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Auktion: 468 / Klassische Moderne I am 09.06.2018 in München Lot 714

 
Objektbeschreibung
Maria. 1942/43.
Skulptur Zinkguss mit schwarz-brauner Silberlegierung patiniert.
Berger 187. Vorne auf der Standfläche mit dem ligierten Monogramm. Seitlich links an der Standfläche mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin". Einer von nur zwei Lebzeitgüssen. 90,3 x 26 x 27 cm (35,5 x 10,2 x 10,6 in).
Gegossen von der Kunstgießerei Hermann Noack, Berlin 1944.
Der zweite, von Kolbe ebenfalls 1944 in der Gießerei Hermann Noack, Berlin, gefertigte Guss befand sich im Nachlass des Künstlers und ist heute Teil der Sammlung des Georg-Kolbe-Museums, Berlin.
Posthum wurden zudem noch 1 oder 2 Bronzen der "Maria" gegossen.
Sehr selten. Einer von nur zwei Lebzeitgüssen. Das andere Exemplar befindet sich im Georg-Kolbe-Museum, Berlin.
Mit einem Gutachten von Dr. Ursel Berger vom 2. April 2016.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (direkt vom Künstler erworben, mit Originalkaufbeleg vom 16.5.1944, vom Künstler unterzeichnet).

"Das Kunstwerk ist eine Übersetzung des Lebens in eine Sprache. Ein Sammeln und Weglassen zahlloser Eindrücke, ein Ordnen und Hervorheben des Wesentlichen."
Georg Kolbe, 1912

Essay
Kolbe hat das Gipsmodell, nach dem der vorliegende, ausgesprochen seltene Guss gefertigt wurde, um den Jahreswechsel 1942/43 nach seiner 1929 geborenen Enkelin Maria von Keudell modelliert. In klassischer Stand-Spielbein-Pose und mit sinnend zur Seite gewendetem Blick streicht sich die Dargestellte mit ihrer linken Hand locker durch das geöffnete Haar. Kolbes "Maria" besticht durch ihre zurückhaltende und liebliche Natürlichkeit, ihre im Vergleich zu den Werken der 1920er und 1930er Jahre weniger artifizielle Pose, die dem familiären Bezug zwischen Künstler und Modell zu verdanken ist. Gerade die letzten Kriegsjahre mit vermehrten Luftangriffen auf Berlin, von denen im Dezember 1943 auch Kolbes Haus und Atelier und die darin befindlichen Werke betroffen sind, erschweren nicht nur Kolbes künstlerisches Schaffen, sondern auch die Umsetzung seiner Entwürfe in der Berliner Kunstgießerei Hermann Noack, die im August 1943 ebenfalls einen schweren Bombentreffer zu verzeichnen hat. Dabei wurde eine kleine Fassung sowie die erste Vergrößerung der "Maria" zerstört, und so schreibt Kolbe am 24.10.1943 an seine Enkelin: "Wie ist es, kommst Du Weihnachten nach Hause? Dann hoffe ich Dich für einige Arbeitsstunden bereit, denn die 2. Vergrößerung unserer (Deiner) zerstörten Figur ist wieder bald fertig, sodaß ich dich brauchen kann." (zit. nach U. Berger, G. Kolbe, Berlin 1990, S. 381). Dieser schwierigen historischen Situation ist es geschuldet, dass 1944 lediglich zwei einzigartige Lebzeitgüsse der "Maria" gegossen werden: der unsrige, der bereits im Mai 1944 von den Vorfahren der heutigen Eigentümerin in langer Verbundenheit zum Künstler direkt bei Kolbe erworben wurde, und das leider weniger gut erhaltene Exemplar des Künstlers, das sich heute in der renommierten Sammlung des Georg-Kolbe-Museums, Berlin, befindet. Im Vergleich zum Guss im Georg-Kolbe-Museum in Berlin merkt Ursel Berger zu dem hier angebotenen Guss an: "Unter Berücksichtigung der Empfindlichkeit von Zinkgüssen besitzt die vorliegende Skulptur einen vorzüglichen Erhaltungszustand." (zit. nach Berger, aus dem Gutachten vom 2. April 2018) Durch die verwendete Silberlegierung wird eine schöne dunkle, metallisch-schimmernde Oberflächenwirkung erzeugt. [JS]
714
Georg Kolbe
Maria, 1942/43.
Skulptur
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 50.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
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Georg Kolbe - Maria - Rückseite
Rückseite
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