Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 119001880

 
119001880
Alexej von Jawlensky
Abstrakter Kopf: Winterstimmung, 1932.
Öl
Schätzpreis: € 240.000 - 280.000
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Objektbeschreibung
Abstrakter Kopf: Winterstimmung. 1932.
Öl auf strukturiertem Velin, vom Künstler auf feste Malpappe aufgelegt.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky 1402. Links unten monogrammiert, rechts unten datiert sowie verso auf der Malpappe nummeriert "N. 29". Verso von der Kunsthändlerin und guten Freundin Jawlenskys, Galka Scheyer, handschriftlich bezeichnet "Winterstimmung, 1932" sowie "made in Germany, Winter's mood". Verso zudem ein Galerie-Etikett der E. and A. Silberman Galleries, New York. 33,8 x 26,1 cm (13,3 x 10,2 in). Malpappe: 42,1 x 31,7 cm ( 16,6 x 12,5 in).
Das vorliegende Werk ist in dem vom Künstler und seiner Sekretärin Lisa Kümmel 1934 erstellten sog. Cahier Noir mit den Werklisten seiner Arbeiten auf S. 54 verzeichnet.
- Beeindruckende Provenienzen.
- 8 Jahrzehnte beeindruckender Ausstellungshistorie.
- Eines der Werke Jawlenskys, die das Œuvre der sog. "Blauen Vier" um Jawlensky, Feininger, Kandinsky und Klee mithilfe Galka Scheyers in Amerika bekanntmacht
.

PROVENIENZ: Galka Scheyer, Hollywood, USA (1933 direkt vom Künstler erhalten; das Werk ist auf der Liste von Werken enthalten, die Jawlensky 1933 an Scheyer sendet).
Sammlung Audrey Lowe Levin, St. Louis, USA (1954 erworben, verso mit einer handschriftlichen Bezeichnung).
Sammlung Sam J. Levin, St. Louis, USA (bis 1992, von der Vorgenannten 1991 durch Erbschaft erhalten).
Privatsammlung USA.
Galerie Thomas, München (ab 2008).
Privatsammlung Berlin.

AUSSTELLUNG: Deutscher Künstlerbund, Städtische Kunsthalle Königsberg, 16.6.-31.7.1932, Museum Danzig, 10.8.-2.10.1932, Kat.-Nr. 157
Deutscher Künstlerbund, Kunsthalle zu Kiel, 4.2.-4.3.1933, ohne Kat.
Homage to Jawlensky. Retrospective, Nierendorf Gallery, New York, Mai 1939, Kat.-Nr. 59.
Alexej von Jawlensky, Sidney Janis Gallery, New York, 4.3.-30.3.1957, Kat.-Nr. 45 (verso mit dem typografisch bezeichneten Galerie-Etikett).
18th, 19th, 20th Century Paintings, Joe and Emily Lowe Art Gallery, University of Miami, Coral Gables, FL, Juli bis September 1962.
Artist and Maecenas. A Tribute to Curt Valentin, Marborough-Gerson Gallery, Inc., New York, 1963, ohne Kat. (verso mit dem typografisch bezeichneten Galerie-Etikett).
3. Art Dubai, Galerie Thomas, Madinat Arena, Dubai, 19.3.-21.3.2009, S. 34 (mit Abb.).

LITERATUR: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köln 1959, Nr. 360.
Sotheby's, New York, 25.2.1992, Lot-Nr. 30 (mit Farbabb.).

Essay
In dieser für den Künstler sehr schwierigen und entbehrungsreichen Zeit ist er nicht nur auf die Unterstützung der von seiner ab 1927 engen Freundin, der Frankfurter Galeristin Hanna Bekker vom Rath gegründeten Jawlensky-Gesellschaft angewiesen, sondern auch auf die Bemühungen und Verkaufserlöse der ab 1924 vornehmlich in Amerika lebenden Emilie Esther Scheyer, oft Emmy und von Jawlensky aufgrund ihrer pechschwarzen Haare später liebevoll "Galka" [russ.: Dohle] genannt. Bereits 1916 lernt Jawlensky die jüdische Kunsthändlerin und -sammlerin in der Schweiz kennen, wo er nach seiner Ausweisung aus Deutschland im Exil lebt. Schon seit mehreren Jahren leidet der Künstler an immer wieder aufflammender Arthritis, die seine Bewegungsfreiheit immens einschränkt und ihn zeitweise gar ans Bett fesselt. Relativ zurückgezogen lebt er nun in seiner Wiesbadener Wohnung. Ab 1933 wird er in Deutschland angesichts der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit mit einem Ausstellungsverbot belegt. In den deshalb wirtschaftlich wie gesundheitlich so problematischen 1930er Jahren erweist sich die enge Freundschaft zu Emmy Scheyer als wahrhaftige Rettung in der Not. Jawlensky schreibt ihr 1932, im Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit: "Ich leide sehr, aber auch ich lebe - ich liege nicht immer. Ich arbeite sitzend auf mein Bett. Das einzige was ich habe – Arbeit. Aber Wille, Kraft, Nerven und Ekstase sind nottwendig. In meinen Zustand ist das sehr schwer zu besitzen. Aber ich habe Wille und ich liebe, ich liebe Kunst über alles. [..] Ich spreche mit dem Gott, ich bete ihm, in meinen Arbeiten. [..] Ich habe sehr schöne Bilder. Einige sind Kunstwerke. Ausstrallen unglaublich stark ein geheime Leben. Und sind sehr schön." (zit. nach: Ausst.kat. Die Blaue Vier, Kunstmuseum Bern/Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, 1997-1998, S. 77). Aufgrund ihrer Leidenschaft für die Moderne Kunst betätigt sich Emmy Scheyer ab 1924 als Agentin für Jawlensky, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee, die sie als Künstlergruppierung mit dem Namen "Die Blaue Vier" am amerikanischen Kunstmarkt zu etablieren versucht. Sie organisiert Vorträge und Ausstellungen und tatsächlich gelingt es ihr zwischen 1925 und 1940 insgesamt fast 60 Ölgemälde sowie einige Aquarelle und Lithografien der Künstler zu verkaufen. Auch das hier vorliegende Werk "Abstrakter Kopf: Winterstimmung" sendet Jawlensky 1933 zum Verkauf an Scheyer nach Amerika. Mit ihren zarten, den ihr gegebenen Titel widerspiegelnden kühlen Farben dokumentiert die Arbeit als ästethisch besonders ansprechendes Beispiel der Abstrakten Köpfe die bewusste, durch Jawlenskys Krankheit noch beschleunigte Hinwendung zu einer immer konsequenteren Abstraktion, aus der sich in den darauffolgenden Jahren dann die formal noch freieren, stilleren Meditationen entwickeln. Galka Scheyer ist begeistert von der Kunst der "Blauen Vier" und insbesondere von Jawlenskys Köpfen schwärmt sie: "Jawlensky hat den menschlichen Kopf als solchen in eine Sprache des abstrakten Lebens transponiert, hat ihn aus seinem Erdendasein herausgehoben, um die Seele und den Geist zu manifestieren. Die neuen Gesetze, die er dabei gefunden hat, sind mathematische. Er hat die Gesetze der anderen Künste in seine Bilder hineingenommen: die Architektur in den Gleichgewichten der Farben, die Musik in den klanglichen Rhythmus der Farben, den Tanz als Linie der Farben, die Skulptur als Form der Farben, die Poesie als Inhalt oder als Wort der Verkündigung der Farben, die Malerei aber als symphonische Zusammenfassung" (zit. nach: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köln 1959, S. 106). Jawlenskys Künstlerkollegen teilen ihre Meinung. Karl Schmidt-Rottluff erwirbt einen, Paul Klee zwei und Kandinsky ebenfalls einen der Abstrakten Köpfe für ihre privaten Sammlungen. [CH]
 


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