Auktion: 419 / Klassische Moderne am 05.12.2014 in München Lot 374

 
374
Ewald Mataré
Kleine liegende Kuh II "Porzellankuh", 1936.
Bronze
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Kleine liegende Kuh II "Porzellankuh". 1936.
Bronze mit dunkelbrauner Patina.
Schilling 119 a. Unter der Schnauze mit dem Künstlersignet. Eines von 10 bekannten Exemplaren, darunter 6 Nachlassgüsse. Ca. 9,5 x 22,5 x 13 cm (3,7 x 8,8 x 5,1 in). [JS].

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Ewald Mataré, Eine Werkübersicht, Akademie-Galerie, Düsseldorf 2005.

LITERATUR: (wohl jeweils anderes Exemplar):
Ewald Mataré. Skulpturer Träsnitt 1921-1953, Ausst.-Kat. Svens-Franska Konstgalleriet, Stockholm 1954, Nr. 56.
Ewald Mataré. Skulpturen, Holzschnitte, Aquarelle 1920 bis 1965, Ausst.-Kat. Kölnischer Kunstverein, Köln 1966, Nr. 18.
Ewald Mataré zum Gedächtnis, Ausst.-Kat. Galerie Günther Franke, München 1966, Nr. 8 (mit Abb. des gehärteten Gipsmodells).
Ewald Mataré. Plastiken, Kunsthandwerk, Handzeichnungen, Aquarelle, Graphik, Ausst.-Kat. Städtische Kunsthalle, Düsseldorf 1967, Nr. 38.
Ewald Mataré, Ausst.-Kat. Dom Galerie, Köln 1969, Nr. 19.
Ewald Mataré, Ausst.-Kat. Kritzraedthuis, Sittard 1969, Nr. 19.
Ewald Mataré. Der "Tote Krieger" in Kleve, Ausst.-Kat. Städtisches Museum Haus Koekkoek u.a., Kleve 1985, Nr. 7 (mit Abb.).
Sabine Maja Schilling, Ewald Mataré. Skulpturen, Essen 1994, mit Abb. auf S. 148 sowie auf dem Umschlag.

Ewald Mataré wird am 25. Februar 1887 in Aachen geboren. Besonders die Mutter fördert seine künstlerischen Neigungen. Nach einer ersten Ausbildung in seiner Heimatstadt bei dem Maler Eugen Klinkenberg kommt Mataré 1907 an die Kunstakademie in Berlin. Im Jahre 1912 wechselt er als Meisterschüler zu Arthur Kampf, der als einer der hervorragendsten Maler der "offiziellen" Kunst gilt. 1914 arbeitet Mataré ein halbes Jahr bei Lovis Corinth, dessen impressionistische Malweise ihn jedoch nicht überzeugt.
Nach dem I. Weltkrieg findet 1920 ein bedeutender Wandel in Matarés künstlerischem Schaffen statt. Im Alter von mehr als dreißig Jahren wendet er, der eine klassische malerische Ausbildung genossen hat, sich der Grafik und Bildhauerei zu. Die Tierplastiken avancieren zu seinem Markenzeichen. Statt spontanem Ausdruck subjektiver Erlebnisse und Stimmungen sucht der Bildhauer in seinen Plastiken und Holzschnitten nach der Klarheit und Objektivität der Formen. Insofern ist Matarés Werk verwandt mit der organischen Abstraktion wie sie den Werken von Hans Arp und Constantin Brancusi eigen sind. 1932 wird Mataré an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen, jedoch schon ein Jahr später aufgrund nationalsozialistischer Propaganda vertrieben. Sämtliche seiner öffentlich ausgestellten Plastiken werden vernichtet.

Die Faszination unserer Plastik liegt in der Verschmelzung von Animalischem und Abstraktion, die gepaart mit einer subtilen Oberflächenbehandlung eine Aura des Ewig-Zeitlosen vermittelt. Von welcher Seite man die Plastiken Matarés auch betrachtet, es ist immer eine formvollendete Harmonie zu spüren, die sich aus einer sinnvollen Ergänzung von Material und Form erschließt. Matarés Plastiken laden zum Berühren ein, sie sind so gesehen soziale Geschöpfe, und doch unterscheiden sie sich grundlegend von herkömmlichen Tierplastiken, da sie weder niedlich noch von geformter Naturtreue sind. Tierplastiken nehmen im Werk des Bildhauers eine dominierende Rolle ein, wobei die Kuh zum Symboltier seines herausragenden plastischen Schaffens wird. Die Spannbreite geht von der fast zärtlichen Idealisierung bis zur totalen Verfremdung. Doch immer bleibt Mataré in allen seinen formalen Experimenten dem Kreatürlichen treu.

Unmittelbar nach Kriegsende ruft man ihn an die Akademie zurück. Die von Mataré 1947 gestalteten Kölner Domtüren machen ihn zum bekanntesten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Besonderen Einfluss übt Mataré auf Joseph Beuys aus, der zu seinen berühmtesten Schülern zählt. 1953 wird Mataré der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen, 1958 erhält er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Nach zahlreichen Einzelausstellungen zeigt das Stedelijk Museum in Amsterdam noch zu Lebzeiten des Künstlers eine Retrospektive seines Schaffens. Im Alter von 78 Jahren stirbt Ewald Mataré in Büderich bei Düsseldorf. Ein Jahr später zeigt der Kölnische Kunstverein eine große Gedächtnisausstellung zu seinen Ehren.

374
Ewald Mataré
Kleine liegende Kuh II "Porzellankuh", 1936.
Bronze
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)