Auktion: 459 / Klassische Moderne I am 09.12.2017 in München Lot 628

 
628
Emil Nolde
Schauender, 1931/ 1935.
Aquarell
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 93.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Schauender. 1931/ 1935.
Tuschfederzeichnung und Aquarell.
Rechts unten signiert. Auf dem Unterlagekarton betitelt. Auf festem Japan. 22,3 x 13,6 cm (8,7 x 5,3 in) , blattgroß. Unterlagekarton: 27,3 x 18,5 cm ( 10,7 x 7,2 in).

Aus der wichtigen Zeit der sogenannten Phantasien (1931-1935).
Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther vom 27. Oktober 2017.

PROVENIENZ: Sammlung Emil Frey, Mannheim (seitdem in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Emil Nolde. Aquarelle aus den Jahren 1894-1956, Kunstverein Hamburg, 11.2.-27.3.1967, Nr. 81/ Kunstverein Frankfurt a.M., 8.4.-27.5.1967.
Idee und Wirklichkeit - Handzeichnungen und Aquarelle des 20. Jahrhunderts aus Privatbesitz, Satädtische Kunstsammlung Ludwigshafen a.Rh., 11.10. - 1.11.1970, Nr.148.
Emil Nolde - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik, Kunsthalle Köln 1973, Kat.-Nr. 81 (Abb. 47).
Sammlung eines Kielers, Kunsthalle Kiel, 3.2.-3.3.1974, Nr.141.
Emil Nolde, Beethovenhaus Villingen-Schwenningen, 18.5.-5.6.1974, Nr.46.
Kunst des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung F., Pfalzgalerie Kaiserslautern 15.2.-14.3.1976, Kat.-Nr. 262.

LITERATUR: Heinz Fuchs, Gaben des Augenblicks, vierundvierzig unveröffentlichte Zeichnungen und Aquarelle aus der Sammlung Frey, Heidelberger Kunstverein 1964, S. 22 (Abb.).
"Es sind besonders schöne Aquarelle, in einer Höhe wie ich sie noch nie hatte"
Emild Nolde an Hans Fehr, 1932

Essay
Einmal mehr gelingt es Nolde in der Technik des Aquarells sich selbst und seine Meisterschaft zu übertreffen. Aus den scheinbar zufällig gesetzten Farbklecksen arbeitet er mit Tusche und Feder zeichnerisch die Umrisse des Schauenden heraus. Die sehr polychrome Auffassung basiert auf einer künstlerischen Freiheit, die sich Nolde in diesen Jahren erarbeitet hat und die seinem gesamten späteren Werk ihre Prägung gibt. Der Gestaltungswille, aus dem Pinselstrich und der Farbe den Gegenstand zu formen, findet sich hier bis auf das Äußerste gesteigert. Der farbdurchtränkte Bildgrund entwickelt mit seinen sanften Übergängen eine eigene Dynamik und bedarf einer beschreibenden Zeichnung. Der Betonung des Malerischen steht das gezeichnete Motiv gegenüber und verleiht der Komposition ihren besonderen Reiz. Als Nolde erstmals 1934 die Phantasien bei Ferdinand Möller in Berlin präsentiert sind sie eine Sensation, werden aber kontrovers diskutiert. Nolde, der sich eigentlich als Figurenmaler versteht, wendet sich wegen lauter werdender Kritik an seinem "abnormen" und "negroiden" Figurendarstellungen vermehrt den weniger verfänglichen Landschafts- und Blumendarstellungen zu, bei denen er seinen ungestümen Malstil beibehalten kann. Ab 1938 zieht sich Nolde immer mehr zurück und malt seine "ungemalten Bilder", gestalterische Grundlage für diese sind jene farbkompositorische Lösungen, die er sich in den "Phantasien" erarbeitet hatte. [SM]
628
Emil Nolde
Schauender, 1931/ 1935.
Aquarell
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 93.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen