Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 50.10

 
50.10
Heinrich Campendonk
Mariä Verkündigung, 1919.
Aquarell
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 113.328

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Mariä Verkündigung. 1919.
Aquarell und Gouache mit Tuschfeder über Bleistift.
Firmenich 809 A. Unten rechts signiert und datiert. Auf leicht bräunlichem, festem Velin. 37 x 31 cm (14,5 x 12,2 in), blattgroß.
Max Glaeser (1871 - 1931) war ein bekannter Pfälzer Emailfabrikant. Seine umfangreiche Kunstsammlung, die später zum Teil in das Pfälzische Landesmuseum überging, enthielt neben Werken der Impressionisten u.a. auch Gemälde von Emil Nolde, Edvard Munch, Max Pechstein und Oskar Kokoschka.

PROVENIENZ: Sammlung Max Glaeser, Kaiserslautern (bis 1959).
Privatsammlung.
Galerie Cazeau-Béraudière, Paris.
Privatsammlung.

AUSSTELLUNG: Heinrich Campendonk 1889-1957, Pfalzgalerie Kaiserslautern, Oktober-November 1982, Kat.Nr. 53 (mit Abb.).

Nach dem Studium an der Krefelder Kunstgewerbeschule bei dem holländischen Künstler Johan Thorn Prikker folgt Heinrich Campendonk 1911 einer Einladung Franz Marcs ins oberbayerische Sindelsdorf und lässt sich dort nieder. Bereits in dieser Zeit findet er das Grundthema seiner Arbeit: die Darstellung der Harmonie von Mensch und Tier, der Schöpfung, des Kreislaufes des ewigen Werdens und Vergehens. Neben Gemälden entstehen Aquarelle, Gouachen und erste Holzschnitte. In Sindelsdorf lernt Campendonk weitere Mitglieder des Künstlerbundes "Blauer Reiter" kennen und nimmt noch im selben Jahr an Ausstellungen der Gruppe teil. Zusammen mit dieser stellt er auch zwei Jahre später im "Ersten Deutschen Herbstsalon" des von Herwarth Walden geleiteten "Sturm" in Berlin aus. Sein künstlerisches Schaffen ist in diesen Jahren von Marc, Macke und Kandinsky beeinflusst und erfährt einen seiner ersten Höhepunkte. Eine streng geometrisierende Formensprache ist mit einer Farbigkeit in reinen Komplementärkontrasten zu einer dynamisierten, rhythmisierten Formensprache vereint. 1916 siedelt Campendonk nach Seeshaupt am Starnberger See über, von wo aus er ausgedehnte Reisen unternimmt. Seine Malerei ist nun von weich fließenden Formen, großen ruhigen Flächen von intensiver Leuchtkraft und einer lyrischen, oft märchenhaften Grundstimmung geprägt.

Bereits 1917 hatte sich Heinrich Campendonk mit dem Thema der Verkündigung an Maria beschäftigt. Das Gemälde aus dieser Zeit zeigt die Szene eindeutig mit dem sich annähernden Engel und Maria. In diesem späteren Aquarell bleibt die Entschlüsselung der Szene völlig offen. Nichts deutet auf das Ereignis hin. Campendonk stilisiert die Figuren und verlässt damit den malerischen Stil, der noch die Jahre vorher sein Werk dominiert hatte. Die Flächen sind klar definiert, auch in ihrer Farbwirkung. Eine farbliche Abstraktion, zu verfolgen im Blau des Inkarnates der Maria, unterstützt die formale Reduktion, deren flächenhafter Charakter in dieser Komposition besonders deutlich wird. Allein im Hintergrund sind noch malerische Aspekte zu entdecken. Campendonk, der sich in den Folgejahren immer mehr zu einem gewissen Formalismus hinwenden wird, hat hier bereits die Grundlagen für sein späteres Schaffen festgelegt.

1926 wird der Künstler als Professor an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Besonders durch die Ausführung zahlreicher Glasfenster an Kirchen und öffentlichen Gebäuden (Landtagsgebäude und Paulskirche in Düsseldorf, Essener Münster u.a.) erringt Campendonk ab Mitte der 1920er Jahre künstlerische Anerkennung. Als er 1933 aus dem Lehramt entlassen wird, folgt die Emigration nach Belgien. 1935 nimmt er einen Lehrauftrag für "monumentale und dekorative Künste" an der Rijksakademie van beeldende Kunsten in Amsterdam an. Campendonk kehrt nach Kriegsende nicht mehr nach Deutschland zurück. Er ist weiterhin als Lehrer tätig und erhält zahlreiche Aufträge für Glasfenster in den Niederlanden und in Deutschland. 1956 wird er mit dem Quellinus-Preis der Stadt Amsterdam geehrt und zum Ritter vom Orden "De Nederlandse Leeuw" ernannt. Campendonk stirbt 1957 in Amsterdam. [KP/KD].

50.10
Heinrich Campendonk
Mariä Verkündigung, 1919.
Aquarell
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 113.328

(inkl. 22% Käuferaufgeld)