Auktion: 474 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 23.11.2018 in München Lot 28

 
28
Adrian Ludwig Richter
Hirten am Feuer (Abendlandschaft), Ca. 1861.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 21.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Hirten am Feuer (Abendlandschaft). Ca. 1861.
Öl auf Leinwand , braun in braun, über Bleistift.
Friedrich 81 (mit dem Titel "Ruhe auf der Flucht"). 50,5 x 69,5 cm (19,8 x 27,3 in).
Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet.

PROVENIENZ: Helene Kretzschmar, geb. Richter, Tochter des Künstlers.
Sammlung Professor Viktor Paul Mohn (1842-1911) und Margarethe Mohn, geb. Gaber, Enkelin des Künstlers (1853-1928), Dresden/Berlin.
Sammlung Dr. Georg Blohm, Hamburg.
Galerie Commeter, Hamburg, Kat. 34, Sammlung Dr. Georg Blohm, Auktion 7.-10. November 1927, Lot 1382, sw-Abb. Tafel XXVI.
Privatsammlung Hamburg (bei Vorgenannter erworben), seitdem in Familienbesitz.

"Eine wundervolle abgeklärte Ruhe, voll reiner Stimmung, schlicht wie ein Volkslied."
Victor Dirksen, Galerie Commeter, Hamburg, 1927.

Essay
Adrian Ludwig Richter ist der wohl bekannteste deutsche Illustrator des 19. Jahrhunderts. Sein umfangreiches Œuvre umfasst Zeichnungen, Radierungen und Holzschnittillustrationen, die durch Buchpublikationen weit verbreitet und unter Sammlern sehr beliebt sind. Sein malerisches Werk, das weniger als hundert Gemälde umfasst, ist dagegen äußerst selten auf dem Kunstmarkt vertreten. Die wohl bekanntesten Gemälde, darunter "Civitella (Der Abend)" und "Ariccia (Der Morgen)" (1827/28), befinden sich heute in der Galerie Neue Meister in Dresden. Sie stehen beispielhaft für Richters charakteristische Kombination von romantischer Landschaftsmalerei mit biedermeierlichen Genredarstellungen, die zunächst durch die italienische Landschaft und schließlich ab Mitte der 1830er Jahren durch die deutsche inspiriert sind. Richter arbeitet meist über längere Zeit hinweg an einem Motiv, verändert einzelne Elemente und greift sie später wieder auf. So finden sich auch ähnliche Motive des hier angebotenen Gemäldes "Hirten am Feuer" von 1861 bereits Jahre zuvor in seinen Arbeiten: 1846 erscheint die Holzschnittillustration "Hirten und Herde, Mutter mit Säugling bei Vollmond" in dem Buch "Hymnen für Kinder" (Hoff/Budde 1189). Ebenso enthält der 1864 herausgegebene "Neue Strauss für‘s Haus" ein Werk "Mondnacht. Mutter stillt ihr Kind vor dem Feuer; zwei Hirten blasen die Schalmei; hinten der Hund, vorn die Schafe" (Hoff/Budde 527). Selbst 1873 noch greift Richter bei seinem sogenannten letzten Aquarell "Ruhe auf der Flucht", das sich heute in der Berliner Nationalgalerie befindet, auf einige dieser Motivelemente zurück. Unser in warmen Brauntönen gehaltenes Gemälde "Hirten am Feuer" ist vermutlich aufgrund von Richters Augenleiden unvollendet geblieben, dennoch – oder gerade deshalb? – ist es "ein Werk von wundervoll abgeklärter Ruhe", wie Dr. Victor Dirksen bereits 1927 im Katalog der Galerie Commeter schreibt. In den 1860 und 1870er Jahren malt Richter nur noch vereinzelte Gemälde, vermutlich aufgrund seines starken Augenleidens, das immer weiter fortschreitet, bis er 1873 ganz mit dem Zeichnen aufhören muss. Nach seinem Tod 1884 ehrt ihn seine Heimatstadt Dresden mit einem prunkvollen Staatsbegräbnis. [CB/FS]
28
Adrian Ludwig Richter
Hirten am Feuer (Abendlandschaft), Ca. 1861.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 12.000
Ergebnis:
€ 21.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)