Auktion: 432 / Klassische Moderne I am 11.06.2016 in München Lot 353

 
353
Paul Kleinschmidt
Schuhanziehende Zirkusdame, 1938/1948.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Schuhanziehende Zirkusdame. 1938/1948.
Öl auf Leinwand.
Lipps-Kant 323. Rechts unten monogrammiert und datiert. Auf dem Keilrahmen datiert und betitelt: "1938 Schuhe anziehende Zirkusdame". 121 x 91 cm (47,6 x 35,8 in).

Eines der prachtvoll-reifen Damenporträts aus dem Zirkusmilieu.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.

Essay
Ein von Paul Kleinschmidt immer wieder aufgegriffenes Motiv ist das der Schnürschuh-Anziehenden. Das vorliegende Sujet, bereits 1938 begonnen und 1948 vollendet, zeigt in fast voyeuristischer Sicht leicht von unten die schönen Anstrengungen des Schnürstiefel-Anziehens. Die Intimitäten der weiblichen Toilette sind das bevorzugte Motivfeld, aus dem Kleinschmidt die Inhalte seiner wichtigsten Werke gewinnt. Die Attribute der Ankleidung, Korsett, Büstenhalter und Schnürstiefel, wirken wie geheime Stimulanzien sexueller Begierden, die in den Werken der deutschen Maler der zwanziger Jahre eine besondere Rolle spielen, denken wir nur an George Grosz, Karl Hubbuch, aber auch den Zeremonienmeister des Erotischen: Rudolf Schlichter. Paul Kleinschmidt hat eine andere und weniger sensualisierte Beziehung zu seinen Modellen, die er direkt und in ihrer prallen Gegenwärtigkeit auf die Leinwand bannt. Da sind selbst hervorquellende Brüste eher der Situation und einer Freude am Leben geschuldet, denn einer heimlichen sexuellen Begierde. Paul Kleinschmidt hat mit seinen Frauendarstellungen einen Gegenentwurf zu jenen androgynen Wesen geschaffen, die die Bildwelt deutscher Malerei der zwanziger Jahre bevölkern und so, obwohl er keine Akte gemalt hat, in der Tradition von Rubens bis Corinth dem Typus der Frau mit stattlichen Körperformen einen gebührenden Platz in der Wirklichkeit seiner Gegenwart eingeräumt hat.
353
Paul Kleinschmidt
Schuhanziehende Zirkusdame, 1938/1948.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)