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Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 122

 
Objektbeschreibung
Mit gotischem Rot. 1963.
Öl auf Leinwand.
Scheibler 1056. Unten rechts signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen signiert, betitelt, datiert. Verso auf der Leinwand "Nay". 110 x 100 cm (43,3 x 39,3 in).

- Aus dem Jahr vor der wichtigen Documenta
- Zur Werkgruppe der "Augenbilder" zählend.
- Von großer Farbdynamik und Intensität geprägt.
- Namhafte Ausstellungen
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Frankfurt a. M.
Galerie Klauspeter Westenhoff, Hamburg 1989.
Privatsammlung Schweiz.

AUSSTELLUNG: Galerie Günther Franke, München 23.9.- Ende 10.1963, Kat.-Nr. 6 (hier Titel "Vierung").
M. Knoedler & Co., New York 21.1.- 8.2.1964
Ernst Wilhelm Nay - Gemälde 1955-1964, Kunstverein Hamburg 26.9 - 25.10.1964, Katnr. 44
Orangerie Reinz, Köln (Verso auf dem Keilrahmen mit einem Etikett).



Essay
1963 findet Ernst Wilhelm Nay zu einer neuen Ausformung seines bildnerischen Ausdrucks. Aus der Überlagerung von Scheibenformen mit Linien und Gittern entsteht die Assoziation eines Auges: so entstehen ab 1963/64 die "Augenbilder". Im Jahr seiner Entstehung wird unser Werk mit anderen Arbeiten dieser Werkgruppe auf wichtigen Einzelausstellungen in der Galerie Günther Franke, München, und 1964 in New York und Paris bei Knoedler gezeigt. Der Titel, unter dem das Gemälde bei Günther Franke zu sehen ist, gibt einen wertvollen, weiterführenden Hinweis: "Vierung". Ein Begriff, der in der sakralen Architektur den Kreuzungsraum von Lang- und Querhaus im Kirchenraum bezeichnet. Weitere frühe Gemälde dieses Werkabschnittes der Augenbilder lauten "Vierfalt in Rot", "Vierfalt - Blau" oder "Vierklang". Das Zusammenspiel der vier Formen und Farben wird in diesen vier Gemälden des Jahres 1963 variiert. Unser Werk ist dasjenige, welches durch die Übergitterung mit schwarzen und weißen Linien am stärksten als eines der ersten Augenbilder zu erkennen ist. Bei aller farblichen Dominanz stehen die vier scheibenförmigen Farbflächen mit angedeuteter Augenfüllung doch eher im Hintergrund, sie werden von der in Schwarz und Weiß gehaltenen Rhythmisierung dominierend überlagert. Im Zentrum des Bildes, dem Kreuzungspunkt (also der Vierung), schwebt ein mit kräftigen Strichen angedeutetes Auge. Im Folgejahr 1964 montiert E. W. Nay auf der Documenta III riesige Augenbilder unter die Decke. Dies zeigt, dass die architektonisch-räumliche Komponente durchaus Teil seiner Überlegungen ist, die Augen blicken von oben herab und verstärken dadurch ihre Wirkung. "Dieses Ur-Thema, das Schauen und Angeschaut-werden vereint und in archetypischen Symbolen magische Kräfte und bannende Abwehr verheißt, aber auch Licht und spirituelle Bewußtheit symbolisiert, bedeutet für Nays völlig gegenstandslose Bildgestaltung eine gewaltige Herausforderung." (zit. nach: Elisabeth Nay-Scheibler, in: Museum Ludwig, Ernst Wilhelm Nay, Köln, S. 238). Ebendies ist in "Mit gotischem Rot" bereits fulminant umgesetzt. [EH]
122
Ernst Wilhelm Nay
Mit gotischem Rot, 1963.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 250.000
Ergebnis:
€ 312.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Ernst Wilhelm Nay - Mit gotischem Rot - Rahmenbild
Rahmenbild
Ernst Wilhelm Nay - Mit gotischem Rot - Weitere Abbildung
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