Auktion: 490 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 22.11.2019 in München Lot 61

 
61
Edward Theodore Compton
Über dem Nebelmeer (Monte Rosa vom Rimpfischhorn), 1914.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 55.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Über dem Nebelmeer (Monte Rosa vom Rimpfischhorn). 1914.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. 102 x 162,5 cm (40,1 x 63,9 in).

Wir danken Frau Sybille und Herrn Dr. Jürgen Brandes, Tutzing, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (seit ca. 1985 in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Münchner Jahresausstellung 1914 im königlichen Glaspalast, München, Juli bis Oktober 1914, Kat.-Nr. 433 (verso auf dem Keilrahmen mit dem fragmentarischen Etikett und der Nummerierung).

Essay
In den frühen Morgenstunden zieht sich allmählich der Nebel in die Täler zurück und gibt uns den Blick auf das majestätische Bergmassiv der Walliser Alpen frei, das sich in der Grenzregion zwischen der Schweiz und Italien befindet. Aus der Richtung des Rimpfischhorns und des Strahlhorns blicken wir auf das Gebirgsmassiv Monte Rosa mit den drei Spitzen Punta Gnifetti, Zumstein und Dufour, hinter denen sich rechts der Lyskamm erhebt. Die Dufourspitze ist mit ihren 4.633 Metern nicht nur der höchste Gipfel des Massivs, sondern auch der Schweiz und des gesamten deutschsprachigen Raumes. Edward Theodore Compton ist zu der Entstehungszeit des Werkes 61 Jahre alt und hat schon einige seiner Bergtouren auf Leinwänden verewigt. Autodidaktisch beginnt Compton ab 1863 sich durch Naturstudien das Malen beizubringen, ehe er einige Kunstschulen in England besucht. Als er 18 Jahre alt ist, wandert seine Familie nach Darmstadt aus. Ein einschneidendes Erlebnis für ihn ist die Familienreise ins Berner Oberland im Juli 1868: Bei der Überfahrt des Thuner Sees fasst Compton spontan den Entschluss, Bergmaler zu werden, als sich wie in einer Vision die Berge Eiger, Mönch und Jungfrau durch den sich lichtenden Nebel zeigen. Ab 1869 lebt er als Maler und Bergsteiger in München. Es folgen Reisen nach Nordafrika, Spanien, Korsika, Skandinavien, Österreich und in die Schweiz. Doch keine Region fesselt ihn so sehr wie die Alpen. Seine Malerei ist zunächst noch von der englischen Romantik beeinflusst, entwickelt sich mit der Zeit immer mehr in die realistische Darstellungsweise, wie unsere Ansicht des Monte Rosa exemplarisch belegt. Mit breiten Pinselstrichen und pastos aufgetragener Farbe gelingt es Compton, die Struktur und die Farbigkeit des schroffen Hochgebirges auf die Leinwand zu übersetzen und den realistischen Eindruck an den Betrachter zu vermitteln. Darüber liegt in feinmalerischer Manier unberührter Firn und es ziehen zart getönte Nebelschwaden vorüber. Beinahe meint man, den eisigen Wind am Gipfel selbst auf der Haut zu spüren. Sein besonderes Talent wird auch von den Zeitgenossen erkannt, weshalb er 1880 Mitglied der Royal Academy in London wird. Unser Werk wird im Jahr 1914 in der renommierten Jahresausstellung im königlichen Glaspalast in München ausgestellt. Seine Arbeiten beeinflussen darüber hinaus auch andere Alpenmaler, wie Ernst Heinrich Platz, Karl Arnold und seinen Sohn Edward Harrison Compton. [HO/EL]
61
Edward Theodore Compton
Über dem Nebelmeer (Monte Rosa vom Rimpfischhorn), 1914.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 55.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)