Auktion: 401 / Post War/Zeitgenössische Kunst am 08.12.2012 in München Lot 268

 
268
Norbert Kricke
Raumplastik, 1961.
Plastik
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 152.500

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Raumplastik. 1961.
Plastik. Edelstahl auf Steinsockel.
Unikat. Plastik: Ca. 58 x 46 x 49 cm (22,8 x 18,1 x 19,2 in). Sockel: 8 x 8,5 x 8,9 cm (3,1 x 3,3 x 3,5 in).

PROVENIENZ: Galerie Flinker, Paris.

AUSSTELLUNG: 60 Jahre, 60 Werke. Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland 1949 - 2009, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 1. Mai - 14. Juni 2009 (mit Abb. S. 93).

Norbert Kricke wird am 30. November 1922 in Düsseldorf geboren. Nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin unter Richard Scheibe ist Kricke ab 1947 als freischaffender Künstler in seiner Heimatstadt tätig. Ende der 1940er Jahre knüpft er mit seinen ersten Raumplastiken, bestehend aus aneinandergeschweißten, dynamisch in den Raum ausgreifenden Metallstäben in gerader, gebündelter oder verknoteter Form, an die Tradition der Konstruktivisten wie Naum Gabo und Antoine Pevsner an. 1953 findet die erste Einzelausstellung Krickes in der Galerie Ophir in München statt. Neben weiteren zahlreichen öffentlichen Präsentationen seines Œuvres wie 1961 der Ausstellung im Museum of Modern Art in New York, nimmt der Künstler auch dreimalig, nämlich 1959, 1964 und 1977, an der documenta in Kassel und 1964 an der 32. Biennale von Venedig teil. Zusammen mit John Anthony Thwaites entsteht 1956 die erste Niederschrift des Exposés "Forms of Water". Im darauf folgenden Jahr gewinnt Kricke neben Robert Adams und Yves Klein den "Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung" des Neuen Stadttheaters Gelsenkirchen. Daneben ist er in diesem Jahr im "Salon des Réalités Nouvelles" in Paris vertreten. Ab 1955 erhält Kricke internationale öffentliche Aufträge wie z.B. die Ausführung einer großen Raumplastik am neuen Opernhaus in Münster (1955/56), die Ausgestaltung des neuen Staatstheaters Gelsenkirchen (1957), die Wassergestaltung für den Universitätsneubau in Bagdad (in Zusammenarbeit mit Walter Gropius, 1959) und die große Raumplastik vor dem County Museum of Art, Los Angeles (1965).

Mit seinen schwerelos und zerbrechlich wirkenden Raumplastiken gelingt es Kricke, Zeit und Raum bildlich darzustellen. Die glänzenden Metallstäbchen der vorliegenden Arbeit erstrecken sich wie Lichtstrahlen in alle Richtungen des Raumes und simulieren auf diese Weise Ausdehnung und Bewegung: "Mein Problem ist nicht Masse, ist nicht Figur, sondern es ist der Raum und es ist die Bewegung - Raum und Zeit. Ich will keinen realen Raum und keine reale Bewegung (Mobile), ich will Bewegung darstellen. Ich suche der Einheit von Raum und Zeit eine Form zu geben." (Norbert Kricke 1954, zit. nach: Künstler Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 2, S. 2).

Als einer der bedeutendsten Vertreter der informellen Plastik in Deutschland wird Krickes Œuvre nicht nur mehrfach auf der documenta präsentiert, sondern erfährt bereits zu Beginn der 1960er Jahre, unter anderem durch Ausstellungen auf der 32. Biennale von Venedig oder im Museum of Modern Art in New York, internationale Anerkennung. 1964 übernimmt Kricke eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, die er ab 1972 zehn Jahre lang als Direktor leitet. Am 26. Juni 1984 stirbt Norbert Kricke in seiner Heimatstadt. [KH].

268
Norbert Kricke
Raumplastik, 1961.
Plastik
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 152.500

(inkl. 22% Käuferaufgeld)