Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 119000591

 
119000591
Hermann Max Pechstein
Tänzer, 1910.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 600.000 - 800.000
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Objektbeschreibung
Tänzer. 1910.
Öl auf Leinwand.
Soika 1910/50. Rechts unten monogrammiert und datiert sowie verso auf der wiederum bemalten Leinwand signiert, datiert und betitelt. 51 x 55,4 cm (20 x 21,8 in).
Verso die verworfene Komposition "Frauenbildnis und Blattwerk". [CH].
- Solitär von musealer Qualität.
- Exzentrisches Tanzmotiv zur besten "Brücke"-Zeit.
- 2019 auf dem Cover des Ausstellungskatalogs und auf den Plakaten zur Ausstellung "Tanz! Max Pechstein. Bühne, Parkett, Manege" im Max-Pechstein-Museum in Zwickau.
- Geschlossene Provenienz mit bedeutenden Sammlerpersönlichkeiten
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PROVENIENZ: Felix Hollaender, Berlin (ca. 1910 beim Künstler erworben).
Michael Thomas, Berlin/England/Hamburg (eigentlich Ulrich Hollaender, Sohn des Vorgenannten, bis 1957).
Privatsammlung Schweiz/Deutschland (1957 aus vorgenannter Sammlung erworben).
Seitdem in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Der junge Pechstein. Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, Hochschule für bildende Künste in Gemeinschaft mit der Nationalgalerie der Ehemals Staatlichen Museen, Berlin, 1.2.-15.3.1959, Kat.-Nr. 66.
Künstler der Brücke in Berlin 1908-1914. Ein Beitrag zur Geschichte der Künstlergruppe Brücke, Brücke-Museum, Berlin, 1.9.-26.11.1972, Kat.-Nr. 69 (sw-Abb. Tafel 38).
Max Pechstein, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Cappenberg, 8.8.-18.10.1989 (Farbabb. S. 79).
Die Expressionisten. Vom Aufbruch bis zur Verfemung, Museum Ludwig, Köln, 1.6.-25.8.1996, Kat.-Nr. 351.
Max Pechstein. Körper, Farbe, Licht, Kunstmuseum Ravensburg, 28.11.2015-10.4.2016 (Farbabb. S. 29).
Tanz! Max Pechstein. Bühne, Parkett, Manege, Max-Pechstein-Museum, Kunstsammlungen Zwickau, 6.4.-14.7.2019, Kat.-Nr. 51 (Farbabb. S. 90).

LITERATUR: Stuttgarter Kunstkabinett, 30. Auktion, Moderne Kunst, 27.11.1957, Lot 836 (mit sw-Abb., Tafel 19).
".. so ein Körper gibt doch mehr Anregung, als eine Landschaft es zu tun vermag, .." Max Pechstein, 1908

Essay
Der Beitritt zur Künstlergruppe "Brücke" im Jahr 1906 bedeutet für Hermann Max Pechstein eine künstlerische Zeitenwende, in der neue Lebensentwürfe und gesellschaftliche Reformbestrebungen auf seine Generation Einfluss nehmen. Das gemeinsame Arbeiten mit Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff beflügelt den in Dresden noch studierenden Künstler. Zu seinem Abschluss erhält Pechstein den Sächsischen Staatspreis (Rompreis) für Malerei und fährt mit dem Stipendium im Herbst 1907 zunächst nach Italien und noch im Dezember nach Paris, wo er bis September 1908 bleibt und seine künstlerische Basis findet. Hier trifft Pechstein auf die aktuellen Kunstströmungen, entdeckt den Malstil der "Fauves" und nicht zuletzt Kees van Dongen. Ihn kann Pechstein überreden, sich der "Brücke" anzuschließen und Mitglied der Dresdener Bewegung zu werden. Van Dongens "barocke" Malweise und ungestüme wie kraftvolle Farbsetzung beeindrucken Pechstein nachhaltig, sie kommen seinem Empfinden für Malerei ausgesprochen entgegen. Das Pariser Nachtleben, der Besuch von Ballett- und Tanzaufführungen werden dem hungrigen Künstler nicht entgangen sein. Wieder in Berlin festigt er seine Stellung in der Szene mit den Präsentationen in der Berliner Sezession 1908 und 1909. Mit dem gemeinsamen Zeichnen und Malen mit den anderen "Brücke"-Künstlern, etwa an den Moritzburger Seen bei Dresden, entwickelt er seinen persönlichen Malstil entscheidend weiter und findet die Sicherheit in der Auswahl extremerer Motive.
Pechstein bleibt in Berlin, ist begeistert von der Welt der Varietés und Theater, ist inspiriert von Tanz und Ballett und den beliebten Tanzcafés und Ballhäusern, in denen sich exotische Figuren, Tänzer*innen und Schauspieler*innen der Halbwelt temperamentvoll und ungezwungen auslassen. Nur 1909/10 malt er seine wenigen Tanzdarstellungen eines Paares in Öl (Tänzerpaar 1909/51, Russisches Ballett 1909/50, Tanz 1909/49). Mit unserem Gemälde "Tänzer" von 1910 gelingt es Pechstein, die hohe Anspannung, die rhythmische Bewegung der Körper der beiden Tanzfiguren auf der Leinwand buchstäblich festzuhalten. Man spürt förmlich die anstachelnde Musik, die erotische Atmosphäre, die sich wie ein unsichtbarer Nebel zwischen der überbordenden, von losgelassener Enthemmung geprägten Tanzszene ausdehnt, gefangen von rosarotem und blauem Farbenrausch im Hintergrund.
Was war es für ein Ereignis, das Pechstein zu solch einer befreiten, großartigen Komposition anregt? Wir können es nicht sagen, aber noch im selben Jahr wird das Gemälde Felix Hollaender in seinen Bann ziehen. Ihm ist diese ausgelassene Welt als Schriftsteller, Kritiker, Dramaturg, Regisseur und unter anderem bei Max Reinhardt am Deutschen Theater Mitwirkenden nicht unbekannt und er wird die "Tänzer" mit Freude erwerben. Nach seinem Tod 1931 verbleibt das Gemälde im Erbgang in der Familie. Erst 1957 wechselt die Tanzszene in Schweizer Privatbesitz, wo sie bis heute verbleibt. Der Tanz wir zum "Symbol der ganzen Pechstein-Kunst", so der Berliner Kunsthistoriker und Kritiker Max Osborn, seit der gemeinsamen Schulzeit in Berlin mit Felix Hollaender befreundet, in seiner umfassenden Monografie über Max Pechstein, erschienen in Berlin 1922. [MvL]
 


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