Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 322

 
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Hermann Max Pechstein
Mann und Weib, 1909.
Farblithografie von zwei Steinen, teils monotyp...
Nachverkaufspreis: € 30.000
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Objektbeschreibung
Mann und Weib. 1909.
Farblithografie von zwei Steinen, teils monotypieartig gedruckt.
Krüger L 80. Signiert, datiert, betitelt "Mann + Weib" und bezeichnet "4." sowie mit den Adressangaben des Künstlers. Im Stein monogrammiert und datiert. Wohl einer von nur zwei bekannten farbigen Abzügen, mit leichter Variation in der Kolorierung. Daneben ist ein aquarelliertes Exemplar bekannt. Auf bräunlichem Papier. 51 x 41,5 cm (20 x 16,3 in). Papier: 59 x 43,8 cm (23,2 x 17.2 in).
[JS].
• Vom Künstler monotypieartig kolorierter Handabzug, Unikat.
• Sehr selten. Bisher wurde nur ein weiteres, monotypieartig koloriertes Exemplar auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com).
Mann und Weib sind Lotte, die Frau des Künstlers, und "der" Inder.
• Pechstein ist fasziniert von dem Exotischen
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (seit 1999).

AUSSTELLUNG: (wohl jeweils ein anderes Exemplar)
19. Ausstellung der Berliner Sezession, November 1909 bis Januar 1910, Nr. 553.
Deutsche graphische Ausstellung im deutschen Buchgewerbemuseum Leipzig, 25. Oktober - 4. Dezember 1910, Nr. 482.

LITERATUR: Christie's, London, 7. Oktober 1999, Kat.-Nr. 270, mit Abb. S. 270.

Essay
Diese unikale, in Teilen monotypieartig kolorierte Lithografie ist ein herausragendes Beispiel für Pechsteins Beschäftigung mit dem Fauvismus, dem er in Paris in Galerien und Ausstellungen begegnet und seine Konzentration auf das Malerische fördert. Alles in diesem Werk ist harmonisch und ausgeglichen: Den etwas härteren Konturen der Körper begegnet der Künstler mit weicher Binnenzeichnung der Bildnisse, die Betonung der Lippen mit Rot, der expressive, blaue Strich in der Kopfbedeckung des Mannes, der mit hellgrüner Farbe akzentuierte Körper der Frau. Eine geschlossen komponierte Bildwelt, in der die Stille des Seins und der rufende farbliche Reflex einander die Waage halten, den Kontrast zwischen den beiden Figuren erahnen lässt. Wer sind die Dargestellten? Die Identität der weiblichen Figur lässt sich einfach festlegen: Es ist Lotte, die Frau des Künstlers, die er, aus Paris zurück in Berlin, im Atelier von Georg Kolbe kennenlernt und die folgend Pechstein als Modell für nahezu alle Werke zur Verfügung steht. Und der Mann mit dem exotisch wirkenden Kopfschmuck? Es ist 'der' Inder, der Ende 1909 Anfang 1910 als Modell die Gemälde und Zeichnungen Pechsteins dominiert, so auch diese Lithografie zusammen mit Lotte. Seine Identität bleibt im Ungewissen, eröffnet hingegen Spekulationen dahingehend, ob 'der Inder' etwa als Gast in einem Berliner Zirkus oder in den berühmt-berüchtigten Hagenbeck-Völkerschauen auftritt, wie einst in Dresden die dunkelhäutigen Artisten Sam, Milly und Nelly aus dem Zirkus Schumann, die sich im Atelier Ernst Ludwig Kirchners aufhalten, von ihm fotografiert sind und für seine Malerei als "edle Wilde" Modell stehen. Kirchner wie auch Pechstein fasziniert das Exotische, sie interessiert, das Leben der Dargestellten authentisch zu repräsentieren. [MvL]
 


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