Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 508

 
508
Louis Gurlitt
Abendliche Sicht auf den Kattegat bei Kullen, 1838.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 4.000
Ergebnis:
€ 26.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Abendliche Sicht auf den Kattegat bei Kullen. 1838.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts der Mitte signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen mit Bleistift handschriftlich bezeichnet "Strand am Kattegat". 59,5 x 84,5 cm (23,4 x 33,2 in).

• Besonderes Motiv im Schaffen des Künstlers
• Aus dem in Dänemark entstandenen Frühwerk
• Meisterhaft ausgeführte, stimmungsvolle Landschaft von musealem Rang
.

Wir danken Herrn Prof. Dr. Ulrich Schulte-Wülwer für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatbesitz Süddeutschland (seit ca. 1960 in Familienbesitz).

„Sonst muß ich sagen, daß von allem, was ich gesehen habe […] meinen Gefühlen die seeländischen Wälder und Strand und Kullen etc. dennoch mehr zusagen, so daß ich mich in den schönsten Gegenden immer mit Sehnsucht dorthin versetze.“
zit. nach: Ludwig Gurlitt, Louis Gurlitt. Ein Künstlerleben des XIX. Jahrhunderts, dargestellt von seinem Sohne, Berlin 1912, S. 106.

Essay
Nachdem Louis Gurlitt zunächst in Hamburg seine Ausbildung beginnt, wechselt er 1832 an die Königlich Dänische Kunstakademie in Kopenhagen und verschreibt sich ganz der Landschaftsmalerei. Anschließend lässt er sich in München nieder, nicht ohne wiederholte Aufenthalte in Dänemark und Schweden, da die nordischen Motive im Gegensatz zu Landschaften aus Italien und Griechenland aufgrund ihrer Seltenheit auf reges Interesse stoßen. Den Sommer 1833 verbringt er in Hellebaek im Norden Dänemarks und in Kullen an der gegenüberliegenden schwedischen Küste, um in Form von Zeichnungen und Studien Material für später im Atelier ausgeführte Gemälde zu sammeln, wie es in akademischer Tradition vor der impressionistischen Freiluftmalerei übliche Praxis ist. Besonders die Landschaft bei Kullen fasziniert Gurlitt aufgrund der zerklüfteten felsigen Küste, die jedoch in Richtung des Landesinneren in sanfte Dünen übergeht. Für die Akademieausstellung 1834 in Kopenhagen präsentiert er demnach unter anderem ein Motiv bei Kullen und gewinnt mit seinen dem nationalromantischen Geschmack entsprechenden Gemälden dänischer Landschaften die Aufmerksamkeit des Kronprinzen und späteren Königs Christian VIII. Auch mit seiner ersten Frau zieht es Gurlitt in die Gegend um Kullen: „Gleich am ersten Tage unserer Hochzeit am 3. Mai machen wir eine kleine Tour auf Seeland nach Hellebek, und wenn das Wetter es erlaubt, nach Kullen. Außer der Annehmlichkeit, die Gegend, die mich so sehr entzückt, in Gesellschaft meiner jungen Frau zu genießen, habe ich zugleich zum Zweck, einige Zeichnungen daselbst zu machen, um später in München Bilder danach zu malen" (zit. nach: Ludwig Gurlitt, Louis Gurlitt. Ein Künstlerleben des XIX. Jahrhunderts, dargestellt von seinem Sohne, Berlin 1912, S. 98). Diese Zeit in Dänemark bleibt für ihn stets mit den glücklichsten Jugenderinnerungen behaftet. Eine weitere Ansicht von Kullen reicht er 1840 bei der Akademie ein, um als Mitglied angenommen zu werden. Bereits zu seinen Lebzeiten werden seine Landschaften für königliche Sammlungen erworben, weshalb sich etliche u. a. in der Neuen Pinakothek in München, dem Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover sowie der Dänischen Nationalgalerie in Kopenhagen befinden. Seine romantischen Landschaften sind dabei zum einen dem intensiven Naturstudium verpflichtet, nicht ohne bei der Überführung ins Gemälde idealisierende Korrekturen an Komposition und Farbstimmung vorzunehmen. So kann dasselbe Motiv einmal wie in dem Kopenhagener Gemälde „Ansicht von Kullen. Schmuggler verstecken ihre Ware in den Felsen“, 1834, gefährliche Dramatik mit aufgewühlter See bei Mondschein vermitteln. Als stimmungsvoll-harmonische Seelenlandschaft präsentiert sich dagegen das unsrige: Vor der beruhigten See im sanften Licht der untergehenden Sonne erscheint ein Hirte bei der Heimkehr als Staffagefigur. Nach einem Aufenthalt in Düsseldorf und regem Austausch mit Künstlern der dortigen Malerschule bricht Gurlitt schließlich um 1843 gen Süden nach Italien auf, anschließend folgen Studienreisen in mehrere europäische Länder. Von seinen Kollegen in der romantischen Landschaftsmalerei wie Andreas Achenbach, Carl Rottmann und Johann Christian Clausen Dahl wird Louis Gurlitt sehr geschätzt. [KT]
508
Louis Gurlitt
Abendliche Sicht auf den Kattegat bei Kullen, 1838.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 4.000
Ergebnis:
€ 26.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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