Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 119001912

 
119001912
Jean Dubuffet
L'Esplanade rose, 1953.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
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Objektbeschreibung
L'Esplanade rose. 1953.
Öl auf Leinwand.
Loreau VIII 66. Oben links signiert und datiert sowie verso auf der Leinwand signiert, datiert "Mai 1953" und betitelt. 89 x 116 cm (35 x 45,6 in).

- Vergleichbare Arbeiten aus der Werkfolge der "Pâtes battues" befinden sich bspw. in der Tate Gallery in London (La vie affairée, 1953), im Museum Folkwang in Essen (Paysage à la chauve-souris, 1952) oder im MACBA/Museu d'Art Contemporani de Barcelona (Le chien jappeur, 1953).
- Landschaft im typischen Dubuffet-Duktus.
- Von außergewöhnlicher Farbigkeit.
- 1954 Teil der ersten Retrospektive der Werke Jean Dubuffets im Cercle Volnay, Paris
.
Wir danken der Fondation Dubuffet, Paris, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie René Drouin, Paris.
Prinz Igor Nikolayevich Troubetzkoy, Paris.
Galerie Artcurial, Paris (verso auf der Rahmenrückwand mit dem Galerieetikett).
Galerie Bernard Cats, Brüssel.
Jablonka Galerie, Köln.
Galerie Michael Haas, Berlin.
Privatsammlung Rheinland.

AUSSTELLUNG: Exposition de Peintures, Dessins et Divers Travaux Exécutés de 1942 à 1954 par Jean Dubuffet, Cercle Volnay, Paris, März bis April 1954, Kat.-Nr. 121 (mit Abb., verso auf der Rahmenrückwand mit zwei entsprechenden Etiketten, handschriftlich wie typografisch bezeichnet).
Un Art Autre / Un Autre Art. Les Années 50, Artcurial, Paris, April bis Juli 1984, Kat.-Nr. 39 (mit Abb.).
Die Würde und der Mut. L’Art moral, Galerie Georg Nothelfer, Berlin 1991, Kat.-Nr. 358 (mit Abb., verso auf der Rahmenrückwand mit dem Galerieetikett).
Jean Dubuffet. Bilder, Federzeichnungen, Lithografien, Radierungen, Galerie Klewan, München, September 1995.

LITERATUR: Sotheby’s, London, Contemporary Art, 26.6.1996, Sale-Nr. LN6 377, Lot 37.
Christie’s, New York, Post War and Contemporary Art, 12.5.2005, Lot 238 (verso auf der Rahmenrückwand mit zwei kleinen Etiketten).
"Ich strebe nach einer Kunst, die direkt in unserem täglichen Leben verbunden ist und aus ihm hervorgeht, die die unmittelbare Ausstrahlung unseres wirklichen Lebens und unserer wahren Empfindungen ist."
Jean Dubuffet in seiner Rede "Antikulturelle Standpunkte" im Arts Club of Chicago am 20. Dezember 1951

Essay
"Ich halte den Schönheitsbegriff für ganz verfehlt. [..] Kein Mensch bezweifelt, dass es Schönheit gibt, aber man findet keine zwei, die sich einig würden, welche Dinge damit begnadet sind oder nicht. [..] Ich finde den Begriff der Schönheit aber eine kümmerliche und wenig scharfsinnige Erfindung. Ich kann mich nur mäßig daran begeistern. [..] Würde [dem Abendland] bewusst, dass jeder beliebige Teil der Welt für jeden Zauber und Anziehungskraft enthalten kann, dann müsste es dabei nur gewinnen." (Jean Dubuffet in seiner Rede "Antikulturelle Standpunkte" im Arts Club of Chicago am 20. Dezember 1951, zit. nach: Dubuffet. Retrospektive, Akademie der Künste, Berlin u. a., 7.9.-26.10.1980, S. 66f.) Als Wegbereiter des Art Brut und Gegner der akademischen Kunst sowie des etablierten Kulturbetriebs stellt Jean Dubuffet nicht nur den allgemein geltenden Schönheitsbegriff in Frage, sondern immer wieder auch die von ihm selbst verwendeten Techniken und künstlerischen Ziele innerhalb seiner vielseitigen Werkphasen. Erst zu Beginn der 1940er Jahre widmet er sich nach einer mehrjährigen Unterbrechung erneut der Malerei und beginnt so mit bereits 42 Jahren seinen eigentlichen kreativen Werdegang. Sein nun gestaltnehmendes Œuvre ist gezeichnet von künstlerischer Erneuerung, innovativen Ideen und der Anwendung gänzlich neuartiger, experimenteller Techniken. So verarbeitet er in einigen Arbeiten beispielsweise Schmetterlingsflügel, aber auch Beimischungen von Sand, Teer oder getrockneten Blättern finden in seinen Werken Verwendung. Die 1950er Jahre erweisen sich als für seine künstlerische Karriere und die Rezeption seiner Werke bestimmende Phase. Das Kunstforum schreibt 1991: "Mit den Bildern und Collagen der fünfziger Jahre beginnt Dubuffets (ungesuchter) Ruhm als einer der - mit Fautrier, Tapiès und Schumacher - wichtigsten europäischen Materialmaler" (Bd. 112 Outside USA, S. 395). Im November 1951 zieht es den Künstler nach New York, wo er bis April 1952 in einem Studio in Manhattan arbeitet. In diesen Monaten hält er zudem die für seine Kunst so grundlegende Rede "Anticultural Positions" im Arts Club of Chicago. Im Frühjahr 1953, dem Entstehungsjahr des hier angebotenen Werkes, wendet sich Dubuffet mit seiner Bildfolge der "Pâtes battues" von seinen zuvor gern herausgearbeiteten reliefartig-erhabenen Bildoberflächen ab und trägt die nun cremig-pastosen Farbmischungen mit einem Spachtel auf die Leinwand auf. Dabei verwendet er nicht mehr nur die gedeckten, erdigen Töne seiner früheren Arbeiten, sondern greift auf eine viel buntere Palette zurück, wie die vorliegende Arbeit mit ihren kräftigen, frischen Orange- und satten Rottönen zu veranschaulichen weiß. Die glatte, weiche Farbmasse legt der Künstler über zuvor angelegte Farbschichten, flächige Untermalungen schauen hervor, Farben überlagern sich, werden an einigen Stellen durch flüchtig geritzte Markierungen des Künstlers durchbrochen und durch nur wenige gegenständliche Elemente wie der Staffage der menschlichen Figuren erweitert. Jeglicher Ansatz einer perspektivischen Räumlichkeit wird mit dem weit am oberen Bildrand angesetzten Horizontstreifen ausgehebelt, der jedoch zugleich ganz subtile romantische Referenzen an die klassische Landschaftsmalerei hervorruft. Der Künstler erreicht mit diesem Werk ein zutiefst expressives, sehr lebendiges Bildgefüge mit gewissermaßen ganz ursprünglichem, spontanem Charakter und von einer äußerst faszinierenden Unmittelbarkeit, mit dem das Werk die unkonventionelle Kunstauffassung Dubuffets auf großartige Weise zu visualisieren vermag. [CH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Jean Dubuffet "L'Esplanade rose"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.