Auktion: 380 / Moderne Kunst am 04.06.2011 in München Lot 50

 
Heinrich Campendonk - Kühe


 
50
Heinrich Campendonk
Kühe, 1931.
Hinterglasgemälde
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 52.460

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Hinterglasgemälde
Firmenich 957. 31 x 38,7 cm (12,2 x 15,2 in)
Rückseitig auf der Abdeckpappe von zwei verschiedenen Händen bezeichnet "H. Campendonk Düsseldorf, Titel Glasbild No. 2 'Aus der Bretagne'".

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland.

AUSSTELLUNG: Expressionismus in Malerei und Plastik, Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, 15.12.1946-15.1.1947, Kat.Nr. 9.
Heinrich Campendonk, Clemens-Sels-Museum, Neuss, 10.2.-16.3.1952, Kat.Nr. 22.
Heinrich Campendonk, Haus Lange, Krefeld, 25.5.-17.7.1960, S. 92, Nr. 109 (verso auf der Rahmenrückpappe mit dem Ausstellungsaufkleber).
Heinrich Campendonk, Museum am Ostwall, Dortmund, Oktober 1960 (verso auf der Rahmenrückpappe mit dem Ausstellungsaufkleber).
Heinrich Campendonk, Kunstverein Frankfurt/Main, November 1960.
Heinrich Campendonk, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 29.7.-4.9.1960, Kat.Nr. 78.

LITERATUR: Mathias T. Engels, Heinrich Campendonk, Monographien zur rheinisch-westfälischen Kunst der Gegenwart, Band 8, Recklinghausen 1958, Seite 34 (mit Abb.).
Paul Wember, Heinrich Campendonk, Krefeld 1889 - 1957 Amsterdam, in: Die Heimat, Jg. 31, Heft 1/4, Krefeld 1960, S. 92 (mit Abb.).

Nach dem Studium an der Krefelder Kunstgewerbeschule bei dem holländischen Künstler Johan Thorn Prikker folgt Heinrich Campendonk 1911 einer Einladung Franz Marcs ins oberbayerische Sindelsdorf und lässt sich dort nieder. Bereits in dieser Zeit findet er das Grundthema seiner Arbeit: die Darstellung der Harmonie von Mensch und Tier, der Schöpfung, des Kreislaufes des ewigen Werdens und Vergehens. Neben Gemälden entstehen Aquarelle, Gouachen und erste Holzschnitte. In Sindelsdorf lernt Campendonk weitere Mitglieder des Künstlerbundes "Blauer Reiter" kennen und nimmt noch im selben Jahr an Ausstellungen der Gruppe teil. Zusammen mit dieser stellt er auch zwei Jahre später im "Ersten Deutschen Herbstsalon" des von Herwarth Walden geleiteten "Sturm" in Berlin aus. Sein künstlerisches Schaffen ist in diesen Jahren von Marc, Macke und Kandinsky beeinflusst und erfährt einen seiner ersten Höhepunkte. Eine streng geometrisierende Formensprache ist mit einer Farbigkeit in reinen Komplementärkontrasten zu einer dynamisierten, rhythmisierten Formensprache vereint. 1916 siedelt Campendonk nach Seeshaupt am Starnberger See über, von wo aus er ausgedehnte Reisen unternimmt. Seine Malerei ist nun von weich fließenden Formen, großen ruhigen Flächen von intensiver Leuchtkraft und einer lyrischen, oft märchenhaften Grundstimmung geprägt. 1926 wird der Künstler als Professor an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Besonders durch die Ausführung zahlreicher Glasfenster an Kirchen und öffentlichen Gebäuden (Landtagsgebäude und Paulskirche in Düsseldorf, Essener Münster u.a.) erringt Campendonk seit Mitte der 1920er Jahre künstlerische Anerkennung.

Neben den Glasfenstern, die Campendonk für Kirchen und repräsentative Gebäude schafft, stellt die Hinterglasmalerei eine weitere interessante Komponente im Schaffen des vielseitigen Künstlers dar. Das Hinterglasbild, ursprünglich aus der Volkskunst kommend, inspiriert bereits die Künstler des "Blauen Reiter", insbesondere Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. Die technischen Schwierigkeiten der Hinterglasmalerei werden als Herausforderung begriffen, denen man mit einer vereinfachten Struktur der Komposition begegnet. Heinrich Campendonk bewältigt diese Herausforderung meisterlich, wie in unserem Werk augenfällig wird. Die klaren Formen sind fest umrissen und einer einfachen, aber im harmonischen Zusammenhang gesehenen Farbigkeit unterworfen. Das kleine Format wirkt in seiner Gestaltung monumental unterstützt durch die flächenhafte Aufteilung des Bildraumes. Campendonks Anliegen ist es, jede Form von Naturalismus zugunsten einer Vereinheitlichung der klaren prägnanten Komposition zu vermeiden.

Als er 1933 aus dem Lehramt entlassen wird, folgt die Emigration nach Belgien, wo er 1935 einen Lehrauftrag für "monumentale und dekorative Künste" an der Rijksakademie van beeldende Kunsten in Amsterdam annimmt. Campendonk kehrt nach Kriegsende nicht mehr nach Deutschland zurück. Er ist weiterhin als Lehrer tätig und erhält zahlreiche Aufträge für Glasfenster in den Niederlanden und in Deutschland. 1956 wird er mit dem Quellinus-Preis der Stadt Amsterdam geehrt und zum Ritter vom Orden "De Nederlandse Leeuw" ernannt. Campendonk stirbt 1957 in Amsterdam. [KD].

50
Heinrich Campendonk
Kühe, 1931.
Hinterglasgemälde
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 52.460

(inkl. 22% Käuferaufgeld)