Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 149

 
149
Paul Kleinschmidt
Dirne, sich pudernd, in gelbem Korsett, 1938.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
+
Objektbeschreibung
Dirne, sich pudernd, in gelbem Korsett. 1938.
Öl auf Leinwand.
Lipps-Kant 1938/ 322. Links unten monogrammiert und datiert (in die nasse Malschicht eingeritzt). 121 x 90 cm (47,6 x 35,4 in).

- Unerhörte Dichte der Farben, ausgeprägte Strukturen
- Starke Empathie für den Körper, für eine prachtvolle Ausstattung der Motive
- Aus der Sammlung des Kleinschmidt-Mäzens Erich Cohn in der Corcotan Gallery of Art, Washington, D.C
.

PROVENIENZ: Erich Cohn, New York (1938, direkt vom Künstler).
The Corcotan Gallery of Art, Washington D.C. (Stiftung von Cohn 1963).
Sammlung Rolf Deyhle, Stuttgart.
Privatsammlung Baden-Württemberg.

AUSSTELLUNG: Die Damen des Paul Kleinschmidt, Galerie Klewan, München, 1983 (Ausst.-Kat. mit Abb., o. S.)
Paul Kleinschmidt, Galerie der Stadt Stuttgart, 1983 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Paul Kleinschmidt, Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart, 21.2.-9.4.1988, Kat.-Nr. 34 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Paul Kleinschmidt. Gemälde aus der Sammlung Deyhle, Kunsthalle Tübingen, 31.5.-27.7.1997; Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 12.10.-23.11.1997; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Albertinum, Dresden, 18.1.-14.3.1998 u. a. (Kat.-Nr. 49 mit Abb.).

LITERATUR: Sotheby’s Parke-Bernet, New York, 23.6.1983.
„Die Realität steigern, kostet es, was es wolle.“
Paul Kleinschmidt am 2. September 19445 an Erich Cohn

Aufrufzeit: 06.12.2019 - ca. 18.31 h +/- 20 Min.

Essay
Die Welt des Kabaretts und des Zirkus war für Paul Kleinschmidt ein Fundus der Anregungen für seine figürlichen Arbeiten. Es sind vor allem die üppigen Damen des Nachtlebens, die er wirkungsvoll in Szene setzt. In ihrer Gelassenheit sind sie ohne besonderen Voyeurismus gesehen. Sie ruhen in sich selbst und sind gerade deshalb so aufregend erotisch in ihrer Ausstrahlung. Kleinschmidt gibt ihnen ein Selbstbewusstsein, das sich hinter einer trägen Lässigkeit verbirgt, und er vermittelt seine besondere Liebe zu dem Milieu mit einer schmeichelnden Grazie, die ihre schöne Körperlichkeit umschreibt. In einem Brief vom 12. Oktober 1938 kündigt Kleinschmidt das hier angebotene Werk seinem Mäzen Erich Cohn an: "Ich sende Ihnen 16 Bilder! [..] Ein anderes eine Dirne sich pudernd in sehr gelbem Korsett 90x120 wird Ihnen gefallen, ein Stück Leben ohne Ästhetik." Diese Aussage ist das Credo für das gesamte künstlerische Schaffen von Paul Kleinschmidt. Wie kein anderer lässt sich Paul Kleinschmidt auf das Gewöhnliche ein. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen George Grosz oder Otto Dix ist er ein stiller Beobachter - er kommentiert nicht und ist auch kein Sittenrichter. Was er darstellt ist für ihn real, kein Blendwerk des schönen Scheins. Sein angestrebter Bildausdruck ist detailreich, aber neutral, seine Werke sind von einer üppigen Stofflichkeit sowohl im Bildinhalt als auch in dessen Ausführung. Hier gibt es Korsagen, High Heels, Flakons, Geschmeide und Make-up - Attribute des Weiblichen im Überfluss. Ebenso schwelgerisch ist auch sein Farbauftrag, in pastos üppiger Manier bringt er die Farben auf die Leinwand und erschafft so eine satte körperliche Präsenz derselben. Die besondere Leuchtkraft seiner Bilder erreicht er durch die spezielle Behandlung der Untermalung. Seine entwickelte Technik beschreibt er Cohn im selben Brief wieder am Beispiel des hier angebotenen Werkes: "Ich muß von Beginn der Arbeit alle Einzelheiten ziemlich genau im Kopf haben, möglichst wenig, oder besser keine Änderungen des einmal gefassten - und bereits auf der Leiwand angegebenen farbigen und formalen Planes! Ich lege in diesem Fall ein etwas trüber gehaltenes Gelb in die Untermalung. Auf dieses trübe Gelb lege ich dann später den endgültigen Ton! Dann bekomme ich eine beispielose Leuchtkraft! Ich mach das bei dem gelben Korsett der Zirkusdiva mit Puderquaste! Das ist es!" (zit. nach Paul Kleinschmidt, Ausst.-Kat. Tübingen/Wuppertal/Dresden, 1997/98, S. 137). [SM]
 


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