Auktion: 380 / Moderne Kunst am 04.06.2011 in München Lot 67

 
Paul Kleinschmidt - Sängerinnen


 
67
Paul Kleinschmidt
Sängerinnen, 1926.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 130.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Öl auf Holz
Lipps-Kant 56. Unten mittig monogrammiert und datiert (in die nasse Malschicht eingeritzt). Verso auf der Holztafel bezeichnet "Paul Kleinschmidt "Sängerinnen" gemalt im März 1926". 170,5 x 113 cm (67,1 x 44,4 in)
Verso mit einem Ausstellungsaufkleber "Deutsche Kunst Düsseldorf 1928", dort typografisch nummeriert "1543".

PROVENIENZ: Albert Kley, als Geschenk vom Künstler erhalten.

AUSSTELLUNG: Paul Kleinschmidt. Gemälde. Galerie Alfred Flechtheim, Berlin 27.2.-16.3.1928, Kat.Nr. 4, ohne Abb.

Am 31. Juli 1883 wird Paul Kleinschmidt als Spross einer Künstlerfamilie geboren, der Vater ist Direktor einer Wanderbühne, die Mutter Schauspielerin. Während eines Kunststudiums an der Berliner Akademie bei dem Historienmaler Anton von Werner ist Adolf von Menzel das künstlerische Vorbild von Paul Kleinschmidt. In dieser Zeit lernt er auch Lovis Corinth kennen, der ihn sowohl menschlich als auch künstlerisch beeindruckt. 1904 setzt Kleinschmidt das Kunststudium an der Münchner Akademie bei Peter Halm und Heinrich von Zügel fort. Hier macht er sich mit den Techniken der Lithografie und Radierung vertraut. So ist der Künstler im Anschluss an die Studienzeit als Maler und Grafiker in Berlin tätig und beteiligt sich dort 1908 und 1911 an den Ausstellungen der Sezession. 1914 erhält Paul Kleinschmidt die Einberufung zum Wehrdienst, wird aber wegen einer Gasvergiftung ein Jahr später vom Kriegsdienst suspendiert. Ab 1915 übt er verschiedene Tätigkeiten, unter anderem als Maschinenzeichner und Zeichenlehrer, aus. In dieser Zeit entstehen viele seiner bedeutendsten Radierungen und Lithografien, die 1923 in der ersten Kleinschmidt-Ausstellung im Euphorion-Verlag und 1925 bei F. Gurlitt in Berlin gezeigt werden. Danach geht die druckgrafische Produktion zugunsten einer intensiveren Beschäftigung mit der Malerei zurück.

Wie vielen seiner Zeitgenossen bietet das Nachtleben im Berlin der zwanziger Jahre auch Paul Kleinschmidt eine Fülle von Anregungen. Die Damenkapellen in ihrer Mischung aus latenter Erotik und fröhlicher Stimmungsmache haben es Kleinschmidt besonders angetan. Die drallen Damen gewinnen auf Anhieb das Herz des Künstlers und er schildert sie mit dem ihm zur Verfügung stehenden Vokabular in der bekannt breit pastosen Malweise. Haben Zeitgenossen immer eine Art von Gesellschaftskritik im Auge, so scheint diese für Kleinschmidt nicht zu gelten. Ihm kommt es auf die Darstellung des Weiblich-Überweiblichen an. Die neue Macht der Frau, vor dem Ersten Weltkrieg noch dämonisiert, tritt hier unbeschwert und schrankenlos zutage. Es ist nicht das vergeistige Wesen, die hohe Frau, auch nicht die sorgende Mutter, die Kleinschmidt fesselt. Er sieht die Frau ganz in ihrer befreiten Rolle, die, der Männerwelt ebenbürtig, ihren eigenen Weg bestimmt.

1927 knüpft Paul Kleinschmidt erste Kontakte mit dem New Yorker Kunstsammler Erich Cohn, der schließlich sein Mäzen wird. 1932 zieht der Künstler von Berlin nach Süddeutschland, wo er zunächst in Klingenstein bei Blaubeuren, dann in Ulm wohnt. Doch auch diese Stadt verlässt er bereits ein Jahr später, um nach Ay bei Senden zu gehen. Hier sind er und seine Familie schon bald politischen Repressionen ausgesetzt. Der politische Druck nimmt zu, so dass Kleinschmidt seine Emigration nach Holland plant und 1936 durchführt. Von dort aus geht er 1938 nach Frankreich. Im Februar 1940 wird Kleinschmidt für mehrere Monate in verschiedenen Lagern interniert, anlässlich der französischen Kapitulation dann wieder freigelassen. In Bensheim ansässig wird Paul Kleinschmidt 1943 mit einem Malverbot belegt. 1945 verbrennt bei einem Bombenangriff sein gesamter Besitz. Die schon 1940 diagnostizierte Angina Pectoris verstärkt sich ab 1948 derart, dass sich der Künstler nicht mehr erholt und ein Jahr später am 2. August 1949 verstirbt. [KD].

67
Paul Kleinschmidt
Sängerinnen, 1926.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 130.540

(inkl. 22% Käuferaufgeld)