Auktion: 277 / Kunst des XX. Jahrhunderts und Muenchner Schule am 06.12.2002 Lot 102

 
Ernst Wilhelm Nay - Paar am Sund

102
Ernst Wilhelm Nay
Paar am Sund, 1938.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 40.250

(inkl. 15% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Paar am Sund
Öl auf Leinwand , 1938
Scheibler 233. Rechts unten signiert und datiert. Rückseitig nochmals datiert sowie mit der Nummer "60" der Atelierausstellung von 1940 versehen. 60 x 78 cm ( 23,6 x 30,7 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Eberhard Seel, Berlin (Reitzenstein-Seel).
Privatsammlung Wiesbaden.

Ausstellung: Nay-Ausstellung 1940, Nr. 60.
Moderne Kunst aus Wiesbadener Privatbesitz, Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden, 1957, Kat.Nr. 123 (unter dem Titel: 'Lofotenbild').
Nay-Variationen, Retrospektive zum 100. Geburtstag, Ausst.Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 27.9.-24.11.2002, Kunstmuseum Bonn, 19.12.-16.2.2003, Kat.Nr. A 17, S. 86 (mit Farbabb.) und S. 210.

Durch Vermittlung C.G. Heises kann Nay im Sommer 1937 mit finanzieller Unterstützung des Malers Edvard Munch und des Kunstsammlers Carl Hagemann nach Norwegen reisen. Nach seiner Ankunft in Oslo und einem Besuch in Sköjen bei Munch gelangt er schließlich an die norwegische Küste bei den Lofoten, einer Inselgruppe nördlich des Polarkreises. "Die bizarren Formationen der Berge und Fjorde, das glasklare Licht, die schattenlos leuchtenden Farben des hohen Nordens, die ursprüngliche Welt der Fischer und Walfänger verfehlten nicht ihre Wirkung auf Nay. Er fand sich hier einer Natur gegenüber, die weitgehend seiner eigenen entsprach. Mit diesem Erlebnis brach seine Anlage zur Farbe ganz auf und kam in den 'Lofoten-Bildern' zur vollen Entfaltung. In abstrakt gehaltenen Aquarellen, die Ausschnitte der Fermate der Landschaft frei übersetzen, bereitet Nay seine Lofoten-Bilder vor, die erst nach seiner Rückkehr im Berliner Atelier entstehen. Mit dem Erlös einer Ausstellung, die der Kunsthändler Holst Halvorsen von den Lofoten-Aquarellen im Winter 1937 in Oslo veranstaltet, kann Nay im Jahr 1938 ein zweites Mal nach Norwegen reisen. Kühn setzt Nay anstelle von Wolken starkfarbige Flecke in die blauen Himmel der Landschaften, die in der Relation mit den übrigen Farben des Bildes die räumliche Hintergrundwirkung des Himmels aufheben. Menschliche Figuren werden zu expressiven Farbsigneten, Landschaft und Figur sind hier gleichwertige Elemente der chromatischen Bildgestaltung. [...] In einem Brief von 1937 an Carl Hagemann schreibt Nay: Die Idee, die meiner Kunst zu Grunde liegt, ist zugleich meine Mitte, mein Lebensgesetz überhaupt: die mythische Gebundenheit, über die ich mich vor nunmehr sieben Jahren zum ersten Mal aussprach. Es ist darunter die urtümliche Bindung des Menschen an Erde und Himmel zu verstehen, Erde wie Himmel sind Formen der ewigen Bewegung, des Werdens und Vergehens der Ewigkeit. Das ist ja kein Programm, keine Theorie oder ein religiöser Einfall, eher eine Vision" (zit. nach Elisabeth Nay-Scheibler, in: Aurel Scheibler, Ernst Wilhelm Nay, Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. I, Köln 1990, S. 154). [DP]

102
Ernst Wilhelm Nay
Paar am Sund, 1938.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 40.250

(inkl. 15% Käuferaufgeld)