Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 403

 
403
Lovis Corinth
Klostergarten, 1917.
Öl über Bleistift auf leinwandstrukturiertem Pa...
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
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Objektbeschreibung
Klostergarten. 1917.
Öl über Bleistift auf leinwandstrukturiertem Papier, aufgezogen auf Leinwand.
Berend-Corinth 709. Auf der Rückseite mit einer Bestätigung von Charlotte Berend-Corinth, die es persönlich aus dem Atelier des Malers fortgegeben hat. 47 x 65 cm (18,5 x 25,5 in).

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Ismar Littmann, Breslau (mind. 1927 bis mind. Sommer 1933).
Georg Heimann, Breslau (Direktor der Privatbank Dobersch & Bielschowsky, bis Nov. 1935, Sicherheitsübereignung: Einlieferung für Littmann bei Lepke, 1./2.11.1935).
Wilhelm van Suntum, Bünde in Westfalen (ab 1935: Lepke, 1./2.11.1935, bis mind. 1950).
Frankfurter Kunstkabinett (1982).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (bis 2020).
Gütliche Einigung mit den Erben nach Ismar Littmann (2020).
Das Werk ist frei von Restitutionsansprüchen. Das Angebot erfolgt in freundlichem Einvernehmen mit den Erben nach Ismar Littmann auf Grundlage einer fairen und gerechten Lösung.

AUSSTELLUNG: Lovis Corinth - Gedächtnisausstellung, Sächsischer Kunstverein, Dresden, 1927, Nr. 87 (Eigentümer: Ismar Littmann).
Catalogue of the most modern examples of paintings of the Ecole de Paris by French and German masters (..), Whitechapel Art Gallery, London, ohne Datum (wohl 1933), Nr. 8.
Exhibition of modern french paintings (Ecole de Paris), Beaux Arts Gallery, London, 7 Juni bis 24 Juni, ohne Jahr (1933), Nr. 8.
Lovis Corinth, Kunsthaus Bielefeld, 7.1.-5.2.1951, Nr. 15.
Von Sisley bis Rohlfs - Meisterwerke des Impressionismus und Neoimpressionismus, Kunsthaus Apolda Avantgarde, 16.6.-15.9.2002, Nr. 9.

LITERATUR: Rudolph Lepke, Berlin 1./2.11.1935, Antiquitäten, Gemälde, Modernes Mobiliar, Los 474.

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 17.18 h +/- 20 Min.

Essay
Nach seiner Erkrankung 1911/12 kehrt der Maler zu seiner alten Kraft zurück, allerdings ist die Rechte, seine Malhand, fortan von einem starken Zittern befallen. Ein Film von 1923, der die Entstehung eines Gartenbildes in der Klopstockstraße dokumentiert, veranschaulicht jedoch eindrucksvoll die unveränderte Urkraft seines Werks. Seine Hand tappt zunächst beinahe fahrig auf der Palette umher, sie zittert ungeheuer, während das Auge gleichsam zielt. Hat der Pinsel die Leinwand jedoch erst einmal berührt, so ist der Zug vollkommen sicher, scheinbar dem Willen unterworfen und ganz ohne Anzeichen des Leidens. Von eben jener Energie zeugt auch der 1917 dargestellte Klostergarten. Skizzenhaft, aber dennoch mit ungeheurer Präzision hält Corinth die architektonischen Begebenheiten fest. Im Stil der Pleinair-Malerei gehalten, lädt die Szenerie, ursprünglich der Entwurf für ein Bühnenbild, den Betrachter ein, unter dem Baum auf der runden Steinbank Platz zu nehmen und in der friedvollen und kontemplativen Atmosphäre der Klosteranlage zur inneren Ruhe zu finden.
Dieses so persönlich anmutende Werk von Corinth lebt auch von seiner Geschichte. Denn es stammt aus einer der bedeutendsten Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts: jener des jüdischen Rechtsanwalts und großzügigen Mäzens Dr. Ismar Littmann. Littmann war in den 1920er Jahren eine zentrale Figur des vibrierenden kulturellen Leben Breslaus. Außergewöhnliche Werke Corinths, die in ihrer Emotionsstärke so gut in diese besondere Epoche passen, waren in seiner Sammlung in großer Zahl vertreten.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte den jähen Wandel. Durch Berufsverbot und Verfolgung vor dem wirtschaftlichen Ruin stehend, wurde Ismar Littmann 1934 in den Selbstmord getrieben. Die einst so bedeutende Sammlung musste in alle Winde zerstreut werden, um der Familie das Überleben zu sichern. Umso erfreulicher ist es, wenn heute mit dem „Klostergarten“ ein Werk aus dieser berühmten Sammlung in bestem Einverständnis mit den Erben nach Ismar Littmann auf Grundlage einer gütlichen Einigung angeboten werden kann. [CE/AT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Lovis Corinth "Klostergarten"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
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Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.