Auktion: 419 / Klassische Moderne am 05.12.2014 in München Lot 373

 
373
Paul Kleinschmidt
Landschaft in Südfrankreich (Regentag in Cassis), 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Landschaft in Südfrankreich (Regentag in Cassis). 1930.
Öl auf Leinwand.
Lipps-Kant 129. Links unten monogrammiert und datiert. Auf dem Keilrahmen von fremder Hand bezeichnet. 70 x 100 cm (27,5 x 39,3 in). [JS].

PROVENIENZ: Sammlung Richard A. Cohn, New York, sowie dessen Nachfahren.

AUSSTELLUNG: Paul Kleinschmidt, The Art Institute, Chicago 1933/34 (Kat.-Nr. 10 "Street in Cassis", vgl. Bezeichnung auf dem Keilrahmen).

Am 31. Juli 1883 wird Paul Kleinschmidt als Spross einer Künstlerfamilie geboren, der Vater ist Direktor einer Wanderbühne, die Mutter Schauspielerin. Während eines Kunststudiums an der Berliner Akademie bei dem Historienmaler Anton von Werner ist Adolf von Menzel das künstlerische Vorbild von Paul Kleinschmidt. In dieser Zeit lernt er auch Lovis Corinth kennen, der ihn sowohl menschlich als auch künstlerisch beeindruckt. 1904 setzt Kleinschmidt das Kunststudium an der Münchner Akademie bei Peter Halm und Heinrich von Zügel fort. Hier macht er sich mit den Techniken der Lithografie und Radierung vertraut. So ist der Künstler im Anschluss an die Studienzeit als Maler und Grafiker in Berlin tätig und beteiligt sich dort 1908 und 1911 an den Ausstellungen der Sezession. 1914 erhält Paul Kleinschmidt die Einberufung zum Wehrdienst, wird aber wegen einer Gasvergiftung ein Jahr später vom Kriegsdienst suspendiert. Ab 1915 übt er verschiedene Tätigkeiten, u.a. als Maschinenzeichner und Zeichenlehrer, aus. In dieser Zeit entstehen viele seiner bedeutendsten Radierungen und Lithografien, die 1923 in der ersten Kleinschmidt-Ausstellung im Euphorion-Verlag und 1925 bei F. Gurlitt in Berlin gezeigt werden. Danach geht die druckgrafische Produktion zugunsten einer intensiveren Beschäftigung mit der Malerei zurück.

1927 knüpft Paul Kleinschmidt erste Kontakte mit dem New Yorker Kunstsammler Erich Cohn, der schließlich sein Mäzen wird und aus dessen Sammlung das vorliegende Gemälde stammt. Es entstand zu Beginn des Jahres 1930 nach Skizzen und Aquarellstudien aus Südfrankreich. Laut eines Schreibens vom 8. März 1930 übersendet Kleinschmidt verschiedene Ölgemälde, unter denen auch die vorliegende Südfrankreich-Landschaft aufgeführt ist, noch im selben Jahr an seinen amerikanischen Förderer. Ihm kommt der Verdienst zu, dass Kleinschmidt in New York und in den USA bald bekannter wurde als in Teilen Deutschlands. Kleinschmidts Südfrankreich-Landschaften zeichnen sich durch ihre kühne Perspektive und Tiefenstaffelung aus, wobei der Künstler meist sich perspektivisch verjüngende Architekturelemente in den Vordergrund rückt, die den Betrachter - wie auch im vorliegenden Fall - sogartig in die Komposition hineinziehen. Darüber breitet Kleinschmidt in der "Landschaft in Südfrankreich (Regentag in Cassis)" eine koloristisch ausgesprochen ansprechend durchgestaltete Vegetation in gedrängter Schichtung aus.

1932 zieht der Künstler von Berlin nach Süddeutschland, wo er zunächst in Klingenstein bei Blaubeuren, dann in Ulm wohnt. Doch auch diese Stadt verlässt er bereits ein Jahr später, um nach Ay bei Senden zu gehen. Hier sind er und seine Familie schon bald politischen Repressionen ausgesetzt. Der politische Druck nimmt zu, so dass Kleinschmidt seine Emigration nach Holland plant und 1936 durchführt. Von dort aus geht er 1938 nach Frankreich. Im Februar 1940 wird Kleinschmidt für mehrere Monate in verschiedenen Lagern interniert, anlässlich der französischen Kapitulation dann wieder freigelassen. In Bensheim ansässig, wird Paul Kleinschmidt 1943 mit einem Malverbot belegt. 1945 verbrennt bei einem Bombenangriff sein gesamter Besitz. Die schon 1940 diagnostizierte Angina Pectoris verstärkt sich ab 1948 derart, dass sich der Künstler nicht mehr erholt und ein Jahr später am 2. August 1949 stirbt.

373
Paul Kleinschmidt
Landschaft in Südfrankreich (Regentag in Cassis), 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 32.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)