Auktion: 494 / Klassische Moderne am 07.12.2019 in München Lot 427

 
427
Georg Kolbe
Sitzende, 1923.
Bronze
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 81.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Sitzende. 1923.
Bronze mit rötlich-brauner Patina.
Berger 55. Rückseitig am Sockel mit dem Monogramm. Eines von mindestens 16 Exemplaren. 22,8 cm (8,9 in).
Gegossen bei H. Noack, Berlin Friedenau (verso mit dem Gießerstempel). Herausgegeben als Edition der Galerie Gustav Möller, Berlin, 1923.
Harmonischer, früher Friedenau-Guss
Pendant zur "Kauernden"
.
Mit einem schriftlichen Gutachten von Frau Dr. Ursel Berger, Berlin, vom 22. November 2019.

PROVENIENZ: Firmensammlung Nordwest-Medien GmbH & Co. KG, Oldenburg .



Essay
Die "Sitzende" entsteht 1923 als Pendant zu der 1917 geschaffenen "Kauernden". Die Skulptur ist eine der kleinfigurigen Arbeiten, die Georg Kolbe in diesem Jahr gestaltet. Sie zeichnet sich besonders durch die Findung des besonnenen, ruhigen Ausdrucks bei gleichzeitiger formal expressionistisch anmutender Form aus. Die schwierigen Zeiten der vorangegangenen Jahre haben auch bei Georg Kolbe zu einer veränderten, prägnanteren und kantigeren Formgebung geführt. Gegenüber den Vorkriegsjahren hat er nicht mehr die Zartheit von Bewegung und Oberfläche gefunden. Diese Entwicklung ist auch in der "Sitzenden" noch erkennbar, aber diese kleine Figur überwindet die "Verhärtung" der letzten Jahre und drückt in der Körperhaltung und in der Geste des auf die Hand gestützten Gesichtes schon eine große innere Ruhe und Entspanntheit aus. Die "Sitzende" verweist damit schon auf das weitere Schaffen des großen Bildhauers. [EH]