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Auktion: 360 / Moderne Kunst am 12.12.2009 in München Lot 104

 
Leo Putz - Porträt einer Dame im blauen Kleid

Objektbeschreibung

Öl auf Leinwand
Nicht bei Putz. Links unten signiert und datiert. 95,5 x 85,3 cm (37,5 x 33,5 in)
Unter Nr. 372 des Werkverzeichnisses Putz findet sich folgende Notiz: "Zwei weitere Bilder von Frau Bennat im blauen Kleid sind bisher nicht nachweisbar. 'Michel' [d.i. Wilhelm Michel, Leo Putz - Ein deutscher Künstler der Gegenwart, Leipzig 1908] schreibt von 'vier verschiedenen und sorgfältig ausgeführten Fassungen'" (siehe dort S. 51).

Laut freundlicher Auskunft (e-mail) von Leo Putz, Nachlass Prof. Leo Putz, handelt es sich um eine authentische Arbeit.

PROVENIENZ: Privatsammlung Israel.

Gegen den Willen des Vaters siedelt Leo Putz bereits mit 16 Jahren nach München über, um bei seinem Stiefbruder Prof. Robert Poetzelberger ersten Zeichenunterricht zu nehmen. Es folgt eine künstlerische Ausbildung zunächst an der Münchner Akademie und von 1891 bis 1892 an der Pariser Akademie Julian bei den Professoren Adolphe Bouguereau und Benjamin Constant. Nach der Rückkehr aus Paris besucht Putz die Atelierklasse des Genremalers Paul Höcker. Im Jahr 1892 wird die Münchner Sezession gegründet, an deren Ausstellungen Putz sich jährlich beteiligt. Einige Jahre später, 1899, entsteht aus der Atelierklasse Höckers die Künstlergruppe "Scholle", zu deren Gründungsmitgliedern Leo Putz gehört. Dem vorherrschenden Akademiestil und Historismus der damaligen Zeit wird eine neue, temperamentvolle Malweise entgegengesetzt, die den Einfluss Wilhelm Trübners erkennen lässt. Der Mensch, vornehmlich die Frau, wird zum zentralen Thema des künstlerischen Schaffens.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts findet Leo Putz zu einer freieren Auffassung von Farbe und Form. In der Folge entwickelt er eine für diese Schaffensperiode typische Malweise, die Elemente des Impressionismus mit denen der klassischen Malerei des 19. Jahrhunderts verbindet. Mit breitem Pinselstrich effektvoll aufgetragene Farbpartien geben nun seinen Gemälden eine optische und handwerkliche Brillanz, die dem zeitgenössischen Geschmack entgegenkommt. Die Hinwendung zum Biedermeier, das der gutsituierte Bürger für sich wiederentdeckt, ist Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls auf der Basis wirtschaftlicher Stabilität. Putz erkennt den Nerv der Zeit. Ein delikat-leuchtendes Blau unterstreicht in seiner kühlen Eleganz die Person der Dargestellten, die in ihrer Haltung mit den ineinanderlegten Händen und dem leicht abwesenden Blick diesen Eindruck noch verstärkt, und gibt der gesamten Komposition eine fast herrschaftliche Aura, wie sie uns aus den Porträts des 18. Jahrhunderts vertraut ist.

1923 zieht Putz mit seiner Familie nach Gauting in Bayern und wird bereits zwei Jahre später Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 1929 tritt er seine erste Fernreise nach São Paulo an. Er verbringt die kommenden Jahre mit seiner Familie in Südamerika, unternimmt ausgedehnte Reisen nach Buenos Aires und nach Bahia in den Urwald. Putz' Arbeit wird mit einer außerordentlichen Professur an der Escola Nacionala de Bellas Artes in Rio geehrt. Die Jahre in Südamerika geben seiner Malerei neue Impulse, die Motive zeigen nun südländische Landschaften und Menschen, die Farbpalette erweitert sich um kräftige und farbenfrohe Töne. 1933 kehrt Putz mit seiner Familie wieder nach Gauting zurück. Sein Werk wird zwar mit einer großen Ausstellung vom Künstlerverein München geehrt, trotzdem sieht Putz sich 1936 gezwungen, vor den Nationalsozialisten in seine Geburtsstadt Meran zu fliehen. 1937 erhält er Berufsverbot, drei Jahre später stirbt Leo Putz im Meraner Exil. [KD].

104
Leo Putz
Porträt einer Dame im blauen Kleid, 1908.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 70.113

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
 


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