Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 120000007

 
120000007
Ernst Ludwig Kirchner
Straßenszene, nach dem Regen, 1914.
Holzschnitt
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Objektbeschreibung
Straßenszene, nach dem Regen. 1914.
Holzschnitt.
Gercken 648. Dube 223. Schiefler H 236. Signiert, datiert und bezeichnet "Eigendruck". Eines von 5 bisher bekannten Exemplaren. Auf Velin. 27 x 25,5 cm (10,6 x 10 in). Papier: 52,7 x 39 cm (20,7 x 15,3 in).

• Aus der gesuchtesten Schaffenszeit des Künstlers
• Drei von fünf Exemplaren befinden sich in Museumsbesitz: Stedelijk Museum Amsterdam, County Museum of Modern Art Los Angeles und National Gallery of Art Washington
• Ein Abzug dieses Holzschnitts wurde letztmalig vor 30 Jahren angeboten
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland (seit 1988 in Familienbesitz).

LITERATUR: Galerie Kornfeld, Bern, Auktion 198, 17.6.1988, Lot 71.

Essay
Seit 1911 lebt Kirchner dauerhaft in Berlin, alle Werke, die bis 1915 hier entstehen, atmen die pulsierende Lebendigkeit der modernen Großstadt. Es fasziniert ihn die schillernde Welt des Berliner Nachtlebens mit seinen Varietés mit Akrobaten und Tänzerinnen. Seit 1914 bestimmen die Straßenszenen zunehmend das künstlerische Schaffen Ernst Ludwig Kirchners und sie gehören heute zu den gefragtesten Motiven des Künstlers. Besonderes Interesse wecken bei Kirchner die in der Metropole weit verbreiteten Kokotten, die mit auffälligen Federhüten oder federbesetzten Mantelkrägen die Straßen Berlins entlangflanieren, um die Aufmerksamkeit möglicher Freier auf sich zu ziehen. Die beiläufig auftauchenden Menschen, sowohl Kokotten als auch Berliner Bürger, auf der Straße werden zu den Hauptakteuren seiner Kunst. Das flüchtige Erfassen von Spaziergängern und Passanten in einem sehr kleinen Ausschnitt der Straße bildet eine eigene Werkgruppe im Œuvre Ernst Ludwig Kirchners. Extreme Perspektiven und herausragende Bildlösungen bestimmen die Werke dieser Zeit. Es entstehen dichte Kompositionen, deren Einzelteile vom Auge erst sortiert werden müssen. So wird der Rücken des Herrn mit Hut in dem Holzschnitt "Straßenszene, nach dem Regen" zur schwarzen Projektionsfläche der Dame im Vordergrund, aufgelockert durch scharf gesetzte Schraffuren. Dicht gedrängt bewegen sich die Passanten in unterschiedliche Richtungen, ein buntes Treiben an einem geschäftigen Tag. Vor allem die Darstellung der Bewegung reizt Kirchner: "Aus ihr kommt mir das gesteigerte Lebensgefühl, das der Ursprung des künstlerischen Werks ist." (Zit. nach: Magdalena Moeller, Ernst Ludwig Kirchner. Die Straßenszenen 1913-1915, S. 25) Zwischen der Zeichnung, die es ihm ermöglicht, den unmittelbaren Eindruck unverfälscht festzuhalten, und der Ausführung in Öl steht in Kirchners Schaffensprozess die Druckgrafik. Vor allem der Holzschnitt zwingt ihn zur Klärung der Formen in seiner Komposition. Dieser nimmt im reichen grafischen Schaffen von Ernst Ludwig Kirchner einen besonders breiten Raum ein. In der konzentrierten Form seiner Aussage ist er die bevorzugte Technik Kirchners, der in ihr das geeignete Medium der Verwirklichung seiner Ideen sieht. Die an sich spröde Technik fordert den Künstler in einer Weise, die sich in den auf das Wesentliche konzentrierten Bildaussagen manifestiert. In der Komprimierung des Formalen erreicht er eine Ausdrucksstärke des Bildnerischen, die bis dahin in dieser Technik unbekannt ist. [SM]
 


Weitere Abbildungen
 
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