reliefs 1910-1945, Annely Juda Fine Art, London, 30.6.-2.10.1982; La Boetie Inc., New York, 23.10.-31.12.1982, Kat.-Nr. 69 (m. Abb., S. 70).
The 1st Russian Show. A Commemoration of the Van Diemen Exhibition - Berlin - 1922, Annely Juda Fine Art, London, 15.9.-3.12.1983, Kat.-Nr. 108 (m. Abb., S. 174, verso mit dem Ausstellungsetikett).
LITERATUR: Hans L. C. Jaffé, Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk, Köln 1971, WVZ-Nr. 5 (m. Abb.).
Dietrich Helms, Arta Valstar-Verhoff, Friedrich Vordemberge-Gildewart. The Complete Works, München 1990, WVZ-Nr. K3 (m. SW-Abb.).
- -
Richard P. Lohse (Hrsg.), Vordemberge-Gildewart. Eine Bild-Biographie, Teufen (CH) 1959, S. 7 (m. Abb., Nr. 7).
Willy Rotzler, Vordemberge-Gildewart (Reihe: Künstler unserer Zeit), Bd. 21, St. Gallen 1979, S. 35 (m. Abb.).
"Gestalten! Und nicht malen, modellieren, schwätzen oder dösen. Gestalten! Als heutiger Mensch. Ohne Rücksicht auf Großväter und Zukunft."
Friedrich Vordemberge-Gildewart, zit. nach: Ausst.-Kat. KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordemberge-Gildewart, Museum Wiesbaden, Berlin 2026, S. 24.
Das Bild als Waage
"Jede Komposition der 223 Gemälde des Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildewart ist ein Balanceakt", erklärt Roman Zieglgänsberger im Katalog zu der viel besprochenen Ausstellung, die im Museum Wiesbaden bis Februar dieses Jahres zu bestaunen war (Ausst.-Kat. KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordemberge-Gildewart, Berlin 2026, S. 19).
Aus unterschiedlichen geometrischen Formen und freien Flächen baut Vordemberge-Gildewart perfekt austarierte Kompositionen bzw. "Konstruktionen", die in Anordnung und Proportion ideal zusammengesetzt sind. "[Wir haben] bei Vordemberge-Gildewart eine Bildfläche, die zunächst asymmetrisch unterteilt wirkt, dann aber vom Künstler so geschickt gestaltet wurde, dass am Ende ein in der Schwebe befindliches harmonisches Gleichgewicht entsteht." (Roman Zieglgänsberger, ebd., S. 21)
In den frühen 1920er Jahren überschreiten die Arbeiten des Künstlers die Grenze zur reinen Abstraktion, enthalten keinerlei Verweise auf die gegenständliche Wirklichkeit. Stattdessen spielen seine Arbeiten mithilfe abstrakter Formen mit Gleichgewicht und Ungleichgewicht und erheben die ihnen inhärente Balance zum eigentlichen künstlerischen Thema: Die perfekte Konstruktion wird Bildmotiv.
Als Mitglied der Künstlergruppe "De Stijl" erkennt Vordemberge-Gildewart das damalige "neue Zeitbewusstsein" (De-Stijl-Manifest), in dem der "Gegenstand […] überhaupt nicht […] existiert." (Friedrich Vordemberge-Gildewart, Der Gegenstand, 1933, zit. nach: ebd., S. 23)
Vom Handwerk zur Kunst
Als Sohn eines Schreinermeisters absolviert der junge Vordemberge zunächst eine Ausbildung zum Schreiner, erlernt eine Vielzahl technischer Fähigkeiten, detailgenaues Zeichnen, Proportion, den Umgang mit verschiedensten Hölzern, und fertigt Entwürfe und komplizierte Einlegearbeiten, bevor er 1919 ein Studium der Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule Hannover beginnt. Zeichnungen und Entwürfe belegen, dass er in diesen Jahren bereits eine gewisse geometrisierend-abstrakte Formensprache entwickeln kann. Die Kunst Vordemberge-Gildewarts entwickelt sich aus dem Handwerk: Seine handwerklichen Fähigkeiten bilden den Grundstein seines gesamten künstlerischen Schaffens. Ab 1920 gibt sich der aufstrebende Künstler den Namen "Vordemberge-Gildewart", um sich von seinem gleichnamigen Cousin abzugrenzen, der ebenfalls als bildender Künstler tätig ist. Der neue Name geht mit dem Entschluss einher, eine künstlerische Laufbahn einschlagen zu wollen – er stiftet Identität und bezeugt die frühe Unabhängigkeit des jungen V-G, wie er fortan später genannt wird.
1924: "Eine Zeit großer Ereignisse" (V-G)
In Hannover herrscht in der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg Aufbruchstimmung. Zeitgenössischen künstlerischen Strömungen steht man hier sehr offen gegenüber, in der äußerst lebendigen Kunstszene herrscht ein kreatives Klima, und die Stadt wird allmählich zu einem Zentrum avantgardistischer Strömungen. Kurt Schwitters und El Lissitzky leben und arbeiten in Hannover und die 1916 gegründete Kestner-Gesellschaft macht durch zahlreiche progressive Ausstellungen auf sich aufmerksam. V-G beschäftigt sich nun intensiv mit der zeitgenössischen Avantgarde. Er unterhält sehr freundschaftliche Beziehungen zu Nelly und Theo van Doesburg, in deren Sammlung sich die hier angebotene Arbeit lange Zeit befindet, und über die V-G wiederum zu der niederländischen De-Stijl-Bewegung um Piet Mondrian gelangt. Über El Lissitzky lernt er u. a. den russischen Suprematismus um Kasimir Malewitsch kennen. Mit großem Interesse verfolgt er das Schaffen der Bauhaus-Künstler, insbesondere von Johannes Itten und Wassily Kandinsky, und hegt enge Freundschaften mit László Moholy-Nagy und Kurt Schwitters.
Ab 1923 entstehen seine zunächst reliefartigen Konstruktionen (abgekürzt "K" und fortlaufend durchnummeriert) aus verschiedenen Materialien, darunter Holz, Papier/Karton und Ölfarbe. Später integriert V-G nur noch einzelne, meist geometrisch geformte Holzfragmente oder schmale Leisten, ab etwa 1930 entstehen die "Konstruktionen" als reine Malerei in Öl auf Leinwand.
In seiner Schrift "Gruppe K", schreibt Vordemberge-Gildewart damals mit progressivem künstlerischem Tatendrang: "Gestalten! Und nicht malen, modellieren, schwätzen oder dösen. Gestalten! Als heutiger Mensch. Ohne Rücksicht auf Großväter und Zukunft." (Zit. nach: ebd., S. 24)
Bereits mit seinen ersten Arbeiten katapultiert sich V-G mitten hinein in das Geschehen der deutschen Avantgarde. "Andere Künstler kämpfen sich durch die Versuchsstadien eines ganzen Frühwerks. Nichts so Vordemberge-Gildewart. […] Vordemberge-Gildewart ist sofort V-G: Hannover erlebt den kometenhaften Aufstieg eines Künstlers, der seine einmal gefundene Bildsprache beibehalten, das qualitative Niveau unbeschadet aller Veränderungen halten wird." (Stefan Lüddemann, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Köln 2024, S. 25)
Das Jahr 1924, das Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit, ist laut V-G "eine Zeit großer Ereignisse" (zit. nach: Ausst.-Kat. KörperGeometrie, Wiesbaden, 2026, S. 132).
1924 übernimmt der junge Künstler El Lissitzkys von der Kestner-Gesellschaft zur Verfügung gestelltes Atelier, gründet gemeinsam mit Hans Nitzschke die Künstlergruppe "Gruppe K", knüpft Kontakte mit Kurt Schwitters und Hans Arp und präsentiert seine Arbeiten in zwei Gemeinschaftsausstellungen der Künstlergruppe erstmals der Öffentlichkeit. Auch "K 3" ist im Entstehungsjahr bereits Teil der so wichtigen ersten Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft, Hannover, für die V-G auch den begleitenden Katalog gestaltet.
Schlüsselwerk "K 3": Vordemberge-Gildewart innerhalb der internationalen Avantgarde
Zum einen dokumentiert "K 3" die enorme künstlerische Leistung, die in den Nachkriegsjahren von der geometrisch arbeitenden Avantgarde erarbeitet wurde: "die revolutionäre Idee, das formal-konstruktive Gerüst endlich als eigenes Thema nicht nur zuzulassen, sondern zur alleinigen und alles im Bild tragenden Hauptaufgabe einer freien künstlerischen Arbeit zu erklären" (Roman Zieglgänsberger, zit. nach: ebd., S. 20).
Im Œuvre V-Gs ist "K 3" aber vor allem ein Schlüsselwerk, dem in der Formierung seiner präzisen Bildsprache und damit auch in seiner Selbstfindung als Künstler eine bedeutende Rolle zuteil wird.
Mit klarer Gestaltung, präzise gesetzten und aufeinander abgestimmten, unterschiedlichen Formen aus Holz, verschiedenen Papieren und farbigem Akzent visualisiert die Arbeit die künstlerische DNA Vordemberge-Gildewarts, die zentralen Gestaltungsprinzipien seiner Kunst, mit denen er einen wichtigen Beitrag innerhalb der europäischen Avantgarde leistet.
Vordemberge-Gildewarts wichtige frühe Arbeiten der 1920er Jahre befinden sich heute weltweit in bedeutenden musealen Sammlungen, darunter – in Auswahl – das Kunstmuseum, Den Haag ("K 5" und "K 31"), das Sprengel Museum, Hannover ("K 6" und "K 19"), das Kunsthaus Zürich ("K 7"), die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin ("K 8"), die Scottish National Gallery, Edinburgh ("K 14"), die Tate Gallery, London ("K 15"), die Kunsthalle Bremen ("K 18"), das Museum of Modern Art, New York ("K 23" und "K 37"), das Musée National d’Art Moderne / Centre George Pompidou, Paris ("K 24"), die Pinakothek der Moderne, Bayrische Staatsgemäldesammlungen, München ("K 25"), die Kunstmuseen Krefeld ("K 28"), die Hamburger Kunsthalle ("K 29") und das Museum Wiesbaden ("K 35"). [CH]
"Jede Komposition der 223 Gemälde des Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildewart ist ein Balanceakt", erklärt Roman Zieglgänsberger im Katalog zu der viel besprochenen Ausstellung, die im Museum Wiesbaden bis Februar dieses Jahres zu bestaunen war (Ausst.-Kat. KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordemberge-Gildewart, Berlin 2026, S. 19).
Aus unterschiedlichen geometrischen Formen und freien Flächen baut Vordemberge-Gildewart perfekt austarierte Kompositionen bzw. "Konstruktionen", die in Anordnung und Proportion ideal zusammengesetzt sind. "[Wir haben] bei Vordemberge-Gildewart eine Bildfläche, die zunächst asymmetrisch unterteilt wirkt, dann aber vom Künstler so geschickt gestaltet wurde, dass am Ende ein in der Schwebe befindliches harmonisches Gleichgewicht entsteht." (Roman Zieglgänsberger, ebd., S. 21)
In den frühen 1920er Jahren überschreiten die Arbeiten des Künstlers die Grenze zur reinen Abstraktion, enthalten keinerlei Verweise auf die gegenständliche Wirklichkeit. Stattdessen spielen seine Arbeiten mithilfe abstrakter Formen mit Gleichgewicht und Ungleichgewicht und erheben die ihnen inhärente Balance zum eigentlichen künstlerischen Thema: Die perfekte Konstruktion wird Bildmotiv.
Als Mitglied der Künstlergruppe "De Stijl" erkennt Vordemberge-Gildewart das damalige "neue Zeitbewusstsein" (De-Stijl-Manifest), in dem der "Gegenstand […] überhaupt nicht […] existiert." (Friedrich Vordemberge-Gildewart, Der Gegenstand, 1933, zit. nach: ebd., S. 23)
Vom Handwerk zur Kunst
Als Sohn eines Schreinermeisters absolviert der junge Vordemberge zunächst eine Ausbildung zum Schreiner, erlernt eine Vielzahl technischer Fähigkeiten, detailgenaues Zeichnen, Proportion, den Umgang mit verschiedensten Hölzern, und fertigt Entwürfe und komplizierte Einlegearbeiten, bevor er 1919 ein Studium der Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule Hannover beginnt. Zeichnungen und Entwürfe belegen, dass er in diesen Jahren bereits eine gewisse geometrisierend-abstrakte Formensprache entwickeln kann. Die Kunst Vordemberge-Gildewarts entwickelt sich aus dem Handwerk: Seine handwerklichen Fähigkeiten bilden den Grundstein seines gesamten künstlerischen Schaffens. Ab 1920 gibt sich der aufstrebende Künstler den Namen "Vordemberge-Gildewart", um sich von seinem gleichnamigen Cousin abzugrenzen, der ebenfalls als bildender Künstler tätig ist. Der neue Name geht mit dem Entschluss einher, eine künstlerische Laufbahn einschlagen zu wollen – er stiftet Identität und bezeugt die frühe Unabhängigkeit des jungen V-G, wie er fortan später genannt wird.
1924: "Eine Zeit großer Ereignisse" (V-G)
In Hannover herrscht in der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg Aufbruchstimmung. Zeitgenössischen künstlerischen Strömungen steht man hier sehr offen gegenüber, in der äußerst lebendigen Kunstszene herrscht ein kreatives Klima, und die Stadt wird allmählich zu einem Zentrum avantgardistischer Strömungen. Kurt Schwitters und El Lissitzky leben und arbeiten in Hannover und die 1916 gegründete Kestner-Gesellschaft macht durch zahlreiche progressive Ausstellungen auf sich aufmerksam. V-G beschäftigt sich nun intensiv mit der zeitgenössischen Avantgarde. Er unterhält sehr freundschaftliche Beziehungen zu Nelly und Theo van Doesburg, in deren Sammlung sich die hier angebotene Arbeit lange Zeit befindet, und über die V-G wiederum zu der niederländischen De-Stijl-Bewegung um Piet Mondrian gelangt. Über El Lissitzky lernt er u. a. den russischen Suprematismus um Kasimir Malewitsch kennen. Mit großem Interesse verfolgt er das Schaffen der Bauhaus-Künstler, insbesondere von Johannes Itten und Wassily Kandinsky, und hegt enge Freundschaften mit László Moholy-Nagy und Kurt Schwitters.
Ab 1923 entstehen seine zunächst reliefartigen Konstruktionen (abgekürzt "K" und fortlaufend durchnummeriert) aus verschiedenen Materialien, darunter Holz, Papier/Karton und Ölfarbe. Später integriert V-G nur noch einzelne, meist geometrisch geformte Holzfragmente oder schmale Leisten, ab etwa 1930 entstehen die "Konstruktionen" als reine Malerei in Öl auf Leinwand.
In seiner Schrift "Gruppe K", schreibt Vordemberge-Gildewart damals mit progressivem künstlerischem Tatendrang: "Gestalten! Und nicht malen, modellieren, schwätzen oder dösen. Gestalten! Als heutiger Mensch. Ohne Rücksicht auf Großväter und Zukunft." (Zit. nach: ebd., S. 24)
Bereits mit seinen ersten Arbeiten katapultiert sich V-G mitten hinein in das Geschehen der deutschen Avantgarde. "Andere Künstler kämpfen sich durch die Versuchsstadien eines ganzen Frühwerks. Nichts so Vordemberge-Gildewart. […] Vordemberge-Gildewart ist sofort V-G: Hannover erlebt den kometenhaften Aufstieg eines Künstlers, der seine einmal gefundene Bildsprache beibehalten, das qualitative Niveau unbeschadet aller Veränderungen halten wird." (Stefan Lüddemann, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Köln 2024, S. 25)
Das Jahr 1924, das Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit, ist laut V-G "eine Zeit großer Ereignisse" (zit. nach: Ausst.-Kat. KörperGeometrie, Wiesbaden, 2026, S. 132).
1924 übernimmt der junge Künstler El Lissitzkys von der Kestner-Gesellschaft zur Verfügung gestelltes Atelier, gründet gemeinsam mit Hans Nitzschke die Künstlergruppe "Gruppe K", knüpft Kontakte mit Kurt Schwitters und Hans Arp und präsentiert seine Arbeiten in zwei Gemeinschaftsausstellungen der Künstlergruppe erstmals der Öffentlichkeit. Auch "K 3" ist im Entstehungsjahr bereits Teil der so wichtigen ersten Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft, Hannover, für die V-G auch den begleitenden Katalog gestaltet.
Schlüsselwerk "K 3": Vordemberge-Gildewart innerhalb der internationalen Avantgarde
Zum einen dokumentiert "K 3" die enorme künstlerische Leistung, die in den Nachkriegsjahren von der geometrisch arbeitenden Avantgarde erarbeitet wurde: "die revolutionäre Idee, das formal-konstruktive Gerüst endlich als eigenes Thema nicht nur zuzulassen, sondern zur alleinigen und alles im Bild tragenden Hauptaufgabe einer freien künstlerischen Arbeit zu erklären" (Roman Zieglgänsberger, zit. nach: ebd., S. 20).
Im Œuvre V-Gs ist "K 3" aber vor allem ein Schlüsselwerk, dem in der Formierung seiner präzisen Bildsprache und damit auch in seiner Selbstfindung als Künstler eine bedeutende Rolle zuteil wird.
Mit klarer Gestaltung, präzise gesetzten und aufeinander abgestimmten, unterschiedlichen Formen aus Holz, verschiedenen Papieren und farbigem Akzent visualisiert die Arbeit die künstlerische DNA Vordemberge-Gildewarts, die zentralen Gestaltungsprinzipien seiner Kunst, mit denen er einen wichtigen Beitrag innerhalb der europäischen Avantgarde leistet.
Vordemberge-Gildewarts wichtige frühe Arbeiten der 1920er Jahre befinden sich heute weltweit in bedeutenden musealen Sammlungen, darunter – in Auswahl – das Kunstmuseum, Den Haag ("K 5" und "K 31"), das Sprengel Museum, Hannover ("K 6" und "K 19"), das Kunsthaus Zürich ("K 7"), die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin ("K 8"), die Scottish National Gallery, Edinburgh ("K 14"), die Tate Gallery, London ("K 15"), die Kunsthalle Bremen ("K 18"), das Museum of Modern Art, New York ("K 23" und "K 37"), das Musée National d’Art Moderne / Centre George Pompidou, Paris ("K 24"), die Pinakothek der Moderne, Bayrische Staatsgemäldesammlungen, München ("K 25"), die Kunstmuseen Krefeld ("K 28"), die Hamburger Kunsthalle ("K 29") und das Museum Wiesbaden ("K 35"). [CH]
Hauptsitz
Joseph-Wild-Str. 18
81829 München
Tel.: +49 (0)89 55 244-0
Fax: +49 (0)89 55 244-177
info@kettererkunst.de
Louisa von Saucken / Undine Schleifer
Holstenwall 5
20355 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 37 49 61-0
Fax: +49 (0)40 37 49 61-66
infohamburg@kettererkunst.de
Dr. Simone Wiechers
Fasanenstr. 70
10719 Berlin
Tel.: +49 (0)30 88 67 53-63
Fax: +49 (0)30 88 67 56-43
infoberlin@kettererkunst.de
Cordula Lichtenberg
Gertrudenstraße 24-28
50667 Köln
Tel.: +49 (0)221 510 908-15
infokoeln@kettererkunst.de
Hessen
Rheinland-Pfalz
Miriam Heß
Tel.: +49 (0)62 21 58 80-038
Fax: +49 (0)62 21 58 80-595
infoheidelberg@kettererkunst.de
Nico Kassel, M.A.
Tel.: +49 (0)89 55244-164
Mobil: +49 (0)171 8618661
n.kassel@kettererkunst.de
Wir informieren Sie rechtzeitig.



