Auktion: 428 / Klassische Moderne am 03./05.12.2015 in München Lot 241

 
241
Ernst Ludwig Kirchner
Farbentanz, 1932.
Aquarell
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 36.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Farbentanz. 1932.
Aquarell und Tuschpinselzeichnung über Bleistift.
Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570b) und der handschriftlichen Registriernummer: "A Da/Be 44". Auf leichtem Karton. 51 x 36 cm (20 x 14,1 in), Blattgröße.
Studie zu den Gemälden "Farbentanz I" (Gordon 948) und "Farbentanz II" (Gordon 968).

Mit einer Expertise von Roman Norbert Ketterer vom 9. Juni 1980 (in Kopie).

PROVENIENZ: Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione.
Privatsammlung Süddeutschland (direkt vom Vorgenannten erworben).

Essay
Eines der zentralen Themen im Werk Ernst Ludwig Kirchners ist der Tanz. Insbesondere seine Begegnung im Jahr 1926 mit den Ausdruckstänzerinnen Mary Wigman und Gret Palucca in Dresden gibt ihm neue Impulse, sich erneut intensiv mit der Darstellung von Bewegung auseinanderzusetzen. Unsere Studie steht in Zusammenhang mit den langjährigen Entwurfsarbeiten für die Wandgestaltung des sogenannten Festsaales im Essener Folkwang Museum. Kirchner wird bereits 1927 von Direktor Ernst Gosebruch mit der Umsetzung beauftragt, das Projekt muss jedoch aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten aufgegeben werden. Die Komposition von Kirchners „Farbentanz“ lehnt sich eng an Picassos Gemälde „La Danse“ (1925, Tate Gallery, London) an, das er 1932 bei der Picasso-Retrospektive in Zürich sieht, möglicherweise aber auch schon früher aus Zeitschriftenabbildungen gekannt hat. Sie dokumentiert gleichermaßen den Wandel hin zu Kirchners „neuem Stil“, der sich am Kubismus orientiert. In der Folge schafft Kirchner nun Entwürfe mit drei, anstelle von nurmehr zwei Figuren: „Ich arbeite an den Essener Entwürfen, und bin jetzt auf drei Tänzerinnen gekommen, überlebensgroß in Blumenwiese tanzend vor dem Regenbogen. Das Bild soll Freude und Farbe ausstrahlen“ (E. L. Kirchner, Brief vom 7. Oktober 1932 an den Davoser Arzt und Kunstsammler Frédéric Bauer). Neben unserer Studie findet sich eine weitere Vorzeichnung in Kirchners Skizzenbuch von 1932 (Presler, Skb 162, Abb. S. 356). Zwischen 1930 und 1937 entstehen die beiden großen Gemäldefassungen und ein Farbholzschnitt des Sujets (1933, Dube H 636). Kirchners „Farbentanz“ gehört damit zu den reifsten Schöpfungen seines späten Schaffens.
241
Ernst Ludwig Kirchner
Farbentanz, 1932.
Aquarell
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 36.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)