Auktion: 465 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.05.2018 in München Lot 66

 
66
Edward Theodore Compton
Hoher Göll vom Watzmann-Hocheck, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Hoher Göll vom Watzmann-Hocheck. 1919.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. Verso mit Farbstudie in Öl des Starnberger Sees (Roseninsel). 61 x 91,2 cm (24 x 35,9 in).

PROVENIENZ: Privatbesitz Süddeutschland.

LITERATUR: Jürgen und Sibylle Brandes, E. T. Compton. Maler und Bergsteiger, München 2007, S. 87 (m. Farbabb. 159).
Siegrfried Wichmann, Compton. Edward Theodore & Edward Harrison. Maler und Alpinisten, Stuttgart 1999, S. 50-51, 170-171 (m. Farbabb., hier abweichend betitelt als "Totes Gebirge (Grosser Priel 2.515 m, Wildkogelgruppe, Grosser Warschensteinstock)").
"Wenn wir oft nach schwieriger, nicht enden wollender Arbeit einen Hochgipfel erreichten, begann Compton sofort mit der Arbeit. Wie oft schob ich ihm mundgerechte Bissen in den Mund, da er fieberhaft zu arbeiten begann, in der Furcht, dass neidische Wolken die umgebende Bergwelt vorschnell verhüllen könnten." (K. Blodig, zit. nach: Brandes, S. 38)

Essay
Edward Theodore Compton verarbeitet Zeit seines Lebens die auf unzähligen Bergtouren in den Alpen, den Pyrenäen, in Korsika und Schottland gewonnenen Eindrücke in seinem umfangreichen Oeuvre mit Ölgemälden, Aquarellen und Tuschzeichnungen. Compton hält die Form- und Farbspiele der Gebirgswelt in zahlreichen Skizzen fest. Auf seinen Bergtouren führt der Bergsteigerkünstler stets einen Aquarell-Malkasten und ein Skizzenbuch mit. In der Hütte angekommen, vervollständigt er diese Skizzen mit Farbe. Besonders imposante Farbstimmungen – die in den Bergen von grosser Flüchtigkeit sind - hält er durch Beschriftungen fest, noch bevor er zu zeichnen beginnt.
Unser Gemälde zeigt den Hohen Göll vom Watzmann-Hocheck aus gesehen, bei dem es sich mit 2522 m um den höchsten Gipfel am Ostrand der Berchtesgadener Alpen handelt. Das im Abendlicht rot gefärbte, imposante Gebirgsmassiv ist ein beliebtes Motiv schon namhafter Landschaftsmaler wie Carl Rottmann, der den Hohen Göll und das Lichtphänomen des sogenannten Alpenglühens zu seinen beliebtesten Motiven zählt. Diese besondere Lichtstimmung gibt auch Compton wieder, der die Farbwirkung durch die Gegenüberstellung warmer Rot- und Rosétöne gegen das kühle Blau gekonnt steigert. Zudem arbeitet Compton das kahle, teilweise vom Schnee bedeckte Felsenmeer durch die Überlagerung mehrerer Farbschichten aus dem Bildgrund plastisch heraus. Diese dramatische und nahezu haptisch erfahrbare Inszenierung der Felslandschaft beschreibt Wichmann mit den treffenden Worten: "Felsen sind für ihn [Compton] strukturierte Gebilde von großer Erlebniskraft. Es ist eine neue, unvergleichbare Form der Fernsicht über eine Felskulisse, die dadurch den Tiefenraum besonders deutlich macht." (zit. nach Wichmann, S. 51). Fast ausnahmslos besitzen die Werke Comptons mit ihren topografisch korrekten Ansichten zudem dokumentarischen Wert, auch im Hinblick auf die im 19. Jahrhundert erfolgte Erschließung der Alpen durch die Bergsteigerpioniere der Alpenvereine. Compton ist selbst ein begeisterter und begnadeter Bergsteiger, der als Kamerad hoch geschätzt und geachtet wird und sogar an einigen Erstbesteigungen beteiligt ist. Bis ans Lebensende reist er von Feldafing aus noch in die Berge. Das hier angebotene Werk von 1919 zählt zu den letzten Arbeiten des Bergsteiger-Künstlers. Bemerkenswert ist auch die verso zu sehende Ölskizze der Roseninsel auf dem Starnberger See, die in ihrem schnellen lasierenderen Duktus und feinen Farbnuancierungen die intuitive Auffassungsgabe der Natur und spontane Arbeitsweise Comptons eindrucksvoll vor Augen führt. [FS]
66
Edward Theodore Compton
Hoher Göll vom Watzmann-Hocheck, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 30.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)